Mittwoch, 8. Februar 2012

[Rezension] Suzanne Collins: Die Tribute von Panem - Flammender Zorn


Autor: Suzanne Collins
Titel: Die Tribute von Panem – Flammender Zorn
Originaltitel: The Hunger Games 3. Mockingjay
Reihe: Die Tribute von Panem
3. Flammender Zorn
Genre: Jugendbuch
Seiten: 430
Verlag: Oetinger
Veröffentlichung: 20. Januar 2011
ISBN: 978-3789132209
Preis: 18,95 Euro

Klappentext: Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.

Meine Meinung:
Schon nach der Lektüre von dem ersten und dem zweiten Band habe ich mir die drängende Frage gestellt, wer diese Bücher in das Jugendbuch-Genre gepackt hat. Natürlich: Die Protagonisten sind alle Jugendlich, die Sprache ist dieser Zielgruppe angemessen, aber der Inhalt ist an vielen Stellen kaum für Jugendliche geeignet. Gewalt spielt in allen drei Bänden eine der bedeutendsten Rollen. Dies weitet sich nun während des Abschlusses der Trilogie noch auf die Thematik des Krieges aus. Menschen werden verletzt, getötet, brutal gefoltert. Körperlich wie psychisch werden nicht nur Nebenrollen zugrunde gerichtet.
Keiner soll mich hier falsch verstehen: Das ist ein Teil dieser Geschichte, die es zu einer wirklich guten Geschichte macht, die dem Leser unter die Haut geht. Gleichzeitig ist es aber auch der Teil der Geschichte, der nicht für die Zielgruppe geeignet ist.
Distrikt 13, die Rebellen, liegen nun im offenen Krieg mit dem Kapitol. Weitere Distrikte schließen sich ihnen nach und nach an. Es kommt zu Bombenangriffen, zu Straßenkämpfen. Und mitten drin befindet sich Katniss, die all das überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.
War der zweite Teil etwas schwächer und  hat mich an einigen Punkten beinahe gelangweilt, reißt Band 3 den Leser von der ersten Seite wieder mit, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Die sauber konstruierten Charaktere handeln hier beinahe immer so wie man es erwartet. Katniss ist über weite Teile hinweg nicht die strahlende Heldin, was unrealistisch wäre. Sie zerbricht sogar beinahe an dem, was ihr und ihren Liebsten angetan wurde. Es passt zu ihr, dass sie verlangt, dass im Falle eines Sieges über das Kapitol ein letztes Mal Hungerspiele durchgeführt werden – mit den Kindern des Kapitols. Trotzdem erschüttert diese Forderung, denn man kann es kaum glauben. Rache wird hier sehr positiv stilisiert und Brutalität dieser Forderung ließ mich erschaudern.
Hier kommt ein starkes Schwarz-Weiß-Denken zu Tage. Die Rebellen werden beinahe ununterbrochen als die Guten, die nie Fehler machen dargestellt. Aber auch sie töten Dutzende, ja Hunderte von Menschen. Hier scheint der Zweck aber die Mittel zu heiligen. Dass im Kapitol alle böse sind, selbst die Kinder, die im Endeffekt nichts dafür können, wirkt immer wieder unglaubwürdig. Einige graue Schattierungen hätten der Geschichte sicher gut getan.
Der letzte Band der Trilogie unterscheidet sich im Handlungsmuster grundlegend von den ersten beiden Teilen, da dieses Mal kein Arenakampf im Mittelpunkt. Es wird wieder gekämpft und das nicht zu knapp, aber dieses Mal geht es nicht um 24 Menschen, sondern um die gesamte Bevölkerung, was der Geschichte noch deutlich mehr Spannung verleiht.
Obwohl die Liebe für Katniss eine wichtige Rolle spielt und ja schon bekannt ist, dass sie zwischen zwei jungen Männern steht, mutiert das Ganze nicht zu einer Liebesgeschichte. Es ist eine spannende Dystopie, die einen verzwickten Handlungsstrang mit dem Thema Liebe aufweist. Das ist gut gelöst.
Die Lösung der Geschichte, das Ende mit dem sich der Leser also zufrieden geben musst, ist auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig und auf den zweiten dann Geschmackssache. Ohne hier zu viel zu verraten entscheidet sich Katniss meiner Meinung nach für den falschen der beiden Männer. Das ist aber weniger das Problem. Ungewöhnlich ist vielmehr, dass wir kein reines Happy-End, kein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende haben. Natürlich sind am Ende nicht alle tot, obwohl es Verluste gibt. Aber es wird unmissverständlich klar gemacht, dass die Geschehnisse Spuren bei Katniss und dem Rest hinterlassen haben. Spuren, die sie ihr restliches Leben lang mit sich herumtragen werden.
Ich finde persönlich dieses ungewöhnliche Ende gut gelungen, trauere aber dem verschmähten Liebhaber hinterher.  

Fazit: Eine wirklich spannende Geschichte, die aber inhaltlich kaum ins Genre passt. Meiner Meinung eher ein All-Age-Roman hauptsächlich für Erwachsene, die nichts gegen jugendliche Protagonisten und eine einfache Sprache einzuwenden haben. Für diese aber ein wahrer Page-Turner!

Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 1
Handlung: 2
Lesespaß: 1-2



 Über die Autorin: Suzanne Collins, 1962 geboren, begann ihre Karriere Anfang der 90iger Jahre als Drehbuchautorin für das amerikanische Kinderfernsehen. 2003 veröffentlichte sie mit dem Roman »Gregor und die graue Prophezeiung« den ersten Band einer fünfteiligen Abenteuer-Reihe, die sich schnell zum internationalen Bestseller entwickelte. (Quelle)

Kommentare:

  1. Ich finde es interessant, dass du die Darstellung des Krieges als Schwarz-Weiß empfunden hast. Ich hab in meiner Rezi gerade hervorgehoben, wie toll ich es finde, dass die Rebellen eben nicht als die Guten dargestellt werden, sondern dass ganz klar deutlich wird, dass der Krieg keinen Raum für Gut und Böse lässt, sondern beide Seiten schreckliche Dinge tun.
    Scheinbar ist das bei uns beiden ganz unterschiedlich angekommen.
    Mit Katniss' Entscheidung bezüglich der Hungerspiele konnte ich mich auch nicht anfreunden. Allerdings habe ich die dann auch wieder als einen Hinweis für die "böse Seite" der Rebellen gesehen... Das ist wahrscheinlich Interpretationssache. :)

    lg, Neptun

    AntwortenLöschen
  2. Hi Asaviel,
    ein super Buch, wenn auch sehr gewalttätig. Der dritte Band wird ja ganz unterschiedlich bewertet. Ich fand ihn super. Schließe mich auch Neptuns Meinung an, dass auch die Rebellen nicht die "Guten" waren. Ihre Taten waren auch schlimm!
    Dann warst du also ein Gale-Fan? :-) Ich konnte mit Katniss' Entscheidung am Schluss sehr gut leben, war wohl immer iwie auf Peetas Seite *g*
    Drück dich!
    Damaris

    AntwortenLöschen
  3. @Neptun und Damaris

    Ja, obwohl die Rebellen wirklich negative und schreckliche Dinge tun, bleiben sie doch immer die strahlenden Helden, hatte ich zumindest das Gefühl. Irgendwie schwieriig in Worte zu fassen. ^^

    @Damaris
    Ja, ich bin ganz eindeutig auf Gales Seite - wollte oben nur nicht spoilern ^^ Ich hatte mit Peeta irgendwie immer meine Probleme und war fest davon überzeugt, dass Gale am Ende die Nase vorne hat, wenn er nicht stirbt. Aber naja... so ist das Leben. Dann ist er wenigstens noch Single XD.

    Grüße
    Asaviel

    AntwortenLöschen
  4. Hihi, das ist so witzig, wie unterschiedlich man das empfindet. Ich dachte zu keiner Zeit, dass Gale "gewinnt". Mir war schon immer klar, dass Peeta und Katniss zusammengehöre, obwohl ja Katniss Gefühle für Peeta sehr nüchtern sind. Wie wenn sie sich bewusst für ihn entscheiden müsste und nicht richtig auf ihr Herz hört. Genau! Single ist Gale - auch nicht schlecht :-)))))

    AntwortenLöschen
  5. Hi Asaviel!
    Naja, schwarz-weiß würde ich das nicht nennen - schließlich zweifelt Katniss recht bald an der Rebellenführerin und ihren Motiven und findet diesen Kampf um Straßenzüge und Viertel schrecklich. Aber gut, es ist Ansichtssache...

    Ebenso wie die Tatsache, für welchen der jungen Männer sich Katniss entscheidet. Mir war recht bald klar, dass es x wird, weil für y die Revolution immer wichtiger zu sein schien, als die Familie oder eben Katniss. Und das zeigt sich ja zum Ende hin sehr krass. Ich will nicht spoilern, aber meiner Meinung nach ist Gale zu einem großen Teil mit Schuld, dass es den Auslöser - von eigentlich allem - trifft. DAS hätte ich ihm an Katniss Stelle auch niemals verziehen. Er kann froh sein, dass sie es ihm seine unrühmlich Beteiligung nicht noch krummer genommen hat - aber das ist ebenfalls sehr subjektiv:-)

    Trotzdem sind es tolle Bücher und ja, Suzanne Collins mag keine Happy Endings. Die Gregor-Reihe ist da (mE) noch härter für den geneigten Leser *seufz*.

    Bei der Altersangabe muss ich dir Recht geben - niemals wären das Bücher, die ich einer 13-Jährigen geben würde. Ab 14/15 können wir drüber reden.

    Liebe Grüße
    nia

    AntwortenLöschen
  6. Hey,
    Ich bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen, aber ich finde ihn echt toll :) Deswegen hast du jetzt einen Leser mehr :P
    Vielleicht hast du ja Lust auch auf meinem Blog vorbeizuschauen ;)

    LG Marcia ♥

    http://www.teabooksandfairytales.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  7. Der Ansicht, dass die Reihe nicht für die Zielgruppe geeignet ist und es an Vielschichtigkeit fehlt (wo ist das grau????) kann ich nur zustimmen. Bei den größtenteils dunklen Beschreibungen passt das Ende überhaupt nicht. Es ist nicht stimmig. Katniss tief traumatisiert mit Peeta zu verheiraten und Kinder in die Welt setzen zu lassen. Da wäre ein Ende wie bei der Divergent- Reihe glaubhafter.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich auf euren Kommentar!
Und verspreche: Ich werde sie alle beantworten :)