Dienstag, 24. April 2012

[Rezension] Alexey Pehov: Die Chroniken von Hara - Wind


Autor: Alexey Pehov
Titel: Die Chroniken von Hara - Wind
Originaltitel: Iskateli vetra
Reihe: Die Chroniken von Hara
1. Wind
2. Blitz
(weitere in Planung)
Genre: High-Fantasy
Seiten: 475
Verlag: Piper
Veröffentlichung: April 2012
ISBN: 978-3492702584

Kurzbeschreibung: Lahen ist eine Windsucherin, eine der wenigen, die jenen Funken noch in sich trägt. Doch sie und der Bogenschütze Ness werden verfolgt von den Verdammten, den Anhängern der schwarzen Magie, die sich Lahens Gabe bemächtigen wollen. Können Lahen und Ness verhindern, dass der dunkle Funke erneut entzündet und Hara ins Chaos gestürzt wird? Es beginnt ein Wettlauf um ihr Leben – und der Kampf um die Magie in ihrer Welt …

Meine Meinung:
Der Einstieg ist - wie in so viele High-Fantasy Geschichten - etwas kompliziert. Das beruht einfach auf der Tatsache, dass der Leser sich von seiner gewohnten Welt lösen muss und eintaucht in Geschehnisse, die bei uns unmöglich sind. Alle gewohnten Annahmen werden abgelöst und man muss sich ein neues Bild schaffen. Das wird noch etwas dadurch erschwert, dass es gleich zu Beginn eine Menge Charaktere gibt. Die Protagonisten sind zwar mit Hilfe des Klappentextes schnell ausgemacht, aber es ist gar nicht so einfach zu durchschauen, in welcher Beziehung die restlichen Handelnden zueinander stehen. Zusätzlich eine oft abschreckende Wirkung hat ein Glossar mit Eigennamen und Bezeichnungen in dieser unbekannten Welt. Hier findet man eben dieses Register am Ende des Buches. Keine Sorge, viele Bezeichnungen erschließen sich auch aus dem Textzusammenhang und am Ende werden nur weitere Zusatzinformationen geliefert, andere fallen sooft, dass man sich schnell merken kann, mit wem oder was man es nun zu tun hat.
Hat man die ersten Seiten geschafft wächst einem Ness, der männliche Protagonist, mit dem die Geschichte aber nicht beginnt, so schnell ans Herz, das er vieles wieder wett macht. Man sei nur gewarnt: Auch dieser Autor hat keine Skrupel Charaktere zu töten, aus deren Perspektive der Leser schon auf die Geschichte gesehen hat, die er unter Umständen sogar mochte. 
Sehr eindrucksvoll sind die Perspektivwechsel. Die Perspektiven aller Charaktere benutzen den personalen (Er-) Erzähler, nur Ness beschreibt mit dem Ich-Erzähler ganz nah am Geschehen auch was er persönlich fühlt. Dem Autor gelingt es tatsächlich bei den verschiedenen Perspektiven auch unterschiedliche Schreibstile zu liefern. Das ist besonders auffällig bei Pork, der nur als Dorftrottel dargestellt wird. So gibt es in seinen Abschnitten auch nur sehr einfache und kurze Sätze. Aber auch bei den anderen Charakteren werden in der Sprache Unterschiede gemacht, oft nur in kleinen Nuancen, die sicherlich nur aufmerksame Leser finden werden. 
Erstaunlicherweise ist lange Zeit nicht zu erkennen, wohin das große Ganze führen soll. Was machen die Charaktere? Sollen sie die Welt retten? Oder geht es wirklich einzig und allein um Ness und Lahens Flucht? Bis zum Ende scheint es - mit wenigen Ausnahmen - eher um das Einzelschicksal dieser beiden zu gehen. Dadurch entsteht die eine oder andere Länge, weil man in manchen Szenen nicht umhin kann zu fragen, was das alles überhaupt soll. Dieses Gefühl vergeht nach einigen Seiten wieder, aber ist nicht abzustreiten.
Kurzbeschreibungen sind übrigens immer eine Sache für sich. An der zu diesem Buch fällt mir besonders der Begriff "Windsucherin" ins Auge. Lahen wird innerhalb des Buches nicht einmal so bezeichnet. Es gibt im letzten Viertel ein eindrucksvolles Gespräch mit Bezug auf den Wind. Bei diesem ist Lahen aber nicht einmal anwesend. 
Am Ende wird der Leser mit einem mächtigen Cliffhanger zurückgelassen. Es fehlt lediglich ein "Fortsetzung folgt", denn die Geschichte hat hier kein Mini-Ende. Sie wird lediglich gemeinsam mit der Beantwortung einiger Fragen und dem Aufwerfen sehr vieler neuer Fragen unterbrochen.
Zu einem Erscheinungstermin von Band 2 - mit Namen "Blitz" - ist mir noch nichts bekannt. Aber einen kleinen Eindruck erhält man schon im ersten Band durch eine Leseprobe, die das erste Kapitel umfasst.

Fazit: Eine High-Fantasy Geschichte, die eine vollkommen neue Welt erschafft, mit einem neuen Magiesystem, das durch Schlichtheit überzeugt. Es ist erfrischend, dass die Handlung sich - zumindest vorerst - nicht um die Rettung der Welt kümmert, sondern zwei Charaktere in den Mittelpunkt stellt, auch wenn das über weite Teile den Eindruck vermittelt, hier nur einen 500 Seiten lange Einleitung für die "echte" Geschichte vor sich zu haben.
 
Gesamtnote:2
Charaktere:1
Handlung: 2
Lesespaß: 2

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Über den Autor: Alexey Pehov, geboren 1978 in Moskau, studierte Medizin. Seine wahre Leidenschaft gilt jedoch dem Schreiben von Fantasy- und Science-Fiction-Romanen. Er ist neben Sergej Lukianenko der erfolgreichste phantastische Schriftsteller Russlands. »Die Chroniken von Siala« wurden zu millionenfach verkauften, mit mehreren Preisen ausgezeichneten Bestsellern. Zuletzt erschien mit »Wind« der erste Band seiner neuen Serie »Die Chroniken von Hara«. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, die ebenfalls Schriftstellerin ist, lebt Pehov in Moskau.(Quelle)

Kommentare:

  1. Hm also soweit hört sich deine Rezi echt klasse an bis "Am Ende wird der Leser mit einem mächtigen Cliffhanger zurückgelassen." Ich hab festegestellt, dass mich solche Enden mittlerweile einfach nur frustrieren. Weiß man es vorher, hat man zumindest die Wahl auf Band 2 zu warten bevor man Band 1 anschafft.

    So werde ich das Buch lieber noch etwas im Auge behalten. Denn nur eine Einleitung möchte ich nicht vor mir haben.

    Liebe Grüße!

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    1. Hey Tina,

      ich weiß es natürlich nicht, ob das tatsächlich so ist, was in Band 2 passiert. Ich kann es mir lediglich vorstellen. Ich finde, man ist dran gewöhnt, dass diese Bände von Sagen nicht in sich abgeschlossen sind und kann daher ganz gut damit leben.

      Aber es wird sicher noch einige Rezensionen auf den verschiedenen Portalen in nächster Zeit geben. LB macht ne Leserunde habe ich gesehen.

      Grüße
      Asaviel

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  2. Du hast "Wind" schon gelesen...ich habs bisher ncoh ausschließlich auf meiner WuLi stehen, mochte aber "Die Chroniken von Siala" von Pehov auch schon so gern.
    Du schreibst, dass man das Gefühl hat die Einleitung zur "echten" Geschcihte zu lesen. Muss ich mir das so ähnlich vorstellen wie bei Sandersons "Der Weg der Könige"?

    LG Nanni

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    1. Hey Nanni,
      ja, es ist auch gerade erst erschienen. Die Siala-Chroniken habe ich (noch) nicht gelesen.
      Ich hab zwischendurch auch schon überlegt, ob es sich mit "Der Weg der Könige" vergleichen lässt. Ich denke, nein. Es ist nicht ganz so "schlimm" wie bei Sanderson. Da passiert ja wirklich so gut wie gar nichts, sondern es gibt lediglich Charakterbeschreibungen bzw. Rückblicke.
      Hier wird die Geschichte der Einzelschicksale schon vorangetrieben, aber es gibt nur selten einen kurzen Einblick in "das große Ganze". Ähnlich wie dann bei Sanderson "Der Pfad der Winde". Da gibts ja auch mehr Handlung als in Band 1, aber es ist immer noch schwer zu erkennen, wohin das ganze führen soll.
      Ich hoffe, ich konnte mich halbwegs verständlich ausdrücken. ;) Wenn nicht, frag ruhig noch einmal. Ich versuchs gerne wieder. ;)
      Ich kann mir gut vorstellen, dass dir "Wind" auch gefällt, soweit ich deinen Geschmack bisher kenne. :-)

      Viele Grüße
      Asaviel

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