Freitag, 24. Februar 2012

[Rezension] Linwood Barclay - Weil ich euch liebte


Autor: Linwood Barclay
Titel: Weil ich euch liebte
Originaltitel: The Accident
Genre: Thriller
Seiten: 528
Verlag: Knaur TB
Veröffentlichung: 26. Januar 2012
ISBN: 978-3426510520
Preis: 9,99 Euro

Klappentext: Glens Familie stürzt jäh ins Unglück, als seine Frau Sheila bei einem Unfall ums Leben kommt. Sie soll volltrunken gefahren sein und zwei Unschuldige mit in den Tod gerissen haben! Die Polizei ist sich ihrer Sache sicher – doch Glen kann es einfach nicht fassen. Kurze Zeit später ertrinkt eine gute Freundin von Sheila auf mysteriöse Weise. Und als Glen bald darauf erfährt, dass Sheila 62.000 Dollar veruntreut haben soll, bringt ihn das vollends aus dem Gleichgewicht. Beweise für ein Verbrechen hat er allerdings keine...

Meine Meinung:
Der Klappentext verrät nicht viel über die genaue Handlung dieses Thrillers, wohin uns die Reise führt. Zwei tote Frauen werden angekündigt, doch es werden nicht schon vor Beginn der Lektüre erste Hinweise gestreut. Hinweise, Möglichkeiten und Verdachtsmomente entstehen dann im Buchinneren umso mehr. Die Geschichte beginnt stark. Obwohl es wechselnde Perspektiven gibt, wird meistens mit dem Ich-Erzähler aus Glens Sicht beschrieben. Schnell kann man sich in diesen besorgten Ehemann und Vater hineinversetzen und schnell ist man ebenso davon überzeugt, dass seine Frau Sheila nicht bei einem (selbstverschuldetem) Unfall ums Leben gekommen ist. Welche Möglichkeiten gibt es dann?
Durch einige Verwicklungen und etwas Nachforschen durch Glen, aber auch andere Charaktere kommt einiges zu Tage: Medikamentenhandel, Markenfälschung, Banken- und Imobilienkrise, Eheprobleme, Affären, mafiöse Strukturen, Steuerhinterziehung und zum Schluss wird sogar kurz der Irak-Krieg thematisiert. Selbst für ein Buch mit gut 500 Seiten sind das meiner Meinung nach ein paar Punkte zu viel auf der Liste. Jeder Charakter, wirklich jeder, der hier auftaucht, schein eine Leiche im Keller vergraben zu haben. Jeder hat etwas zu verbergen, was über eine Höflichkeitslüge hinausgeht. Die beiden Kinder, die auftreten, sind hiervon einmal ausgenommen. Das ließ mich über weite Teile nur mit dem Kopf schütteln. War es nötig so viele Fässer aufzumachen?
Es entstehen gerade dadurch Längen, die anders hätten vermieden werden können. Immer wieder muss der Erzähler weiter ausholen, um Situationen zu erklären. Das ist zwar meistens noch ganz interessant, aber Spannung ist das dann nicht mehr.
Sehr schön ausgearbeitet sind und mein Herz erfreut haben wiederum die Charaktere. Einige bleiben etwas verwaschen dargestellt, was ich der Absicht des Autors unterstelle. Andere wie insbesondere Glen und seine Tochter werden dem Leser sehr nahe gebracht und sie wachsen einem auch schnell ans Herz. Hier sei aber die Frage nach Kellys, Glens Tochter, Alter erlaubt. Sie ist 8, verhält sich in weiten Teilen aber nicht so. Oft wirkt sie eher wie 11 oder gar 12. Dieses Alter hätte aber eine Schlüsselszene zu Beginn der Handlung unmöglich gemacht. Dies ist also schwierig miteinander zu vereinbaren und so muss eine sehr reife achtjährige in Kauf genommen werden.
Nach einem guten bis sehr guten Start muss sich der Leser über einen gewöhnungsbedürftigen Mittelteil retten, um dann mit einem großen Showdown belohnt zu werden. Die Auflösung war für mich nicht vorhersehbar, wenn auch vielleicht eine Ahnung vorhanden war. Im Ganzen kann mich das Ende aber trotz der gefunden und oft vermissten Spannung nicht vollkommen überzeugen. Es ist etwas fragwürdig. Hier muss ich aufgreifen, was ich zu Beginn sagte: Es stellt sich eben am Ende raus, dass wirklich jeder irgendwie mit drin hängt. 

Fazit: Alles in allem ist „Weil ich euch liebte“ ein mittelmäßiges Buch, das man lesen kann, aber keineswegs muss. Über weite Teile weckt die Handlung Interesse, aber nur wenig Spannung. Die überladenden Konflikte können durch einige gut gezeichnete Charaktere ausgeglichen werden. Trotzdem würde ich für einen Thriller mehr handfeste Spannung erwarten.

Gesamtnote: 3
Charaktere: 2
Handlung: 3-4
Lesespaß: 3

 
Über den Autor: Linwood Barclay, geboren 1955, stammt aus den USA, lebt aber seit seiner Kindheit in Kanada. Er studierte Englische Literatur an der Trent University in Peterborough, Ontario, und arbeitete bis 2008 als Journalist. Im Toronto Star, Kanadas größter Tageszeitung, hatte er eine beliebte Kolumne. Sein erster Thriller, Ohne ein Wort (2007), war auf Anhieb ein internationaler Bestseller. Er hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Toronto.

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch zwar etwas besser als du - aber mich hat auch gestört, dass - wie du sagst - "irgendwie jeder mit drin hängt". Und vor allem, dass es so viele Täter mir unterschiedlichen Motiven gab!
    Schöne Rezension, kann ich gut nachvollziehen ;)

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  2. Hui, ich als eingefleischter Barclay-Fan muss mir natürlich noch selbst ein Bild von diesem Buch machen. Bisher fand ich alle sehr gut, wobei sein Debut "Ohne ein Wort" jedoch nicht mehr getoppt werden konnte. Ich bin gespannt, ob ich es auch zu überladen finden werde.

    LG
    BlueNa

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  3. Ich bin zwar erst auf Seite 143 aber richtig gepackt hat es mich nicht bisher. Es ist eindeutig zu wenig Spannung vorhanden für einen Thriller und das wo die Geschichte mit dem Prolog doch ganz gut angefangen hat :(
    Deine Rezension lässt ja nicht hoffen, dass es noch besser wird :( Naja, mal sehen!
    Liebe Grüße Caro

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