Mittwoch, 19. Dezember 2012

[Rezension] Anna Kuschnarowa - Kinshasa Dreams

Autor: Anna Kuschnarowa
Titel: Kinshasa Dreams
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
384
Verlag:
Beltz & Gelberg 
Veröffentlichung: 10. September 2012
ISBN:
978-3407743695
Preis: 14,95 Euro
Kinshasa Dreams bei Amazon

Klappentext:
"Wichtig ist nicht, wo du bist, sondern, was du tust, da, wo du bist."
Ein Gewittersturm peitscht über Kinshasa und Jengos abergläubische Großmutter wittert in der Geburt des Jungen ein böses Omen. 16 Jahre später treiben Jengo die Suche nach seiner Mutter und der große Traum, Boxer zu werden, nach Europa. Über Ägypten und Libyen gelangt er nach Frankreich. Jengo bewegt sich in der Halbwelt des Boxens und verliebt sich in ein Mädchen – doch als Illegaler darf er nirgendwo lange bleiben, ist immer getrieben von der Angst, entdeckt zu werden ...

Meine Meinung:
"Ich stand am Rand der Familienwelt. Weg. So weit weg. Das Familienungeheuer, das an all dem schuld war, das war ich. Verflucht seit dem Tag meiner Geburt."
Flüchtlinge gibt es sehr viele auf dieser Welt. Menschen, die aus ihrem Land oder ihrer Region fliehen müssen, weil dort Krieg herrscht oder sie aus verschiedenen Gründen verfolgt werden. Sogar sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge sind aktuell Gesprächsthema. Trotzdem wird dieses Thema im Alltag leider allzu oft totgeschwiegen. Kaum jemand sieht die Menschen hinter diesen Flüchtlingen, die wir oft nur als Asylbewerber betrachten. Doch es sind Menschen, mit Gefühlen, Wünschen und Träumen.
Einer dieser Menschen wird hier nun in all seinen Facetten beleuchtet. Jengo hat seinen größten Kampf vor sich. Er ist Boxer und nun lässt er gewissermaßen sein bisheriges Leben an sich vorbeiziehen. Das ist erst einmal für mich überraschend gewesen, denn ich hatte erwartet, dass es mehr um diese Situation des großen Kampfes gehen würde. Tatsächlich erzählt Jengo uns seine Geschichte aber von seiner Geburt an. Dies macht er auf eine sehr sympathische Art und Weise und immer wieder mit einem Augenzwinkern. Dadurch ist man zwar immer noch sehr betroffen, aber der Leser hat auch Auszeiten von diesen sehr starken Gefühlen.
Wir haben es hier nicht nur durch den jugendlichen Protagonisten mit einem Jugendbuch zu tun, sondern auch durch die gut angepasste jugendliche Sprache. Gewöhnen muss man sich ein wenig an die oft relativ kurzen Sätze, die aber gleichzeitig auch Jengos Gefühlswelt darstellt, der sich selbst kaum zu Recht findet, ausgestoßen wird. Der abgehackte Stil lässt diese Gefühle schnell auf den Leser übergehen, sodass man sich in Jengo einfühlen kann.
Trotzdem konnte Jengo mich nicht vollständig packen. Ich kann dafür leider nicht einmal einen genauen Grund nennen und befürchte fast, dass es die falschen Vorstellungen und die falschen Erwartungen waren, die dann zwischen mir und dem Buch standen. Die Geschichte seines Lebens ist nämlich durchaus interessant und auch spannend.
Gerade um Jugendliche an dieses sensible Thema heranzuführen, ist das Buch gut geeignet. Es wird sicher auch Jungen ansprechen, da es sich um einen männlichen Protagonisten handelt und Boxen seit jeher eher ein Männersport ist. Die Autorin verzichtet außerdem auf den erhobenen moralischen Zeigefinger, von dem sich (nicht nur) Jugendliche oft schnell genervt fühlen und trotzdem wird das Bewusstsein geschärft, ohne dass man sich dagegen wehren könnte. Damit ist dieses Buch auch als Schullektüre durchaus geeignet.


Fazit: Ein Buch, das auf ansprechende Weise ein heikles Thema anspricht, das einfach viel zu oft totgeschwiegen wird. Der Autorin gelingt es das Bewusstsein für die Problematik der Flüchtlinge zu schärfen und dabei trotzdem auf einen störenden mahnenden Zeigefinger zu verzichten. Auch besonders als Schullektüre zu empfehlen.

Gesamtnote: 2
Charaktere:1-2
Handlung: 2
Lesespaß: 2-3

Über die Autorin: Anna Kuschnarowa, geboren 1975 in Würzburg, studierte Ägyptologie, Prähistorische Archäologie und Germanistik in Leipzig, Halle/Saale und Bremen. Sie unterrichtet Mittelägyptisch an der Universität Leipzig, seilt sich aber regelmäßig aus dem Elfenbeinturm ab und arbeitet dann als freiberufliche Autorin und Fotografin. Bei Beltz & Gelberg erschienen ihre Romane "Spielverderber", "Schattensommer", "Junkgirl" und zuletzt "Kinshasa Dreams". (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  

 

Kommentare:

  1. It's very simple to find out any topic on net as compared to books, as I found this piece of writing at this site.
    My site > Console Cases

    AntwortenLöschen
  2. Servus, Asaviel.
    Wie sich vorsintflutlicher Aberglauben exzessiv auf das Heute noch immer auswirkt, ist ein gutes Thema. Und jemanden im Namen einer Religion/Ideologie oder schlicht der Macht wegen zu drangsalieren, verfolgen, töten ist reinster Aberglauben.

    Ein kleiner Fehlerteufel schlummert übrigens in Deinem Fazit. Ich denke zumindest nicht, daß Dir das Thema "...viel zu selten totgeschwiegen wird".
    :-)

    bonté

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Hinweis.
      Ich habs natürlich geändert. :)

      Löschen
  3. Dieses Buch landet definitiv auf meiner Wunschliste. Anna Kuschnarowa konnte mich schon mit "Junkgirl" und ihrem sympathischen Auftreten auf der Frankfurter BM 2011 begeistern.

    Ich wünsche dir ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest :)

    LG Nanni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In Frankfurt habe ich sie gar nicht gesehen.
      Aber Junkgirl will ich auch noch lesen.

      Schöne Weihnachten :)

      Löschen

Ich freue mich auf euren Kommentar!
Und verspreche: Ich werde sie alle beantworten :)