Samstag, 16. April 2011

[Rezension] Carlos Ruiz Zafón - Marina ****

Seiten: 350; Preis: 19,95; erschienen bei S.Fischer

Klappentext: Als Óscar Drai das Mädchen Marina trifft, ahnt er nicht, dass sie sein Leben für immer verändern wird. Mit ihrem Vater lebt sie in einer alten Villa wie in einer vergangenen Zeit. Marina bringt Óscar auf die Spur einer mysteriösen Dame in Schwarz, und bald befinden sich die beiden mitten in einem Albtraum aus Trauer, Wut  und Größenwahn, der alles Glück zu zerstören droht.
Inhalt: Oscar lebt in einem Internat in Barcelona und mehr durch Zufall lernt er Marina kennen, die ihn auch gleich zu Beginn ihrer Freundschaft auf die Spur des großen Rätsels setzt. Eine schwarz verschleierte Frau legt einmal im Monat Blumen an einem namenslosen Grab nieder. Nach und nach verstricken die beiden sich immer mehr in das düstere Geheimnis und werden dann selbst Zielscheibe, sodass sie um ihr Leben fürchten müssen.
Cover: Das Bild zeigt dem Betrachter ein altes Steingebäude mit einem kleinen Türmchen und einem Garten mit Mauer. Einerseits passt dieses schwarz/weiß Bild hervorragend in die Atmosphäre des Buches. Andererseits ist hier kein Gebäude abgebildet, das wirklich auch im Roman selbst eine Rolle spielt beziehungsweise den Häusern im Gebäude ähnelt.

Meine Meinung: Ich kannte bis dato noch kein Werk von Zafón und bin gleich auf den ersten Seiten seiner wunderschönen Sprache und den Bildern mit denen er spielt verfallen. Der Autor wechselt zwischen messerscharfer genauer Sprache und neuen, nie gelesenen Bildern mit denen er die Oscars Welt vor dem inneren Auge des Lesers aufbaut.
Etwas erstaunt war ich über den Verlauf der Handlung. Nach dem Lesen des Klappentextes erwartete ich eine zwar spannende Geschichte um eine Freundschaft zweier Jugendlicher, doch der Roman selbst offenbart ein Barcelona voller Grusel, teilweise sogar Horror. Scheinbar lebendig gewordene Puppen verfolgen Óscar und Marina, Menschen mit denen sie über ihre Vermutungen gesprochen haben, sterben noch in derselben Nacht.
So spinnt sich ein Rätsel, das die beiden nach und nach lösen. Etwas schade ist, dass diese Lösung für mich recht früh vorhersehbar war. Aufmerksame Leser können bald die einzelnen Hinweise zusammenführen und kennen die Lösung. Damit war die recht lange Auflösung der Geschichte, die uns dann von der Dame in Schwarz präsentiert wird, für mich ziemlich langatmig.
Das Vorhersehbare haftet leider auch dem Geheimnis um Marina an. Hier ist das Ende jedoch weiterhin spannend. Mit einer beinahe grenzenlosen Melancholie wird es erzählt und ich musste mehrmals ergriffen schlucken.
Zwei Punkte kamen mir, während dem Lesen etwas merkwürdig vor: Auch von Óscars Vergangenheit, von seiner Geschichte, erfährt der Leser nichts, abgesehen von einem lapidaren: „Meine Eltern reisen viel.“ Obwohl es natürlich nicht maßgeblich ist für die Handlung, hätte ich es doch nett gefunden, da ja auch Marinas Rätsel gelüftet wird, auch mehr von ihm zu erfahren. Unglaubwürdig finde ich, dass es Óscar jedes Mal, jeden Tag ob mittags oder abends, gelingt aus dem Internat zu entwischen. Das sorgt zwar dafür, dass die Handlung nicht ins Stocken kommt, aber die Erklärung für diesen ständigen Erfolg bleibt aus.

Fazit: Trotz der Vorhersebarkeit konnte mich Carlos Ruiz Zafón ins Barcelona Ende der 70er Jahre entführen.  Óscar als Ich-Erzähler überzeugt mit seiner oft naiven Art und die subtile Spannung, die der Autor von Anfang an erzeugt, kann den Leser in Atem halten. Und die Sprache dürfte eigentlich nicht am Schluss stehen, denn sie übt in diesem Werk die größte Macht aus.
So möchte ich 4 von 5 Sternen vergeben. 

Über den Autor:
Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren und wuchst dort auch auf. Vor 1994 war er in Barcelona in einer Werbeagentur tätig, danach ging er nach Los Angeles und konzentrierte sich ganz aufs Schreiben. 1993 erschien „Der Fürst des Nebels“ für den Zafón im selben Jahr den Jugendliteraturpreis erhielt.
2002 wurde Zafón nach dem Erfolg seines Buches „Der Schatten des Windes“ als literarische Sensation gefeiert.  In vielen Bestseller-Listen wurde es lange Zeit gesichtet. 
Hier gehts zur deutschen Webseite des Autors. 

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