Mittwoch, 11. Januar 2012

Brent Weeks: Schwarzes Prisma *****

Autor:  Brent Weeks
Titel: Schwarzes Prisma
Originaltitel: Black Prism
Reihe: Licht-Trilogie
Genre: High-Fantasy
Seiten: 800
Verlag: Blanvalet
Veröffentlichung: 19.9.2011
ISBN: 978-3442268160
Preis: 15,00 Euro

Klappentext: Sein Leben ist eine Lüge, seine Macht nur geraubt …
Gavin Guile ist der hoch geehrte Lord Prisma. Allein seine magischen Fähigkeiten, seine Intelligenz und seine Überzeugungskraft bewahren den unsicheren Frieden im Reich. Doch Gavin bleiben nur noch fünf Jahre zu leben. Fünf Jahre, um fünf unmögliche Ziele zu erreichen. Da erfährt er, dass er einen Sohn hat, und von der Gefahr für dessen Leben. Doch um den unschuldigen Jungen zu retten, muss Gavin sein dunkelstes Geheimnis offenbaren – und damit das Reich zerreißen. Denn sein Leben fußt auf einer Lüge, und seine Macht ist lediglich geraubt. Kann er diesen Preis bezahlen, um sein einziges Kind zu retten?

Meine Meinung:
Schon im Vorfeld habe ich viel von diesem Roman erwartet und meine Hoffnungen, die ich in die neue Trilogie von Brent Weeks gesetzt habe, wurden belohnt.
Der Autor erschafft eine neue, eine ganz eigene Welt, die von Menschen bevölkert wird. Diese Menschen unterscheiden sich untereinander und auch von uns oft in Haut und Haarfarbe. Außerdem gehört Magie für sie zum Alltag, denn es gibt Wandler. Wandler können Licht in Macht wandeln. Blauwandler brauchen dafür blaues Licht, Rotwandler rotes Licht. Bichromaten haben zwei Farben und können zum Beispiel Rot und Infrarot wandeln. Natürlich ist nicht jeder Mensch ein Wandler und natürlich hat das ganze einen Haken: Man kann nicht ewig und nicht so viel wandeln wie man möchte. Irgendwann übernimmt die Farbe die Kontrolle. Man verliert den Verstand und wird ein sogenannter Farbwicht, der nicht mehr zwischen Feind und Freund oder gut und böse unterscheiden kann. In jeder Generation gibt es einen Wandler, der davon nicht betroffen ist. Er kann jede Farbe wandeln und es besteht nicht die Gefahr, dass er zuviel wandelt: Das Prisma.
Gavin Guile ist das Prisma dieser Generation und einer der Protagonisten, aus dessen Sicht Teile der Geschichte erzählt werden. Wie das üblich ist, steht der Leser zu Beginn sofort auf Gavins. Die Loyalität des Lesers wird aber in Frage gestellt, nachdem offenbart wird auf welcher Lüge, die im Klappentext angesprochen wird, Gavins Leben fußt. Ab jetzt muss sich der Leser neu entscheiden, wem er seine Sympathie schenkt und wem nicht.
Kip, Gavins Sohn, ist ein Anti-Held. Er ist nicht nur dick, sondern auch noch ängstlich und wurde in seinem Heimatdorf gemobbt. Außerdem musste er mit ansehen, wie sein ganzes Dort abgebrannt, seine Freunde und seine Mutter getötet wurden. Dafür hat er eine ziemlich große Klappe, die er kaum halten kann.
Es kommen noch weitere Charaktere dazu, die ab und zu die Aufgabe übernehmen aus ihrer Sicht, die Geschichte zu erzählen. Die Geschichte an sich ist gut. Die Handlung ist verzwickt, man muss aufmerksam lesen, damit man die Details nicht überliest. Dabei ist sie politisch nicht zu verworren, dass es anstrengend wird, sondern durchgehend spannend. Aber es sind am Ende die Charaktere, die dieses Buch zu etwas einzigartigem machen. Sie alle sind keine Helden. Sie haben ihre schwachen und vor allem auch ihre dunklen Seiten und nein, es sind auch nicht diese Seiten, die sie besonders liebenswert machen. Ich hatte mehr als einmal das Gefühl, dass ich manche Charaktere für das, was sie getan haben, verachte. Trotzdem muss man, wenn man einmal begonnen hat, ihrer Geschichte folgen. Sie lässt einen nicht mehr los.
Durch die sarkastische Ader von Gavin, Kip und manch anderem ergeben sich immer wieder sehr humorvolle Dialoge, die mich auflachen ließen. Dies gelang nur, weil sie nicht erzwungen komisch  wirken, sondern es sich aus den Charakteren ergibt.
„„Jemand hat es verstanden“, sagte Gavin und öffnete die Augen. „Wie kann ich mit geschlossenen Augen jonglieren?“
„Ihr seid das Prisma. Ihr könnt alles tun“, murmelte eins der Mädchen.
„Danke, man hat mir den ganzen Tag noch nicht den Hintern geküsst, aber trotzdem falsch.“
Hat er das gerade wirklich gesagt?“

Eine neue Art der Magie zu erfinden weckt natürlich das Interesse jedes Fantasylesers. Brents Magie wirkt auf den ersten Blick kompliziert und verworren, aber lässt sichsehr schnell durchschauen, denn es gelingt ihm sie mit kurzen einfachen Worten zu erklären und ihr damit nichts der Faszination zu rauben.
Sein Schreibstil ist dem Genre angemessen. Es ist kein All-Age- oder Jugendroman. Es ist High-Fantasy für Erwachsene. Daher ist die Sprache gehoben, aber nicht abgehoben. Die Sätze unter Umständen länger, dabei aber nicht unverständlich in die Länge gezogen. Man muss sich Zeit nehmen für dieses Buch und kann es sicherlich nicht genießen, wenn man nur jeden Abend drei Seiten vor dem Schlafen gehen ließt, aber wenn man einige Tage hintereinander ein paar Stunden Zeit hat, kann man in eine wunderbare Welt eintauchen und danach sehnsüchtig auf Band zwei warten, denn das Ende beinhaltet einen kleiner böser Cliffhanger.

Fazit: Jeder, der einen High-Fantasy-Roman mit jeder Menge Magie, vielen spannenden Charakteren und ganz ohne die üblichen Verdächtigen wie Elfen, Drachen oder Orks sucht, wird hier fündig. Purer Lesegenuss!
Ich vergebe 5 von 5 Sterne.



Über den Autor: Brent Weeks wurde 1977 in Montana geboren. Heute lebt er mit seiner Frau, die auch seine Jugendliebe ist und seinen Kindern in Oregon.
Obwohl er anfangs ein schwacher Leser war, stand für Weeks schon mit 13 Jahren fest, dass er Romanautor werden wollte. Schon damals hat er viel und leidenschaftlich gern geschrieben. Nachdem er am Hillsdale College Englisch studiert hatte, arbeitete er kurzzeitig als Lehrer. Doch dann begann er sich voll dem Schreiben zu widmen und wurde mit dem großen Erfolg der Nightangel-Trilogie belohnt. Hier geht’s zur Website des Autors.

Kommentare:

  1. Huhu!

    Yeah, jetzt freue ich mich noch mehr auf das Buch. Habe die Schatten-Trilogie von ihm bereits verschlungen und ich liebe einfach seine Bücher. Werde mit diesem hier auch die Tage beginnen und kann es nach deiner Rezension kaum abwarten!

    Liebe Grüße,
    Nazurka

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  2. Hey,
    dann müssen wir unbedingt mal drüber quatschen, per Mail oder dann bei HazyMemories, wo ja eh gespoilert wird. Ich würde da über einige Punkte sooo gerne reden, aber darf hier ja nicht, weil Spoiler und so... *hibbel* viel Spaß beim Lesen :-)

    Grüße
    Asaviel

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  3. Hallo Asaviel!
    Tolle Rezi und das Buch hört sich sehr verlockend an. Aber ich sollte wohl erst mal die anderen Bücher des Autors lesen... stehen nämlich schon länger auf meinem Wunschzettel.
    Könnte mir übrigens vorstellen, dass dir Glenda Larkes 'Die Inseln des Ruhms' gefallen würden - ebenfalls sehr schöne HighFantasy für Erwachsene mit einer ganz eigenen Welt, die so auch noch nicht dagewesen ist.
    Lieben Gruß und einen schönen Abend
    wünscht nia

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  4. @Nia
    Aber ich finde Nightangel-Bücher nicht ganz so gut wie jetzt "Black Prism" *schwärm*. Die Nightangel sind seehr verworren und mit gaaanz vielen Charakteren. Da hab ich politisch teilweise nur schwer durchgeblickt. Das ist bei Black Prism anders. Auch politisch und so, aber nicht ganz so verwirrend.

    "Die Inseln des Ruhms" schau ich mir gleich mal an. Wenn du sagst, dass es mir gefallen könnte, muss es beinahe so sein. *zu Amazon husch* ;-)

    Grüße
    Asaviel

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  5. Hallöchen,

    Hört sich ja nicht schlecht an, ich bin daher schon auf deine zweite Rückmeldung zu der Trilogie gespannt. Liebe Grüße und einen schönen Samstag. Evanna

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  6. Ich schleiche schon lange um Brent Weeks herum. Dann werde ich wohl mal mit diesem Buch von ihm starten, wenn du sagst, dass die anderen Bücher zu verwirrend sind.

    Danke für die Rezi :)

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