Montag, 9. Mai 2011

[Rezension] Peter V. Brett - Das Flüstern der Nacht ****

Autor: Peter V. Brett
Titel: Das Flüstern der Nacht
Originaltitel: The Desert Spear
Reihe: Dämonen-Trilogie
1. Das Lied der Dunkelheit
2. Das Flüstern der Nacht
3. The Daylight War
Seiten: 1006
Verlag:  Heyne
Veröffentlichung: 9.8.2010
ISBN: 978-3453526112    
Preis: 16, 00 Euro 

Ausstattung:  Wie auch schon bei „Das Lied der Dunkelheit“ weicht der Titel deutlich vom englischen Original ab. „Flüstern der Nacht“ passt sich aber hervorragend dem deutschen ersten Teil an. Die Covergestaltung ist sehr ähnlich. Diesmal sieht der Betrachter einen Reiter mit Speer, anstelle eines Wanderers und die Farbgebung hebt sich 
leicht vom ersten Band ab, indem ein leichter Stich ins Blaue zu vermerken ist.
Vorne und hinten ist – wie schon im ersten Band – eine illustrierte Karte von Thesa zu sehen. Dort kann der Leser ohne Schwierigkeiten alle wichtigen Orte der Handlung finden. 

Kurzbeschreibung (laut Amazon) Das Flüstern der Nacht knüpft nahtlos an die Geschichte aus Lied der Dunkelheit an und wird zu einem Großteil aus der Sicht des krasianischen Führers Ahmann Jardir erzählt, der von den Wüstenvölkern dank des Runenspeers als Erlöser gefeiert wird. Dorf um Dorf, Stadt um Stadt erobert er mit seinen Kriegern das Nordland, um sie zum Kampf gegen die Dämonen zu zwingen. Doch auch der von Jardir um den Runenspeer betrogene Held der Nordländer und inzwischen am ganzen Körper mit Schutzzeichentattoos bedeckte Arlen ist nicht bereit, sich kampflos zu ergeben. Und auch die Dämonen senden ihren Champion, den Prinzen der Hölle, um der Gefahr durch die beiden Führer zu beseitigen. 

Da es sich um den zweiten Band handelt, kann die Rezension Spoiler zu Band 1 beinhalten.

 Inhalt: Zu Beginn des zweiten Bandes lernen wir ausführlich Jardir, den späteren Anführer der Krasianer kennen. Von seiner frühesten Kindheit, bis hin zum Auszug, um dem gesamten Norden zu unterwerfen, verfolgen der Leser seine Geschichte, in der Gewalt, Hierarchien und Disziplin eine große Rolle spielen.
Darauffolgend erscheinen auch wieder die altbekannten Handlungsstränge um Arlen, Leesha und Rojer. Das Tal der Holzfäller ist großen Veränderungen unterworfen und viele Flüchtlinge suchen dort nicht nur Zuflucht, sondern auch den Erlöser, den sie im Tätowierten Mann erkannt haben wollen.
Es werden noch zwei weitere Handlungsstränge eingebaut. Zum einen lernen wir Renna näher kennen. Das Mädchen, das zu Beginn von „Das Lied der Dunkelheit“ Arlen versprochen wurde. Ihre Geschichte wird im Verlauf geschickt an einen der anderen Handlungsstränge angeknüpft.
Zu guter Letzt kann der Leser immer mal wieder Blicke auf die wahren Bösewichte – die Prinzen des Horcs – werfen. Zwei Prinzen verfolgen die beiden für sie gefährlichsten Männer von Thesa – Jardir und Arlen. 

Meine Meinung: Auf den ersten Seiten knüpft die Geschichte zeitlich dort an, wo sie mit Band 1 endet. 333 NR, also nach der Rückkehr der Dämonen, erleben wird, dass Jardir, Anführer der Krasianer sich auf den Weg macht den Norden zu erobern. Über Rückblenden verfolgt der Leser dann über 300 Seiten lang den Aufstieg dieses Mannes. Einerseits eine Geschichte, die wirklich interessant ist und auch viel Hintergrundwissen bietet, andererseits sehr ungewöhnlich, denn die Geschehnisse liegen teilweises vor der Zeit im ersten Band und auch zeitgleich. Das heißt Szenen, die wir aus Arlens Sicht schon kennen, werden jetzt noch einmal aus Jardirs Perspektive gezeigt.
Dies hat natürlich seine Vorteile, um nicht nur die Gesellschaftsstruktur der Krasianer besser zu verstehen, sondern auch um Jardir kennen zu lernen und am Ende hinterfragen zu können.
Nach dem ersten Drittel folgen wieder die alten Handlungsstränge aus Band eins, die nach und nach weiter mit Jardirs Schicksal verknüpft werden.
Arlen beziehungsweise der Tätowierte Mann ist mir auch in diesem Band wieder am meisten ans Herz gewachsen. Obwohl er versucht, sich die Menschen vom Leib zu halten, spürt man seine Zerrissenheit und welche Konflikte in ihm toben.
Leesha hingegen finde ich über weite Strecken etwas anstrengend. Sie hat kaum Fehler und dieser unbedingte Aufopferungswille für ihr Tal macht sie etwas langweilig. Allein ihr Umgang mit Männern ist etwas fragwürdig, aber das reicht in einer Welt mit Dämonen nicht aus, um einen Charakter ausreichend spannende Facetten zu geben.
Es gibt nun auch neue Handlungsstränge. Die Einführung von Renna wirkte auf mich zwar etwas plump, weil die Perspektive völlig aus dem Zusammenhang gerissen und grundlos auf ihr Leben umschwenkt, aber mit der Zeit konnte ich auch mit ihr mitfiebern und habe sie gerne in den Kreis der Protagonisten aufgenommen.
Die Horcling-Prinzen sind natürlich etwas Besonderes. Nicht allzu oft hat der Leser die Möglichkeit auch einen Blick hinter die Front zu werfen und von den Gedanken, Plänen und Wünschen des Bösen zu erfahren. Brett ermöglicht es uns hier und obwohl es nicht so weit geht, dass ich mit den Horclingen mitfühlen konnte, entwickelte sich eine spannende Verfolgungsjagd.
Besonders im zweiten Teil ist die Geschichte um das Schicksal Theasas sehr spannend und äußerst emotional. Gerade wenn man Arlen an altebekannte Schauplätze folgt und er nur ein Blick auf sein altes Leben werfen will, sind bei manch einem vielleicht sogar Taschentücher von Nöten. 

Fazit: Die erste Hälfte des Buches ist wirklich gut, aber kann den Leser nicht mitreißen. Erst im späteren Verlauf erreicht die Geschichte wieder die Größe des ersten Bandes „Das Lied der Dunkelheit“ und atemlos habe ich das weitere Geschehen um Leesha, Rojer, Arlen, Jardir verfolgt und nun heißt es warten auf den dritten Band.
So vergebe ich am Ende gute 4 von 5 Sternen.


Weitere Info:
Der große Basar“ handelt ebenfalls von der Welt, in der jede Nacht Horclinge an die Oberfläche steigen. Hier finden sich zwei Kurzgeschichten sowie zwei gestrichene Szenen aus Band 1. Außerdem gibt es noch einige Informationen über die Dämonen. 

Über den Autor: 1973 wurde Peter V. Brett in New York in den USA geboren. Er studierte Kunstgeschichte und englische Literatur und arbeitete dann ein Jahrzehnt als Lektor für medizinische Fachliteratur. Er lebt heute mit seiner Familie in Brooklyn in New York und widmet sich ganz dem Schreiben. Zur Homepage des Autors.

Kommentare:

  1. Am Anfang hatte ich auch etwas Schwierigkeiten in die Geschichte einzusteigen, aber am Ende des Buches hatte ich noch stärker den Wunsch weiterzulesen als nach dem ersten Band "Das Lied der Dunkelheit".

    LG Nanni

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  2. schöne Rezi, schöner Blog, wirst ab jetzt verfolgt :)

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  3. @Nanni

    Ja, ich hätte auch gerne weitergelesen. Das Ende war wieder mindestens so gut wie das erste Buch.

    @Sandrina

    Oh, das freut mich, dass es dir gefällt. :-)

    Viele Grüße
    Asaviel

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  4. Das erste Drittel des Buches war gerade sehr gut! Hier hat Brett uns die andere Seite gezeigt und ich konnte sogar mit Jardir, der Verkörpeung des Arlens Übels aus dem ersten Band (!!!) MITFÜHLEN und ihn über weite Strecken verstehen. Das zeugt einfach nur davon, dass Peter v. Bretts ein hervorragender Schriftsteller ist! Ich fand das Buch insgesamt sehr, sehr gelungen!

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