Mittwoch, 19. Oktober 2011

[Rezension] Paul Coelho - Veronika beschließt zu sterben *****

Autor: Paul Coelho
Titel: Veronika beschließt zu sterben
Originaltitel: Veronika Decide Morrer
Genre: Gegenwartsliteratur
Seiten: 223
Verlag: Diogenes Verlag
Veröffentlichung: 2000
ISBN: 978-3257233056
Preis: 9,90 Euro

Klappentext: Die junge Slowenin Veronika hat ihren Traum, Pianistin zu werden, dem ereignislosen Alltagsleben im Nachkriegs-Ljubljana geopfert. Sie beschließt schließlich, diesem leidenschaftslosen Dasein ein Ende zu bereiten, nimmt eine Überdosis Schlaftabletten - und erwacht in einer Irrenanstalt. Hier teilen ihr die Ärzte mit, sie sei herzkrank und habe nur noch wenige Tage zu leben. Den Tod vor Augen, durchmisst Veronika innerhalb weniger Tage alle Höhen und Tiefen des Daseins. Sie beginnt, für ihr Leben zu kämpfen und verliebt sich zum ersten Mal.

 Meine Meinung:
Dieses Buch gehörte zu denen, die beinahe schon jeder gelesen hatte, nur ich nicht. Das musste sich über kurz oder lang einfach ändern, auch wenn ich nicht zu den klassischen Gegenwartsliteratur-Lesern gehöre. Überall hörte man von der großartigen Geschichte.
Zu Beginn schreckte mich jedoch der Titel. Ich hatte erwartet, dass Veronikas Geschichte bedrückend und deprimierend ist. Dort möchte sich jemand umbringen, sich das Leben nehmen. Vermutlich aus Verzweiflung. Das kann nur bedrückend sein.
Weit gefehlt. Ja, Veronika möchte sich umbringen. Doch dafür hat sie ihre ganz eigenen Gründe und obwohl ich sie von Anfang an verstehen konnte, sind es Gründe, die den Leser nicht in ein tiefes Loch reißen werden.
Natürlich gelingt es Veronika nicht, sich das Leben zu nehmen. Ich hatte schnell durchschaut, was der Arzt der Psychatrie geplant hatte und mit einem Lächeln auf den Lippen konnte ich nun Veronika zusehen, wie sie sich ins Leben zurückkämpft und sie kämpft, obwohl sie das eigentlich gar nicht möchte, obwohl sie glaubt, dass sie doch noch sterben muss.
Diese Geschichte ist nicht nur eine Hommage an das Leben an sich, es ist nicht nur ein Plädoyer weiter zu machen und die schönen Dinge des Lebens zu suchen, um es sich auch lebenswert zu machen. Paul Coelho schreibt auch über das Anderssein, darüber wie gut es ist anderssein zu sein, dass man sich das erhalten soll in einer Welt, in der jeder zweifelnd, ja auch abfällig angeschaut wird, der es sich erlaubt aus der Normalität auszubrechen. Und somit schreibt er auch darüber, dass es nicht einfach ist seinen eigenen Wünschen nach zugehen, wenn diese sich vom allgemeinen Trott unterscheiden.
Gleichzeitig zeigt uns der Autor mit Veronikas Geschichte einen Weg auf, wie es gelingen kann. Damit meine ich nicht ihren versuchten Selbstmord oder die Zeit in der Psychatrie, sondern die innere Einstellung, die sie und einige der anderen Charaktere im Laufe der Zeit entwickeln. Denn nicht nur Veronika ist fein herausgearbeitet, sondern auch einige ihre Mitpatienten in der Klinik. 

Fazit: Paul Coelho geling es auf gut 200 Seiten eine Geschichte zu entwerfen, die an das Herz rührt und jeden Leser zum Nachdenken anregen wird. Es ist kein Buch, das man zwischendurch in der U-Bahn lesen sollte. Nehmt euch Zeit für dieses Buch. Ein Sonntagnachmittag wird reichen, um in die Geschichte abzutauchen und mit einem neuen Lebensgefühl aufzuwachen.
Ich vergebe 5 von 5 Sterne.


Über den Autor: Paul Coelho wurde 1947 in Rio de Janeiro geboren. Von klein auf war er stark religiös geprägt, ging sogar auf die Jesuitenschule. Gegen den Wunsch seines Vaters, der ihn gerne als Nachfolger im Ingenieurberuf gesehen hätte, studierte er Rechtswissenschaften. Dieses Studium brach er aber ab, um eine ausgedehnte Weltreise zu unternehmen. Danach begann er intensiv zu schreiben. Seine weitere Lebensweise wurde von seinen Eltern stark kritisiert. Er war nicht nur Drehbuchautor, sondern auch drogenabhängig. Das führte zu drei Einweisungen in eine psychiatrische Klinik. Eindrücke dieser Zeit finden sich in „Veronika beschließt zu sterben“.
Heute lebt er mit seiner zweiten Frau in Frankreich und ist einer der bekanntesten lateinamerikanischen Schriftsteller. Mit einigen Weltbestsellern hat er sich einen Namen gemacht. Dazu gehören auch „Der Alchemist“ und „Elf Minuten“.
"Veronika beschließt zu sterben" wurde inzwischen auch erfolgreich verfilmt.

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