Mittwoch, 16. November 2011

[Rezension] Brigitte Melzer: Seelenglanz ****(*)

Autor: Brigitte Melzer
Titel: Seelenglanz
Reihe:
2. Seelenglanz
Genre: Fantasy
Seiten: 431
Verlag: Otherworld
Veröffentlichung: September 2011
ISBN: 978-3800095445
Preis: 16,95 Euro

Achtung! Dies ist ein zweiter Band. Spoiler zu „Rebellion der Engel“ sind möglich!

Klappentext: Durch einen Trick hat der gefallene Engel Kyriel es geschafft, rehabilitiert zu werden. Niemand ahnt, dass hinter seiner plötzlichen Wandlung der Auftrag Luzifers steckt, die Pläne seiner Gegner auszuspionieren. Statt jedoch nach Oben abberufen zu werden, sitzt Kyriel als Schutzengel auf der Erde fest. Sein neuer Vorgesetzter verabscheut ihn und legt ihm Steine in den Weg, wo er nur kann, und seine Kollegen zeigen sich ihm gegenüber misstrauisch. Als er dann ausgerechnet seinem Erzrivalen das Geschäft vermasselt und verhindert, dass dieser die Seele einer jungen Frau bekommt, die für die Schutzengel von großem Wert ist, findet er sich plötzlich zwischen allen Fronten wieder. Verfolgt von alten und neuen Feinden und mit der Frau an seiner Seite, die schon bald mehr als ein bloßer Auftrag für ihn ist, nimmt er den Kampf auf. Aber wohin gehört er wirklich zu den Engeln, die auf ihn herabsehen, oder zu Luzifer, der womöglich nicht der Freund ist, für den er ihn all die Jahre gehalten hat?

Meine Meinung:
„Seelenglanz“ von Brigitte Melzer ist der Nachfolger von „Rebellion der Engel“, wobei aber die Handlung aus Band 1 vollständig abgeschlossen ist. Mit Band 2 wendet sich die Geschichte einem neuen Protagonisten zu, den man zwar schon kennen gelernt hatte, aber die nur eine Nebenfigur war. Die Rolle der Nebenfiguren nehmen jetzt die Hauptcharaktere aus Band 1 ein. Hierzu gehört also Akashiel, aber auch Rachel. Schade ist, dass die Bücher was die Aufmachung angeht nicht zusammenpassen. Teil 1 war ein Hardcover, Teil 2 ist nun broschiert und auch die Größe ist verschiedenen.
Es ist sinnvoll vor „Seelenglanz“ die „Rebellion der Engel“ zu lesen, auch wenn es nicht unbedingt notwendig ist, um den Ablauf zu verstehen. Aber gerade um die Hintergründe im Verhältnis zwischen dem Protagonisten Kyriel und Akashiel zu verstehen, bietet sich an, die Reihenfolge einzuhalten. Die vorangegangenen Geschehnisse werden erwähnt, aber nicht vollständig erklärt.
Kyriel ist „der Böse“ aus Band 1 und wird am Ende der ersten Geschichte zum Schutzengel gemacht. Etwas, das so gar nicht zu ihm passt. Nun will er aber die Engel im Auftrag Luzifers unterwandern. Hierbei kommt Kyriels Humor zum Tragen. Schon im Vorgänger war der sarkastische Humor eine große Stärke und auch hier gelingt es Brigitte Melzer dem Leser das eine oder andere Lachen zu entlocken.
Ein Garant für eben jenes Lachen sind die Dialoge zwischen den beiden Schutzengeln Akashiel und Kyriel. Sie sind beide mit einer großen Portion Humor ausgestattet und so macht es Spaß ihre Gespräche zu verfolgen, denn sie gehen mit zwei sehr verschiedenen Einstellungen ans Leben. Gleichzeitig ist Akashiel gewissermaßen Kyriels direkter Vorgesetzter, was sich in Dialogen wie diesen niederschlägt:
„Kyriel stöhnte. ‚Halt mir jetzt bloß keinen Vortrag über Dummheit, sonst muss ich dir den Kopf abreißen.‘
Akashiel grinste. ‚Wie wäre es mit einem Vortrag über Selbstlosigkeit?‘
‚Spar es dir. Ich bin nicht deine Zielgruppe.‘"
(„Seelenglanz“ – Seite 373)
Schnell merkt der Leser, dass Kyriel jedoch lange nicht so böse ist, wie er oft tut oder wie er es auch gerne wäre. Die letzten Jahrtausende haben ihn verändert. Ihn und seine Vorstellungen von dem, was gut und richtig ist. So trägt dieser Engel als Zweifel mit sich herum. Zweifel an sich, Zweifel an Luzifer und Zweifel an Gott. Das lässt ihn sehr menschlich wirken und greift eine Thematik auf, die insbesondere beim jugendlichen Zielpublikum immer interessant ist: Kyriel versuche seine Zugehörigkeit zu finden, sein Selbstverständnis gerät ins Wanken und er weiß nicht mehr, mit wem er sich identifizieren soll.
Dabei spielt – wie soll es anders sein – natürlich die Liebe eine Rolle. Und es ist die Liebe zu einem Menschen. Dieser Mensch ist Jules, die zweite Hauptperson des Romans. Auch aus ihrer Sicht wird die Geschichte erzählt, wobei die Perspektive wechselt. Kyriel erzählt aus der Ich-Perspektive. Vor Jules wird ein Erzähler geschaltet, der ihre Empfindungen und Gefühle personal, also aus der Er-Perspektive schildert. Schön ist hier, dass die Liebe deutlich mehr Tiefgang hat als in Band 1. Sie kommt nicht plötzlich und die einzige Unsicherheit, die bleibt ist, ob der andere einen auch liebt. Nein, auch Kyriel und Jules selbst können kaum glauben, was sie da empfinden.
Diese Zweifel und Konflikte, die entstehen, erhöhen die Spannung. Beide, Kyriel und Jules, zweifeln nicht nur an der Liebe, sondern auch am Leben und an sich selbst, was die Spannung deutlich erhöht und die Handlung über eine schlichte Liebesgeschichte hinaushebt.
Der Schluss von Band 2 klärt die Handlung selbst zwar auf und lässt den Leser auch befriedigt zurück, doch meiner Meinung nach ist schon alles vorstrukturiert für einen dritten Band. Man darf also gespannt sein.
Kommen wir am Ende noch zum Titel. „Seelenglanz“ klingt schon sehr verheißungsvoll. Um Spoiler zu verhindern kann und möchte ich hier nicht auflösen, was der Seelenglanz ist. Aber soviel sei gesagt: Er ist ein wunderbarer Gedanke, der mich zum Nachdenken angeregt hat und ein Lächeln auf mein Gesicht zaubert.
Aber an alle, die das Buch schon gelesen haben: Morgens um 8 in der Schule, im Studium, auf der Arbeit. Sucht mal den Seelenglanz. Ich habe es getan und mich gefragt: Muss ich mir Sorgen machen? ;-) 

Fazit: Brigitte Melzer kann im Vergleich zu Band 1 noch eine Schippe drauflegen und erschafft hier eine Geschichte, die nicht nur lustig und voller Liebe ist, sondern sich auch mit wichtigen Fragen beschäftigt, die von ihr mit einer großen Portion Fantasy versehen werden. Mir hat der Ausflug mit Kyriel und Jules sehr gut gefallen und so vergebe ich 4,5 von 5 Punkte.

Über die Autorin: Brigitte Melzer wurde 1971 geboren. Ihr fulminanter Debütroman „Whisper – Königin der Diebe“ gehörte zu den drei besten Manuskripten, die für den „Wolfgang-Hohlbein-Preis 2003“ eingereicht wurden. Seitdem hat die Autorin mit zahlreichen weiteren Romanen ihr Publikum begeistert. Ob magische Abenteuer in fantastischen Welten oder fesselnder Vampirroman – Brigitte Melzer ist sowohl in der High Fantasy als auch in der Dark Fantasy zu Hause. Die Autorin lebt und arbeitet in München.

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezi! Mit dem Seelenglanz hast du mich ja nun ganz neugierig gemacht. Wir haben Rebellion der Engel und Seelenglanz glaub ich hier noch irgenwo rumliegen. Bei Gelegenheit, werde ich mich mal ranwagen. Deine Rezi hat auf jedenfall mein Interesse geweckt. Hach im Moment, hab ich so viele Bücher auf meiner Liste, da weiß ich nicht mehr wo Anfang und wo Ende ist. Muss mich bald mal besser Organisieren ;)
    LG

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