Donnerstag, 22. März 2012

[Rezension] Kelly Creagh - Nevermore


deutsches Cover
Autor: Kelly Creagh
Titel: Nevermore
Originaltitel: Nevermore
Reihe: Nevermore
Nevermore
Band 2 und 3 in Planung
Genre: Jugendbuch/Fantasy
empfohlenes Lesealter: ab 12
Seiten: 560
Verlag: Loewe
Veröffentlichung: März 2012
ISBN: 978-3-7855-7389-1
Preis: 14,95 Euro
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Kurzbeschreibung: Als Isobel bei einem Schulprojekt dem Außenseiter Varen zugewiesen wird, weiß sie noch nicht, dass das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Überraschenderweise versteht sie sich nicht nur gut mit ihm, sie scheint sich sogar in ihn zu verlieben. Doch je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto mehr wird sie in den Bann der geheimnisvollen Traumwelt gezogen, die Varen sich geschaffen hat. Und diese Welt birgt viele Gefahren: Bedrohliche Kreaturen dringen in die Wirklichkeit und sind nun auch hinter Isobel her. Allmählich begreift sie, dass Varen immer tiefer in die Welt seiner (Alb-)Träume zu gleiten droht. Und nur sie kann ihn retten...

Meine Meinung:
Zu Beginn wird der Leser in eine Geschichte entlassen, die steile Sorgenfalten hervorrufen kann. Eine High-School. Unsere Protagonistin ist der Star im Cheerleading-Team. Ihr fester Freund ist der Star im Baseball-Team. Sie wird für ein Schulprojekt einem der Außenseiter, mit dem sie noch nie etwas zu tun hatte oder haben wollte, zugeteilt. Gab es in dieser Kombination bisher sicherlich nicht nur einmal.
Trotzdem gibt man diesem Buch natürlich eine Chance. Insbesondere weil der Schreibstil sehr eingängig und flüssig ist, fliegen die Seiten nur so dahin und schnell wird deutlich, dass hier mehr dahinter steckt. Die Schule, die Gruppenbildung und die Cliquen sind notwendig, um den Hintergrund für etwas Größeres zu bilden. Doch was ist dieses "Größeres"?
Komplett mit dem personalen Erzähler geschildert, sieht und versteht der Leser von dem Geschehen nur das, was auch Isobel sieht und versteht. Genau wie sie muss man sich mühsam Puzzlestück für Puzzlestück zusammensetzen, um zu erkennen, was das Bild darstellen soll.
Die wichtigen Charaktere sind dabei gut ausgearbeitet: Isobel, Varren, der mysteriöse Reynold und auch Gwen. Viele der Cliquenmitglieder bleiben dabei aber etwas blass, denn zur Geschichte in der Traumwelt tragen sie nur wenig bei. Trotzdem fällt auf, dass die Isobels Clique und auch ihr Freund sich sehr schnell gegen sie wenden. Das ist etwas fragwürdig. Ist dem Mädchen die beinahe schon sadistische Ader ihrer ehemaligen Freunde nicht vorher aufgefallen? Nach kurzem Überlegen muss man sagen: Vermutlich nicht. Tatsächlich bildet dieses Verhalten ziemlich gut die Realität ab. Isobel merkt erst, wie fies und gemein ihre Cilque zu Außenseitern sein kann, wenn sie selbst zur Zielscheibe wird. Das irritiert vielleicht etwas, aber genau dasselbe Muster lässt sich auch im wahren Leben beobachten.
Der sehr trockene Humor, dem der Leser hier ausgesetzt wird, ist mit einer gehörigen Portion Sarkasmus unterlegt und kommt insbesondere im Dialog zwischen Isobel und Varen.
"Hey", unterbrach sie ihn. Sie hatte genug von seinem herablassendem Ich-hab-mehr-drauf-als-du-Mist. (...) "Nur weil ich die Sonne nicht meide wie die Pest, gerne blond bin und eine Cheerleaderuniform trage, heißt das noch lange nicht, dass ich dumm bin. Ich hab so die Schnauze voll davon."
"Nur weil ich Schwarz trage und Tagebuch schreibe, heißt das noch lange nicht, dass ich die Schule in die Luft jagen will oder hirnlose Cheerleader terrorisiere." (Seite 140)
 Und trotz der Szenen, in denen die beiden auch heftige Auseinandersetzungen austragen, kommen sie sich natürlich näher. Kelly Creagh gestaltet dies aber so, dass tatsächlich immer zu befürchten steht, dass am Ende kein Happy-End auf den Leser wartet.
Denn trotz des Witzes, der immer wieder das Lesen versüßt, ist es Edgar Allan Poe, der die Inspiration für diese Geschichte lieferte. Von ihm gibt es einige zitierte Textpassagen und er spielt im Hintergrund eine nicht unbedeutende Rolle. Die eingefleischten Poe-Fans sollten nun aber nicht erwarten, dass er auf jeder zweiten Seite auftaucht oder ähnliches. Er ist die Inspiration und trägt einen Teil der Geschichte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Doch wo Poe auftaucht, muss es neben all dem jugendlichen Charme auch eine düstere Seite geben. Und diese düstere Seite wird ausgelebt und bringt viel Spannung mit sich.
"...warum würde Poe eine Geschichte über einen luxuriösen Palast schreiben und so viel Zeit darauf verwenden, all diese Räume zu beschreiben (...) und einen klugsinnigen Prinzen und seine Saufkumpane erfinden, wenn er am Ende doch nur alle sterben lässt?"
"Weil", sagte Varen, "am Ende immer der Tod gewinnt." (Seite 116)
 Über weite Teile hinweg ist die Geschichte nicht nur spannend, sondenr regelrecht gruselig. Vögel verfolgen Isobel und verwandeln sich vor ihren Augen. Sie wird durch den Park gehetzt und bald schon kann sie all diese Trugbilder und Alpträume kaum noch von der Realität beschreiben. Träumt sie oder ist sie wach? Ist sie gerade auf einer Party oder doch zu Hause? Aufgrund der sauber durchgeführten Erzählperspektive muss sich auch der Leser diese Frage stellen und wird damit noch tiefer in den Bann der Geschichte gezogen.
Dieses Buch hätte ein Einzelband werden können. Man könnte es stehen lassen, wie es jetzt ist, was eine kleine Gemeinheit wäre. Man hätte an einer einzigen Stellschraube drehen können und das Ende, das die Autorin erst auch vorgibt, wäre befriedigend gewesen. Doch so einfach ist es nicht. Das Ende ist offen, die Geschichte um Varen und Isobel geht weiter, denn ein zweiter und auch ein dritter Band sind bereits in Planung.

amerikanisches Cover
Fazit: Jegliche Befürchtung, die auf den ersten Seiten vielleicht aufkommen sollte, dass man hier nur eine 08-15 High-School-Romantsy-Geschichte vor sich haben könnte, bewahrheitet sich zum Glück am Ende nicht. Die Autorin schafft etwas Neues, das den Leser in seinen Bann schlägt und überzeugen kann.
So unterschiedlich sie sind, Varen und Isobel passen zusammen und ich freue mich darauf noch mehr von ihnen zu lesen.

Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 2
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1-2

Über die Autorin: Kelly Creagh (übrigens "Cray" gesprochen) machte 2008 ihren Abschluss in Kreativem Schreiben. Wenn sie sich nicht gerade schaurige Charaktere ausdenkt, Buchläden heimsucht oder sich wie besessen mit Edgar Allan Poe beschäftigt, tanzt sie leidenschaftlich gerne Bauchtanz. Sie lebt mit ihrer exzentrischen Terrierdame Annabel in einem alten Stadtteil von Louisville in Kentucky, der perfekten Kulisse für Geschichten voller gruseliger Geheimnisse und verwunschener viktorianischer Villen. Nevermore ist ihr erster Roman.(Quelle)

Kommentare:

  1. Puh, jetzt bin ich erleichtert! Eine positive Rezension! So bleibt Nevermore weiter unter Beobachtung und behält seinen Platz auf meiner WuLi :))
    Drück dich, Anka

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    1. Ja,
      Platz auf der WuLi ist auf jeden Fall gerechtfertig. Auf dem SuB auch. :-)
      Mir hat es gut gefallen.
      Und dieses Mal bin ich richtig froh, dass sie nicht das amerikanische Cover genommen haben. Varen und Isobel sind dort zwar gut getroffen, aber das deutsche ist so verdammt schön. <3

      Drück
      Asaviel

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  2. Ich freu mich auch schon sehr darauf das Buch zu lesen! Hab es mir vor Kurzem auf englisch geholt.

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    1. Hey,
      oh, berichte dann mal wie du mit dem englisch klar kommst. Also ob es leicht zu verstehen ist oder nicht.
      Es ist ja ein Jugendbuch, also sollte der sprachliche Schwierigkeitsgrad nicht allzu hoch sein. :-)

      Viele Grüße
      Asaviel

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  3. Mmh es hört sich interessant an, aber so richtig "anziehen" tut mich das Buch nicht. Aber schön, dass du deine Freude damit hattest und es kein 08-15 Highschool Buch war! :)

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    1. Es würde sich aber wirklich lohnen das Buch zu lesen :-)

      Aber ich kenn das: Manche Bücher mit wirklich guten Bewertungen sprechen mich einfach nicht an, ohne dass ich den genauen Grund benennen könnte.

      Grüße
      Asaviel

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  4. Sehr schön! Komisch, auch ohne dass ich wusste, worum es bei Nevermore kongret geht, hat mich das Buch schon immer fasziniert und in live sieht es echt toll aus! :-)
    LG,
    Damaris

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    1. Hey,

      Ich finde einfach, dass das Cover schon wahnsinnig Eindruck macht. Und der Inhalt kann mit dem Cover mithalten. Das ist natürlich wichtig. :-)

      Drück
      Asaviel

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  5. Schöne Rezi! Jetzt wo ich sie kenne, muss ich fesststelle, wir sprechen ähnliche Punkte an, nur eben anders. Das mit ihrer Cilque ging mir auch durch den Kopf und Brad war jawohl ... zum Treten oberflächlich-ätzend und was einem noch so alles einfällt. Dafür fand ich Isobels Spind-Nachbarin höchst amüsant und die Verbindung zu Poe ließ mir doch die ein odere andere Gänsehaut über den Rücken laufen. Das war schon so, als Isobel den Abschnitt mit den verschiedenen Zimmern las und dann später plötzlich ... Ach und bei der oberen Stelle mit Izo und Varen musste ich beim Lesen laut auflachen. Sowas mag ich! Deshalb werde ich mir die Fortsetzung dann wohl in Englsich auf meinen Kindle laden. Danke übrigens nochmal mit dem Wörterbuch-Tipp. Klappt super!

    Liebe Grüße
    Reni

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  6. Ich habe gestern Abend das erste Band zu ende gelesen und mir kamen die Tränen sozusagen geschossen .. ich wollte es nicht evrstehen das es nun zu ende war .. aber ich hoffe das bald das 2. band auf deustch rauskommt .. ich liebe das buch .

    deine seite ist hammer ..
    LG Rosa

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    1. Ja... das Ende ist schon sehr verzwickt und ich konnte auch erstmal kaum glauben, dass es genau hier endet.

      Aber schön, dass es dir gut gefällt. :)

      Und danke für das Lob!

      Viele Grüße
      Asaviel

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  7. Wisst ihr wann der zweite Teil auf Deutsch rauskommt?
    Ich habe den ersten durch und würde gerne wissen wie
    es weitergeht:)

    LG

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    1. Hallo,
      angeregt durch deine Frage habe ich mich mal informiert.
      Leider ist es so, dass es den zweiten Teil gar nicht auf Deutsch geben wird. Der Loewe-Verlag wird diesen nicht übersetzen.
      Sehr schade :(

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    2. Weiß man warum er nicht übersetzt wird? :(
      Das ist so schade ...

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