Samstag, 9. April 2011

[Rezension] Elfriede Jelinek - Die Klavierspielerin **(*)

So, schneller als erwartet habe ich die 300 Seiten dieses Buches gelesen und muss gestehen, dass ich manches auch nur quergelesen habe. Ein Buch, an dem man sicherlich kein Spaß hat, das aber dafür auch nicht geschrieben ist. Auf die Diskussion in der Uni bin ich aber gespannt, denn interessante Interpretationsansätze finden sich hier sicherlich viele.

Klappentext: Einer der meistdiskutierten deutschsprachigen Romane der letzten Zeit: Der Klavierlehrerin Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, ist es nicht möglich, aus ihrer Isolation heraus eine sexuelle Identität zu finden. Unfähig, sich auf das Leben einzulassen, wird sie zur Voyeurin. Als einer ihrer Schüler mit ihr ein Liebesverhältnis anstrebt, erfährt sie, daß sie nur noch im Leiden und in der Bestrafung Lust empfindet. 

Inhalt: Erika Kohut darf schon als Mädchen kaum, am besten gar nicht, mit den anderen Kindern spielen. Sie soll eine bekannte Pianistin werden, wird von der Mutter nicht nur gedrillt, sondern auch ständig überwacht.
Mit Ende 30 lebt sie weiterhin mit ihrer Mutter zusammen, schläft mit ihr im Ehebett. Weiterhin wird sie ständig überwacht. Aus dem Pianistin-Traum ist nichts geworden. Stattdessen ist sie nun Lehrerin. Nur mit Lügengeschichten kann sie ihrer Mutter immer kurzzeitig entfliehen. Sie entflieht, um zur Voyeurin zu werden, überwacht nicht nur ihre Schüler, sondern sucht auch Plätze der käuflichen Liebe auf, um ins Innere der Menschen zu schauen.
Als ein Schüler sich in sie verliebt und sich vornimmt sie zu erobern, ist Erika völlig überfordert. Doch dann teilt sie ihm ihre geheimsten Wünsche mit, was wiederum ihn scheinbar vor unlösbare Herausforderungen stellt.
Meine Meinung: Am Ende bleibt Entsetzen. Dieses Buch ist keine unterhaltsame Lektüre für zwischendurch, sondern es zeigt eine Beziehung zwischen Mutter und Tochter auf, die sich keiner wünscht. Erika flüchtet vor sich selbst und verliert sich dabei beinahe. Wenn sie zur Voyeurin wird, wird es der Leser ebenso. Die Abscheu des Lesers deckt sich dabei wohl mit der der Protagonistin.
Einige Szenen sind keineswegs jugendfrei, schon nicht mehr erotisch, eher pornographisch. Dies sollte jedem Leser vorher bewusst sein. Dabei lässt die klare, deutliche Sprache dem Leser einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
Fazit: Wie gesagt, zur Unterhaltung dient dieser Roman sicherlich nicht. Er sollte nur gelesen werden, wenn man sich selbst gerade in guter Tagesverfassung befindet. Die Möglichkeiten zur Interpretation sind aber herausragend und mit Erschrecken muss hier die Leistung der Autorin gewürdigt werden. Es bietet die Möglichkeit für "ein besseres Verstehen über perverse Formen 'abweichenden' Verhaltens" (Norbert Schachtsiek-Freitag, "Frankfurter Rundschau").
Ich vergebe 2,5 von 5 Punkten. 

Über die Autorin: Elfriede Jelinek wurde 1946 in der Steiermark geboren. Heute lebt sie in Wien und München.
Sie ist eine äußerst umstrittene Autorin, die hauptsächlich öffentliche, politische und auch private Missstände in Österreich thematisiert. Nicht nur ihre Kritiker, sondern auch sie selbst, titulieren ihren provokanten Stil als vulgär, obszön und blasphemisch.
Sie erhielt aber auch schon diverse Auszeichnungen und Ehrungen. Der Höhepunkt war hier 2004 der Nobelpreis für Literatur „für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen.“

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