Dienstag, 24. Juli 2012

[Rezension] Tahereh Mafi - Ich fürchte mich nicht

Autor: Tahereh Mafi
Titel:
Ich fürchte mich nicht
Originaltitel:
Shatter me
Reihe:
ja
Genre:
Dystopie
Seiten:
320
Verlag:
Goldmann
Veröffentlichung: 23. Juli 2012
ISBN: 978-3442313013
Preis: 16,99 Euro
Ich fürchte mich nicht - bei Amazon

Klappentext: Ich habe eine Gabe. Ich bin das Leben. Berühr mich.
»"Du darfst mich nicht anfassen", flüstere ich. "Bitte fass mich an", möchte ich in Wahrheit sagen. Aber wenn man mich anfasst, geschieht Seltsames. Schlimmes.«
Ihr Leben lang war Juliette einsam, eine Ausgestoßene – ein Monster. Ihre Berührung ist tödlich, man fürchtet sie, hat sie weggesperrt. Bis die Machthaber einer fast zerstörten Welt sich ihrer als Waffe bedienen möchten. Doch Juliette beschließt zu kämpfen – gegen die, die sie gefangen halten, gegen sich selbst, das Dunkel in ihr. An ihrer Seite ein Mann, zu dem sie sich unaufhaltsam hingezogen fühlt. Ihn zu berühren ist ihr sehnlichster Wunsch – und ihre größte Furcht ...

Meine Meinung: Schon auf der ersten Seite wundert der Leser sich über die Ungewöhnlichkeiten. Warum sind da Worte, ja ganze Sätze durchgestrichen? Kurzes Blättern informiert darüber, dass dieses Phänomen im gesamten Buch auftritt. Aber warum? Warum schreibt ein Autor ein Buch, bei dem dann Sätze wieder weggestrichen werden und diese bleiben dann stehen? Also man kann sie noch lesen, aber sie sind durchgestrichen. Soll man sie auch lesen? Natürlich soll man.
Und natürlich hat es Gründe, dass diese Worte weggestrichen sind. Es sind die Teile, die nur gedacht werden, die nicht ausgesprochen werden. Teilweise werden sie gedacht, obwohl es nicht gedacht werden darf oder unsere Protagonistin es sich nicht eingestehen will, dass sie dies denkt oder fühlt. Ein kleines Beispiel?
"Er fasst mich nicht an, und ich bin enttäuscht froh, dass er es nicht tut. Ich wünschte, er würde mich berühren. Er sollte es lieber nicht tun. Niemand sollte mich berühren."
(Seite 25) 
Der Leser ist ganz nah an Juliette, er verfolgt jede ihrer Bewegungen, jede Gefühlsregung, jeden Gedanken und er wird nur nach und nach aufgeklärt, was tatsächlich um sie herum geschieht, was mit ihr geschehen ist und auch wie sich die Welt verändert hat.
So stellt sich heraus, dass wir es hier mit einer Dystopie zu tun haben. Die Welt, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. Es gibt eine Zentralregierung, die die Macht inne hat und mit Gewalt durchsetzt, die unterjocht, wer nicht gehorchen will. Gewalt und Hunger sind an der Tagesordnung.
Und in dieser Zeit wurde Juliette weggesperrt, denn ihre Gabe ihr Fluch kann Menschen töten. Wenn sie andere berührt, erleiden diese starke Schmerzen bis hin zum Tod. Die Machthaber denken sich nun, dass man diese Fähigkeit doch nutzen könnte. So lassen sich zügiger Geständnisse erlangen und das foltern ist nicht mehr so langwierig. Juliette sträubt sich - zu Recht. Und währenddessen entsteht eine Liebesgeschichte, die den Leser in ihren Bann zieht.
Juliette und Adam, ein Paar das es nicht geben dürfte, eigentlich nicht einmal geben könnte und doch weiß man sofort: Es ist Liebe und sie gehören zusammen. So gut es geht, müssen sie es verbergen, müssen gegen die Widrigkeiten und das Regime ankämpfen.
Jeder Charakter ist für sich genommen fein ausgearbeitet. Natürlich lernt der Leser die Ich-Erzählerin Juliette am besten kennen, doch auch Adam, andere Nebencharaktere oder die gegnerische Seite erscheinen immer gut durchdacht und vielschichtig. 
Die Handlung an sich ist schon sehr spannend, weil der Leser viele Informationen nur häppchenweise aus Juliettes Sicht bekommt und sich gegen den Sog ihrer Gefühle gar nicht wehren kann. Zum Ende hin nimmt die Geschichte eine Wendung, mit der man nicht rechnen konnte und die hinleitet zu weiteren Teilen, in denen wir weiter an Juliettes Seite gehen können.
Doch die wirkliche Stärke ist die gewaltige und besondere Sprache, die Tahereh Mafi hier verwendet. Wörter und Sätze werden gestrichen, Wörter und Sätze werden wiederholt, wenn es notwendig erscheint, wenn es genau das ist, was in Juliette vorgeht. Und gleichzeitig wirkt die Sprache nicht überladen, die Sätze bleiben zumeist kurz, prägnant, aber gehen tief und berühren den Leser. Auffällig und gut umgesetzt ist, dass die gestrichenen Sätze im Laufe der Geschichte abnehmen. Juliette hat weniger Gründe sich die eigenen Gedanken zu verbieten, sie findet mehr zu sich selbst und dabei eine gute Portion Selbstbewusstsein. Die bedrückende Stimmung vom Anfang nimmt auf vom Leser Besitz, aber dieser kann nach und nach - ähnlich wie die Protagonistin - befreiter atmen, mit ihr kämpfen und am Ende mit ihr hoffen.

Originalcover
Fazit: Und dann hofft der Leser nach 316 Seiten, dass bald der zweite Band erscheint, denn dieser Auftakt hat es in sich und wenn das Buch zur Seite gelegt wurde, kann man kaum ein neues beginnen, denn welches soll mit diesem mitreißenden Auftakt mithalten können?
Spannend, sprachgewaltig, innovativ und sehr berührend gelingt es der Autorin die Leser in ihren Bann zu ziehen, sodass er das Buch kaum zur Seite legen kann. Mehr davon bitte!

Gesamtnote: 1
Charaktere: 1
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1
Zusatz: 
Eine ganz besonderer Sprache, die vollkommen überzeugt


Ich fürchte mich nicht - bei Amazon

 

Kommentare:

  1. Das klingt nach einem sehr guten, ungewöhnlichen Buch. Das mit den durchgestrichenen Sätzen kennt man immer häufiger von Blogs. Manchmal nervts mich, manchmal unterstreicht es Sachen in einer Form, die anders nicht möglich wäre .. ich bin da also zweigeteilt.

    Deine Rezi hat mich aber überzeugt und das Buch wandert auf meine Wunschliste, danke!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey,
      ja... im Internet wird damit inzwischen auch gespielt.
      In dem Buch war es aber nie so, dass ich das Gefühl hatte, dass es mich jetzt nervt. Sehr gut gemacht. :)

      Wunschliste ist vollkommen gerechtfertigt.

      Grüße
      Asaviel

      Löschen
  2. Das scheint mir ein interessantes Buch zu sein.
    Nach einigen positiven Rezensionen ist es nun auf meinem Wunschzettel gelandet.

    Danke für die schöne Rezension.

    LG
    Sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerne doch :)

      Es ist auf jeden Fall ein interessantes Buch! :)

      Grüße
      Asaviel

      Löschen
  3. Zu diesem Buch habe ich schon einige schöne Rezensionen gelesen, doch deine hat mir besonders gut gefallen.
    Heute Abend werde ich in den Buchladen gehen und es mir gleich holen :-)
    LG Brina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, danke für das Lob :) Das freut mich.

      Dann wünsche ich dir ganz viel Spaß mit dem Buch :)

      Grüße
      Asaviel

      Löschen
  4. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Boah, ist jetzt schon das zweite Mal, dass mir das passiert... will auf antworten klicken und klicke auf "Inhalt entfernen" :( Sorry, wollte deinen Kommentar natürlich nicht löschen.

      Mich freut, dass dir die Rezi gefällt. :)

      Viele Grüße
      Asaviel

      Löschen
  5. Hey, also aus dieser Rezi spricht so sehr die Begeisterung, dass ich ganz froh bin Ifmn bei Reni ertauscht zu haben :-) Glaub der Stil ist voll meines... Freu mich schon!!
    Drück,
    Damaris

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir haben ja schon drüber gesprochen: Genau so sollte es sein, dass meine Begeisterung rüber kommt, damit auch andere sich an dem Buch versuchen ;)

      Viele Grüße
      Asaviel

      Löschen
  6. Hallo :)

    Ich lese das Buch auch gerade und bisher gefällt es mir sehr gut ;)

    Ich habe deinen Blog gerade entdeckt und bin auch sofort Leser geworden^^

    Ich würde mich über einen Gegenbesuch sehr freuen: http://emotional-life-of-books.blogspot.de/

    Liebe Grüße & noch eine schöne Woche
    Maura

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin selbst jetzt immer noch richtig begeistert davon :-D

      Na klar... ich schau mal vorbei :)

      Grüße
      Asaviel

      Löschen

Ich freue mich auf euren Kommentar!
Und verspreche: Ich werde sie alle beantworten :)