Donnerstag, 31. März 2011

[Rezension] Björn Kern – Das erotische Talent meines Vaters ****

Genre: zeitgenössischer Roman; Seiten: 190; Preis: 18,95 Euro

Klappentext: Ein Wochenendbesuch beim Vater stellt den Sohn, den Ich-Erzähler in Björn Kerns neuem Roman, vor einige Rätsel. Welche Rollen spielen die beiden Frauen, die den Vater belagern, und wieso ist er so ungewöhnlich fit? Nimmt er vielleicht Drogen?
Farbig und unterhaltsam, spannend und mit einigem Augenzwinkern erzählt Björn Kern von der neuen verkehrten Welt, in der die Kinder bürgerlicher sind als  ihre freizügigen, sich um ihre Selbstverwirklichung sorgenden Eltern.
Titel und Cover: Ein völlig in Weiß gehaltenes Cover mit schwarz/weiß Bildern. Zwei Frauen, ein Mann. Nur durch seine Schlichtheit kann dieses Cover Interesse wecken. Der Titel „Das erotische Talent meines Vaters“ schlägt im Vergleich dazu ein wie eine Bombe. Automatisch fragt man sich selbst, ob man über dieses Thema überhaupt etwas wissen möchte. Was gibt es da zu wissen? Gleichzeitig wirkte der Titel aber von Anfang abschreckend auf mich. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich zwischen den Buchdeckeln etwas verbergen kann, das mich wirklich interessiert.

Inhalt: Phillip besucht seinen Vater Jakob einmal im Jahr für zweieinhalb Tage. Das ist Routine geworden. Diesmal kommt hinzu, dass seine Mutter – Iris – ihn beauftragt hat, möglichst viel über seinen Vater in Erfahrung zu bringen.
Bei diesem gehen zwei Damen ein und aus und das obwohl Jakob behauptet sie stören ihn nur. Warum macht er sich trotzdem schick und scherzt mit den beiden Frauen? Warum  hält er sich ausgesprochen fit und wie schafft er das?
Während all dieser Fragen hadert der Ich-Erzähler auch mit seinem Leben. Mit seiner verflossenen Liebe, die ihn verließ, da er in einer Psychiatrie arbeitet und dort Menschen auch in ihren intimsten Momenten sieht.
Am Ende führen die beiden Männer tatsächlich ein klärendes Gespräch, doch der Graben zwischen ihnen bleibt weiter bestehen.
Eigene Meinung: Mit nur knapp 190 Seiten liegt das Buch weit unter der Dicke, die ich normalerweise lese. So war die Lektüre auch schnell beendet, was durch den leicht zu lesenden und oft mündlich wirkenden Stil noch unterstützt wird. Obwohl die Sätze meistens lang sind, gibt es kaum Probleme beim Erfassen des Inhalts.
Die Gedanken des Ich-Erzählers werden oft eins zu eins in Schriftform gebracht. Obwohl ich es erst kaum für möglich gehalten hatte, kam doch Spannung auf. Was ist denn nun mit dem Vater? Nimmt er tatsächlich Drogen? Obwohl die Auflösung beinahe vorhersehbar war, hatte ich doch nicht damit gerechnet.
Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Der Vater wirkt teilweise übertrieben und seine Beteuerungen, dass er den Besuch der Frauen nicht will, lässt einen schmunzeln, denn ganz offensichtlich genießt er ihre Anwesenheit.
Geleichzeitig wirft der Roman ein Blick auf die verschiedenen Generationen. Der Vater – ein 68er, der die Geschichten über seine ach so böse Vergangenheit, in der er scheinbar ein Rebell war, noch gerne ausschmückt und dem gegenüber sein Sohn, Pfleger von geistig erkrankten Menschen, der sich Sorgen macht, sich beim Baden im See zu erkälten.  Es lässt einen Schmunzeln zu sehen, wie scheinbar die Rollen vertauscht sind: Der Junge mahnt und der Vater verlangt, dass der Sohn mal wieder ordentlich auf den Putz hauen soll.
Fazit: Es ist ein Buch, dem es gelingt humorvoll eine Vater-Sohn-Beziehung zu beleuchten und gleichzeitig Fragen zu stellen, Fragen an die Gesellschaft und an die innere Einstellung. Es sind diese Fragen, durch die das Lesen Freude bereitet.
Ich vergebe vier von fünf Sternen.

Über den Autor:  Björn Kern wurde im April 1978 in Südbaden geboren. Nachdem er während des Zivildienstes in einer Psychiatrie gearbeitet hatte, studierte er dann unter anderem in Tübingen und Passau. Gerade mit den Erfahrungen als Zivildienstleister setzt er sich inEinmal noch Marseille seinen Romanen auseinander.
Weitere Werke sind: KIPPunkt, und Die Erlöser AG. Letzteres wird inzwischen verfilmt und soll 2011 im ZDF laufen.

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