Dienstag, 18. Oktober 2011

[Buchgedanken] Michael Ende: Momo

Autor: Michael Ende
Titel: Momo: oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte
Genre: Kinderbuch
Seiten: 302
Verlag: Piper
Erstveröffentlichung: 1973
ISBN: 978-3492253499
Preis: 7,95 Euro 

Buchgedanken zu "Momo"
 
Schon der Titel ist doch atemberaubend. Man spricht immer nur von „Momo“, die ja auch tatsächlich im Titel zu finden ist, doch da findet sich auch noch mehr. Ein zweiter Titel:Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“. Ich glaub jedes Manuskript, das heutzutage mit diesem Titel eingereicht wird, kann sich nicht einmal über einen müden Blick des Lektors freuen, heißt es doch maximal drei Wörter für den Titel, je kürzer desto besser.
Gleich 1974 erhielt Momo den Jugendliteraturpreis, doch es brauchte eine ganze Weile bis dieses Buch auch seine Leser fand. In der DDR sowie in der Sowjetunion durfte es lange nicht erscheinen. Komisch eigentlich, denn Michael Ende kritisiert offen den Materialismus. Doch es war auch unschwer zu erkennen, dass sich Spott über Karl Marx in Momo finden lässt.
Heute gehört „Momo“ zu den Klassikern. Es gibt Bücher, die kennt beinahe jeder schon von klein auf. Dieses gehört dazu, wird oft schon in frühen Jahren vorgelesen, obwohl Kinder vieles von dem, um das es wirklich in der Geschichte geht, nicht verstehen können.
Ich würde jedem ans Herz legen, dieses Buch noch einmal zu lesen, auch wenn man sagt: „Ach, kenn ich schon. Hab ich schon als Kind gelesen.“ Ja, das kann gut sein, aber heute liest man diese Geschichte ganz anders.
Die Menschen in Michael Endes Welt beginnen damit Zeit zu sparen. Sie denken, sie tun das aus eigenem Antrieb, aber tatsächlich stehen die unsichtbaren grauen Herren dahinter, die diese gesparte Zeit selbst zum Überleben brauchen. Somit ist die gesparte Zeit der Menschen einfach weg. Sie bekommen sie nie wieder.
Ist das  heute nicht auch noch so? Was passiert mit der Zeit, die wir sparen, weil wir etwas schneller, effizienter machen? Selten hat man das Gefühl, das man sich dadurch Freiräume oder Ruhepausen schafft. Auch diese Zeit ist meistens weg. Das gilt nicht für alle Zeitsparmaßnahmen. So zum Beispiel für die Spülmaschine. Wer wäscht gerne das Geschirr ab? Hier ist die Maschine praktisch, komfortabel, zeitsparend.
Aber warum sparen wir Zeit bei Dingen, die wir eigentlich gerne machen? Viele von uns üben ihren Job gerne aus. Er macht Spaß und sie wollen ihn nicht missen wollen. Das kann nicht für alle gelten, aber es gilt auch für mich. Mein Job ist derzeit das Studium und es macht mir Spaß. Ich lese gerne die Texte über Germanistik, über Geschichte, auch die über Pädagogik. Trotzdem versuche ich immer Zeit zu sparen. Texte schneller zu lesen, Texte schneller zu schreiben. Möglichst wenig Zeit darauf aufwenden zu müssen. Warum? Ist das nicht eigentlich total Blödsinn?
Momos Geschichte hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe entschieden: Ja, es ist Blödsinn. Seitdem versuche ich langsamer zu arbeiten, bewusster die Texte zu lesen. Dadurch bleibt auch mehr im Gedächtnis haften, denke ich, hoffe ich.
Ich mache mir keinen Stress mehr. Abgabetermine sind oft etwas dehnbar, nicht jeder Text muss tatsächlich von jedem Student gelesen sein. Das war am Anfang mein Anspruch – und ist am Ende kaum zu schaffen. Man lernt auszuwählen, zu entscheiden, was man wirklich braucht und was nicht ganz so wichtig ist. Und obwohl ich keine Zeit spare, kann ich doch mehr die Zeit genieße, auch die Zeit, die ich mit der Arbeit verbringe. Schließlich mache ich sie gerne.

Ich hoffe, auch diese Buchgedanken gefallen euch. Sie sind ganz anders als meine Gedanken zum ersten Harry Potter Teil, denn sie gehen nur wenig auf das Buch selbst ein, sondern sind mein persönliches Plädoyer sich mehr Zeit zu nehmen. 

Kommentare:

  1. Momo ist einer meiner Lieblingsklassiker. In meiner Jugend wurde ich sogar wegen meinen Locken Momo genannt, was mich sehr gefreut hat :-)
    Und ich finde es sehr schön, was dir dieses Buch gebracht hat: Dass du dir keinen Stress mehr machst und du die Zeit mehr geniessen kannst.
    Von wegen Stress . . . ich glaube, ich muss das Buch auch nochmals lesen ;-)

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  2. Ich liebe "Momo". Das war mein erstes Hörspiel, das ich gehört habe und einer der ersten Theaterstücke, die ich gesehen habe. Und sobald ich endlich lesen konnte, war es einer der ersten richtigen Bücher (mit Pippi Langstrumpf und Madita), die ich gelesen habe. :)
    Aber erst später, wenn man älter ist, versteht man das Buch eigentlich richtig.

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  3. Ohhh Momo, eines meiner absoluten Lieblingsbücher!

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