Freitag, 12. August 2011

[Rezension] Rebecca Gablé - Hiobs Brüder *****

Autorin: Rebecca Gablé
Titel: Hiobs Brüder
Genre: Historischer Roman
Seiten: 907
Verlag: Bastei Lübbe
Veröffentlichung: 11. Dezember 2009
ISBN: 978-3431037913
Preis: 24,99 Euro (gebundene Ausgabe)

Ausstattung: Das Cover ist relativ schlicht und verrät nur wenig über den Inhalt. Der Titel lässt erahnen, dass es um Menschen, um Männer geht, die ein schweres Leben führen, denn auch der biblische Hiob hatte es selten leicht. Die gebundene Ausgabe ist unter dem Schutzumschlag dunkelrot und weist in dieser Farbe auch ein Lesebändchen auf.
Zu Beginn und am Ende des Buches findet sich eine Karte Englands zu der Zeit. Dort sind auch die wichtigsten Städte eingezeichnet, sodass der Leser sich schnell zurecht findet auf der Reise der Männer.
Das Buch ist in insgesamt 3 große Abschnitte eingeteilt, die jeweils einen Titel tragen und deren Inhalt durch eine nette zweiseitige Illustration veranschaulicht wird. Natürlich wird hier nicht zu viel verraten, sondern lediglich die Neugier geweckt.
Es gibt keine Kapiteleinteilung, nur Abschnitte oder aber Sprünge in der Zeit und dem Ort weisen auf Sinnabschnitte hin. Das finde ich immer etwas schade, da ich persönlich Kapiteleinteilungen sehr schätze, aber wie sich im Laufe der Rezension zeigen wird, kann ich dieses Mal großzügig darüber hinweg sehen. 
Das Papier dieses Buches ist sehr dünn und erinnert beinahe an das Bibelpapier. So glaubt man auch kaum, dass dieses dünne Buch über 900 Seiten aufweist. Das Papier ist aber zum Glück noch dick genug, dass schnelles Reißen nicht zu befürchten ist.

Klappentext: England 1147: Eingesperrt in einer verfallenen Inselfestung, fristen sie ein menschenunwürdiges Dasein, weil sie nicht zu den Kindern Gottes zählen: Simon hat die Fallsucht. Edmund hält sich für einen toten Märtyrerkönig. Regy ist ein Mörder und so gefährlich, dass er an einer Kette gehalten werden muss. Losian hat sein Gedächtnis und seine Vergangenheit verloren. Ausgerechnet Letzterem fällt die Führung dieser sonderbaren Gemeinschaft zu, als eine Laune der Natur ihnen den Weg in die Freiheit öffnet. Er bringt die kleine Schar zurück in die wirkliche Welt, wo Hunger, Not und Rechtlosigkeit herrschen. Auf ihrer Reise gelangt er zu erschreckenden Erkenntnissen über den Mann, der er einmal war. Und gerade als er einer Frau begegnet, mit der ein Neuanfang möglich scheint, beginnt Losian zu ahnen, dass er die Schuld an dem furchtbaren Krieg trägt, der England zugrunde zu richten droht ...

Meine Meinung:
Schon nach den ersten paar Seiten hatte ich keinerlei Probleme mich in der Welt, die Gablé schafft einzufinden. Der junge Simon wird auf eine Insel verbannt, auf die einige Geistliche als jene bringen, die von Dämonen besessen sind und denen man nicht mehr helfen kann und will.
So findet sich eine bunte Gemeinschaft zusammen: Simon de Clare, Sohn eines englischen Edelmannes, der an der Fallsucht, also an Epilepsie leidet, Oswald mit dem Downsyndrom, Godric und Wulfric, die siamesischen Zwillinge, Luke, der davon überzeugt ist, dass in seinem Bauch eine Schlange wohnt, König Edmund, der glaubt der wiedergeborene heilige Edmung zu sein, Reginald de Warenne, der ein dunkles Geheimnis mit sich trägt, Kinder geschändet hat und vor keiner Gewalttat zurückscheut und Losian, der sein Gedächtnis verloren hat und sich nicht mehr an seine eigene Vergangenheit erinnern kann.
Diese acht  Männer fristen ein trauriges Dasein auf der kleinen Insel, die England vorgelagert ist. Durch einen Zufall gelingt ihnen dann die Flucht und sie schlagen sich durch England. Hier herrscht seit Jahren Krieg und natürlich begegnet man dieser bunten Reisetruppe mit Misstrauen.  Es scheint keinen Platz für sie zu geben.
Erst als Losian nach und nach entdeckt, wer er wirklich ist, zeichnet sich eine bessere Zukunft ab, doch da ist noch dieser Krieg zwischen der Kaiserin Maud und dem König Stephan und Losian war in seinem früheren Leben einer der besten Kämpfer innerhalb dieses Krieges. All dies verblasst beinahe zur Bedeutungslosigkeit, als er sich verliebt – in eine Frau, die er niemals heiraten dürfte.
Gablé erschafft wunderbare Charaktere. Jeden dieser Männer und auch die weiteren Charaktere, die man näher kennenlernt, muss der Leser einfach lieb gewinnen. Das gilt sogar für Reginald de Warenne, der zwar wirklich wahnsinnig sein muss und vor Brutalität nicht zurückschreckt und doch eine Seite im Leser berührt. Aber auch all die anderen sieht man mit ihren kleineren oder größeren Gebrechen vor sich und würde sie am liebsten in die Arme schließen, um sie in schlechten Momenten zu trösten. Letzteres gilt am meisten für Oswald.
Die gesamte Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Die eine Seite erzählt aus Losians Sicht, der im Laufe der Handlung auch zu seinem richtigen Namen zurückfindet. Die zweite  Seite wird aus Simons Persepktive geschildert. In einigen Abschnitten fällt dieses auch zusammen. Dabei gibt es keinen Ich-Erzähler, sodass der allwissende Erzähler zwar die Gefühle der Charaktere aufzeigen kann, aber je nach Belieben auch etwas Abstand bewahrt.
Behinderte Menschen sind bis heute ein wunder Punkt in der Gesellschaft und die Geschichte über diese Menschen, die damals auf so brutale Weise aus der Gesellschaft verbannt wurden, animiert den Leser zum Nachdenken.
Wie in jedem historischen Roman sind hier natürlich Fakten und Fiktion miteinander vermischt. Ich sehe darin überhaupt kein Problem, denn wir haben hier einen Roman zur Unterhaltung liegen und keinesfalls eine geschichtliche Abhandlung, die bis ins kleinste Detail korrekt und gesichert sein muss. Das Lesen soll erfreuen und Spaß machen. 

Fazit: Rebecca Gablé erzählt eine wunderbare Geschichte über eine Handvoll Männer, die aus einer unfreiwilligen Gemeinschaft das Beste machen müssen. Im Laufe der Zeit werden sie zu Freunden und gehen mit erhobenem Hauptes durch die Welt. Leider darf man ja in einer Rezension nicht einfach schreiben: „Lest dieses Buch! Lest einfach dieses Buch! Es ist wunderbar!“ Aber genauso empfinde ich.
Also 5 von 5 Punkte und lest das Buch, wenn ihr historische Romane mögt. 


Über die Autorin: Rebecca Gablé wurde 1964 am Niederrhein geboren. Sie absovlierte das Abitur und eine Bankkauffraulehre. In diesem Beruf hat sie auch einige Jahre gearbeitet. 1990 hatte sie ihren ersten Roman geschrieben und widmete sich nun ganz dem Schreiben. Sie begann ein Literaturstudium und suchte einen Verlag für ihren Kriminalroman. Dieser erschien dann 1995. Ihr erster historischer Roman („Das Lächeln der Fortuna“) erschien 1997 und wurde ihr großer Durchbruch. Seitdem erscheint ungefähr alle zwei Jahre ein historischer Roman aus ihrer Feder. Sie alle wurden Bestseller. Außerdem ist die Autorin schon mehrfach durch Preise ausgezeichnet. Zur Website der Autorin.

Kommentare:

  1. Rebecca Gablé gehört ist für mich DIE Autorin von historischen Romanen. Diese Buch werde ich definitiv auch noch lesen!
    LG,
    Damaris

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  2. Wenn wir mal Diana Gabaldon, die ja "nur" die Highland-Saga geschrieben hat/schreibt, außen vorlassen, dann stimme ich dir voll und ganz zu. :-)

    Viele Grüße
    Asaviel

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  3. Du hast mich inspieriert Asaviel, danach werde ich morgen in der Bücherei suchen :-))
    Ich habe schon von Rebecca Gablé gelesen, auf Empfehlung meiner Freundin und es hat mir alles gefallen!

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  4. Und wer keine historischen Romane mag sollte auch Gablé lesen, denn spätestens dann wird er hist. Romane mögen ;)
    Ich finde die Art wie sie schreibt auch ganz groß!! Wobei ihre Krimis ja echt schlecht sein sollen...
    Eigentlich ist mein Lieblingsbuch "Das Lächeln der Fortuna", aber "Hiobs Brüder" kommt direkt danach, weil es auch nicht ganz so politisch ist wie die anderen. Außerdem mochte ich (Das ist aber immer so) die Charaktere total gern und die Geschichte ist mal etwas anders als üblich.
    Großes Lob für deine Rezi :)

    Wünsch dir ein wunderschönes Wochenende :)

    LG Nanni

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  5. Hey ho:

    Ich fand Hiobs Brüder auch tierisch gut! Ich kann die Bücher von Gable auch nur empfehlen! Viele werden von der massigen Seitenzahl oft abgeschreckt, aber es lohnt sich wirklich!

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  6. Das Buch erinnert mich an Noah Gordons "Medicus" ... es ist ein mitreissendes Abenteuer. Wenn man einmal eingetaucht ist, ist man auch bereit den Figuren bis zum Schluss zu folgen.

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