Sonntag, 30. Dezember 2012

[Rezension] Alex Adams - White Horse

Autor: Alex Adams
Titel:
White Horse
Originaltitel:
White Horse
Reihe:
White Horse
1. White Horse
2. Red Horse (englischer VÖ: August 2013)
Genre:
Dystopie
Seiten:
448
Verlag: 
Piper
Veröffentlichung: 10. September 2012
ISBN:
978-3492702522
Preis: 16,99 Euro
White Horse - bei Amazon

Klappentext:
Eine Welt, die alle Hoffnung verloren hat. Eine junge Frau, die ihr ungeborenes Kind beschützen muss. Ein uraltes Geheimnis, das für uns alle zur tödlichen Gefahr wird … Dies ist die Legende vom Ende unserer Welt – und unserer Zukunft danach. Fesselnd erzählt in Vor- und Rückblenden, wurde »White Horse« über Nacht zum Bestseller.
Die junge Zoe entdeckt in ihrer Wohnung ein merkwürdiges Glasgefäß, dessen Herkunft sie sich nicht erklären kann. Es enthält ein furchtbares Geheimnis. Denn als Zoe den Behälter öffnet, breitet sich eine geheimnisvolle Seuche aus, »White Horse«. Unzählige Menschen sterben, das Ende aller Zeiten scheint gekommen. Zoe verliert nicht nur ihre Familie, sondern auch ihren geliebten Nick, der verschwunden ist. Und sie stellt fest, dass sie von ihm schwanger ist. Auf sich allein gestellt, zählen für Zoe bald nur noch zwei Dinge – wird sie Nick wiederfinden, um das Geheimnis von »White Horse« zu lüften? Und wie kann sie ihr ungeborenes Kind in einer Welt beschützen, die dem Tod geweiht ist?

Meine Meinung:
"Verwesung hat ihren ganz eigenen Geruch. Sie ist der Straßenräuber unter den Gerüchen, schlägt dir voll ins Gesicht, boxt dich in den Magen und haut mit deiner Brieftasche ab, während du noch taumelst und vor dem Gestank zurückweichst." (Seite 50)
Als ich dieses Buch aufgeschlagen habe, war ich mir zuerst nicht sicher, ob ich es eventuell mit einem Jugendbuch zu tun habe, denn viele der Dystopien, die gerade auf den Markt kommen oder in nächster Zukunft noch erscheinen, sind eben dies: Jugendbücher. 
Nach den ersten 25 Seiten war mir aber schon klar, dass dies nicht für Jugendliche geeignet ist. Brutalität, Mord, Gewalt und Vergewaltigung sind schon auf den ersten paar Seiten eher die Regel als die Ausnahme. Der Leser sollte also kein allzu zartes Gemüt mit sich bringen. 
Sehr gut gelungen ist, dass die Geschichte von Beginn an spannend ist. Durch einen ständigen Wechsel zwischen "Damals" und "Heute" werden mit der gleichen Protagonistin zwei Handlungsstränge erzählt, die beide sehr spannend sind, sodass ich im gesamten Verlauf der Geschichte keinen favorisierte Zeit hatte. 
Die Charaktere sind fein ausgearbeitet und der Autorin gelingt es hervorragend dem Leser die Ausnahmesituation zu schilden, in der sich die Personen befinden und somit kann sie auch deutlich die menschlichen Abgründe aufzeigen, die sich nach und nach auftun, wenn die Welt aus den Fugen gerät und jede Gesellschaftsordnung sich aufgelöst hat.
Der Schreibstil ist flüssig und dem Thema angepasst. In eher kurzen und meist sehr prägnanten Sätzen werden die Szenen klar und deutlich geschildert. Nur selten werden fast hochtrabende philosophische Fragen aufgeworfen, die nach Antworten verlangen, denen eben diese aber eher vorenthalten werden. Der Leser muss selbst für sich versuchen Entscheidungen zu treffen und sich für den einen oder anderen Charakter, für die eine oder andere Handlung entscheiden.
Die ersten 150 Seiten habe ich regelrecht innerhalb kürzester Zeit verschlungen, danach lässt diese Dystopie leider nach. Es passiert kaum etwas Neues, wenig Überraschendes und es sieht oft beinahe nur noch nach einem Gemetzel mit viel Blut und sehr viel Gewalt aus. Es gibt einige Tote zu beklagen, aber emotional konnten mich diese nicht wirklich erreichen, was dann natürlich auf Kosten des Lesespaßes geht.
Das Ende ist in Ordnung und da man weiß, dass es Folgebände gibt auch nicht überraschend, dass es einen Cliffhanger gibt. Ich hätte mir gewünscht, dass der Cliffhanger nicht erst im letzten Abschnitt eingebaut wird und damit der Leser beinahe völlig überrascht wird.
"Schwach, ganz schwach wird mir bewusst, dass mein Verstand verschüttgeht, dass ich mit einem Fuß in einer Irrenanstalt und mit dem anderen in einer Pfütze Blut stehe. Wie viel kann der menschliche Geist ertragen, ehe er zerbricht?" (Seite 299)
Fazit: Eine Dsytopie, die sich ganz klar an ein erwachsenes Publikum richtet, da das große Brutalitätspotenzial nicht für ein jugendlichen Leser geeignet ist. Nach einem sehr starken Beginn, der viel Spannung mit sich bringt, lässt die Geschichte nach 150 Seiten leider deutlich nach. Alles in allem eine Dystopie, die keine Zeitverschwendung ist, aber auch kein unbedingter Lese-Muss.

Gesamtnote: 3
Charaktere: 2-3
Handlung: 3
Lesespaß: 3
Über die Autorin:  Alex Adams wurde in Auckland, Neuseeland, geboren und lebte in Australien und Griechenland, bevor sie nach Portland, Oregon, auswanderte. »White Horse« ist ihr erster Roman. (Quelle)

[Rezension] Félix J. Palma - Die Landkarte der Zeit

Autor: Félix J. Palma
Titel: Die Landkarte der Zeit
Originaltitel: El mapa del tiempo
Reihe: 
1. Die Landkarte der Zeit
2. Die Landkarte des Himmels
Genre:
Belletristik
Seiten:
715
Verlag:
Kindler
Veröffentlichung: 17. September 2010
ISBN:
978-3463405773
Preis: 24,95 Euro (HC), 9,99 Euro (TB)

Kurzinhalt: Eine Reise durch Jahrhunderte. Eine Liebe ohne Grenzen. Eine Geschichte voller Phantasie.
London, 1896: Andrew, ein wohlhabender Fabrikanten­sohn, reist in die Vergangenheit, um seine große Liebe wieder­zugewinnen. Die junge Claire macht eine Zeitreise aus dem viktorianischen London ins Jahr 2000 und trifft den Mann, den sie in der Zukunft lieben lernte, in ihrer Zeit wieder. Inspektor Garrett jagt einen Mörder, der seine Opfer mit ­Waffen tötet, die noch gar nicht erfunden wurden. Alle Fäden laufen bei einem dämonischen Bibliothekar ­zusammen. Nur er kennt das Geheimnis der Landkarte der Zeit. Ein Fest der Phantasie, in dem der Leser Jack the Ripper ­begegnet und H.G. Wells, den Erfinder der Zeitmaschine, in einer völlig überraschenden Rolle kennenlernt. (Quelle)

Meine Meinung:

"Die Wissenschaft genießt heutzutage eine größere Glaubwürdigkeit als die Magie. Wir leben in modernen Zeiten. Aber die Magie existiert, glauben sie mir." (Seite 131)

 Nicht nur auf dem Klappentext, nein auch gleich zu Beginn des umfangreichen Romans verspricht der Erzähler dem Leser Zeitreisen. Zeitreiseromane sind derzeit auch ziemlich beliebt und so erwartet man hier natürlich eine phantastische Geschichte, die den Leser in die Zukunft und auch in die Vergangenheit entführt.
Das bekommt der Leser auch geboten, so in etwa zumindest. Der Autor spielt mit der Geschichte, spielt mit der Erwartung des Lesers, spielt mit dem Leser selbst und mit der Erzählung an sich. Denn der Erzähler, der ja nicht identisch mit dem Autor sein muss, wendet sich das eine oder andere Mal direkt an den Leser. Dadurch entsteht ein kurzes Vakuum in der Geschichte. Oft geschieht dies mit einem Augenzwinkern, wenn der Erzähler zum Beispiel darauf hinweist, dass er die interessante Lebensgeschichte des Kutschers nun doch nicht erzählen kann, weil das den Umfang sprengen würde, obwohl er gerade schon damit begonnen hat und auch bröckchenweise neugierig macht, ohne Genaueres zu verraten.
Natürlich ist diese Situation gewöhnungsbedürftig, denn es sprengt die Geschichte auf, wodurch auch leicht etwas die Spannung verloren geht. Man muss dies also als das nehmen, was es ist: Ein Kunstgriff des Autors, der damit spielt, dass er über die Handlung bestimmen kann.
Der Leser bekommt - ähnlich wie die Charaktere - selten das, was er erwartet. Hat man das einmal durchschaut, kann man viele Szenen mit einem Schmunzeln lesen und dadurch bekommt man auch den versprochenen Eindruck eines Fests der Phantasie.
Es ist notwendig die Geschichte aufmerksam zu lesen, denn sie ist detailreich aufgebaut und oft werden wichtige Kleinigkeiten fast in diesen Details versteckt und würden bei unkonzentriertem Lesen doch verloren gehen und dann leidet sicher auch der Lesespaß.
Dieser Roman ist dreigeteilt und das Verbindungsglied zwischen den Geschichten ist ein einzelner Mann, kaum ein anderer Charakter überschreitet die Grenze zwischen den Teilen. Tatsächlich steigert sich der Spaß an der Geschichte mit jedem Teil und die Auflösung lässt den Leser vor Staunen den Kopf schütteln.
Der Leser wird immer wieder denken, er sei schlauer als die Charaktere und würde den Erzähler durchschauen, aber er wird doch mindestens genauso oft hinters Licht geführt. Dies ist im Ganzen sicher Geschmackssache. Félix J. Palma hat mit diesem Roman sicher keine leichte Unterhaltungslektüre geschrieben. Jede Seite fordert vollste Konzentration. Doch wenn man sich darauf einlassen kann und möchte und wenn man ausreichend Zeit und Ruhe mitbringt kann man hiermit viel Spaß haben.
"Erlauben Sie mir, die Erzählung jetzt zu unterbrechen und Sie darauf hinzuweisen, dass das, was nun geschah, sehr schwierig zu berichten ist, weil die Zahl der Empfindungen , denen sich Andrew ausgesetzt sah, allzu hoch erscheint, wenn wir bedenken, wie wenige Sekunden die folgende Szene dauerte. (...) In unserem Fall dehnte sich die Zeit in Andrews Geist dergestalt, dass sie aus einer knappen Handvoll Sekunden eine ganze Ewigkeit machte." (Seite 85)

Fazit: Eine wirklich phantastische Geschichte, die eine verzwickte Handlung und einen außergewöhnlichen Schreibstil mit sich bringt. Beides zusammen fordert einiges an Konzentration und die detailreiche Fülle kann für den Leser schnell zu viel werden. Wer aber mit alldem umgehen kann, findet hier eine Lesevergnügen mit einer großen Portion Spaß und Humor.

Gesamtnote: 2-3
Charaktere: 2
Handlung: 1-2
Lesespaß: 2
Zusatz: Der Schreibstil ist sehr außergewöhnlich und kann hier sicher schnell auch negative Reaktionen hervorrufen, daher leichter Notenabzug

Die Landkarte der Zeit - bei Amazon
 

Über den Autor: Félix J. Palma wurde 1968 in Sanlúcar de Barrameda geboren und lebt heute in Madrid. Er absolvierte eine Ausbildung als Werbefachmann in Sevilla, bekam jedoch für seine ersten Erzählungen und Romane bereits so viele Stipendien und Preise, dass er den Beruf nie ausübte.
„Die Landkarte der Zeit“ war ein Bestseller in Spanien und wird in zwanzig Sprachen übersetzt.
Palma erhielt dafür den Premio Ateneo de Sevilla 2008. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  

 

Sonntag, 23. Dezember 2012

Ich wünsche euch besinnliche Weihnachten

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und vor dem Jahreswechsel kommt ganz unweigerlich und so überraschend wie jedes Jahr: Weihnachten.

Es ist immer eine zwiespältige Zeit für mich. Viel Arbeit, viel Stress, aber besonders dieses Jahr gab es auch schon schöne Momente. Das Weihnachtsgeschenke kaufen viel mir ziemlich leicht und ich freue mich dieses Mal fast mehr diese Dinge zu verschenken, als selbst auszupacken. 
Auch die Weihnachtstage selbst werden sicherlich nicht ganz stressfrei ablaufen. Trotzdem freue ich mich auf sie und die lieben Menschen, mit denen ich die Zeit verbringen werde.

Ich wünsche euch allen gesegnete Weihnachten, eine schöne Bescherung mit vielen Büchern unter dem Weihnachtsbaum und dass ihr eine besinnliche Zeit gemeinsam mit euren liebsten Menschen verbringen könnt. 
Genießt die Tage und lasst euch nicht stressen.

Und damit verabschiede ich mich bis nach den Feiertagen mit zwei Liedern, die für mich schon einige Zeit zu Weihnachten dazu gehören, aber sicher nicht zum Allgemeingut gehören. Zumindest nicht in dieser Variante:



und



Frohe Weihnachten!

Freitag, 21. Dezember 2012

Dshini - Wünsche werden wahr

Als ich das erste Mal von dieser Seite hörte, habe ich wohl nur die Stirn gerunzelt und nach dem Haken gesucht. 
Wie? Da gibt es eine Seite, da sammel ich irgendwelche Punkte und dann kann ich mir von den Punkten echte Sachen kaufen? Z.B bei Amazon? 
Wo ist da der Haken?

Inzwischen bin ich seit Februar dabei und konnte mir schon zwei Wünsche erfüllen. Heute möchte ich euch die Seite, die sich vor kurzem stark verändert hat, etwas näher vorstellen:



Dshini heißt sie und wenn ihr auf das Banner oder hier klickt, landet ihr direkt dort.

Wie funktioniert Dshini?
Auf Dshini hast du die Möglichkeit über verschiedene Aktionen Dshins zu sammeln. Dshins sind sozusagen Punkte oder Geld. Dieses Sammeln der Punkte ist vollständig kostenlos und funktioniert meist spielerisch.
Seit der Umstellung stehen zum Beispiel Bilder im Mittelpunkt. So kann man nun Bilder hochladen oder aus dem Netz nehmen und bei Dshini pinnen. So sehen alle, die mir bei Dshini folgen die gepinnten Bilder in ihrer Timeline. Und ich sehe in meiner Timeline alle Bilder derer, denen ich folge. Das sieht gerade so aus:


Zum Vergößeren draufklicken
Wenn ich pinne oder auch Bilder anderer auf meiner eigenen Timeline repinne, bekomme ich auf mein Konto Dshins gutgeschrieben. 
Die bekomme ich aber auch einfach fürs tägliche einloggen, für Videos schauen, Spiele spielen und ähnliches. Oder ich bekomme sie, indem andere im Netz meine Signatur anklicken.
Eine Signatur sieht als Bild so aus:

 



Es gibt sie auch nur als Link. Sie kann in Blog gepostet werden, aber auch auf Facebook, als Signatur in Foren und ähnliches. 8 Dshins gibt es, im Idealfall 30mal am Tag, wenn 30 Leute klicken. 
Auch wenn über den Pin-Button (auf meinem Blog ganz unten) etwas auf meiner Seite bei Dshini pinnt, bekomme ich Dshins gut geschrieben.

So sammelt man Tag für Tag in seinem eigenen Tempo Dshins. Und was macht man am Ende mit diesen Dshins?
Man erfüllt sich Wünsche. Vollkommen kostenlos.
Denn man erstellt sich Wunschzettel. Dort kann man aus einigen Shops Produkte auswählen, unter anderem Amazon, aber auch Lush und ähnliches. 
Zu dem Preis der Produkte kommen noch die Versandkosten und dann kann man selbst oder auch andere auf diese Wünsche die Dshins spenden. Es wird brav runtergezählt und wenn der Zähler auf 0 steht, also alle Dshins eingegangen sind, kann man Dshini beauftragen den Wunsch zu bestellen und einem zuzuschicken.

Ich hab inzwischen ein Buch "Der Märchenerzähler" und meinen Kindle-Skin "DecalGirl Kindle Touch-Skin "Elegy" via Dshini bekommen.

Das Beste ist: Es ist vollständig kostenlos und hat keinen Haken!
 Dshini finaniert sich über die Werbung, die sie schalten und die man als Nutzer automatisch zu sehen bekommt. Im Klartext: Bilder pinnen, Videos sehen, Spiele spielen, ein wenig Werbung ansehen und dann bekommt man kostenlos seine Wünsche erfüllt. 

Mittwoch, 19. Dezember 2012

[Rezension] Anna Kuschnarowa - Kinshasa Dreams

Autor: Anna Kuschnarowa
Titel: Kinshasa Dreams
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
384
Verlag:
Beltz & Gelberg 
Veröffentlichung: 10. September 2012
ISBN:
978-3407743695
Preis: 14,95 Euro
Kinshasa Dreams bei Amazon

Klappentext:
"Wichtig ist nicht, wo du bist, sondern, was du tust, da, wo du bist."
Ein Gewittersturm peitscht über Kinshasa und Jengos abergläubische Großmutter wittert in der Geburt des Jungen ein böses Omen. 16 Jahre später treiben Jengo die Suche nach seiner Mutter und der große Traum, Boxer zu werden, nach Europa. Über Ägypten und Libyen gelangt er nach Frankreich. Jengo bewegt sich in der Halbwelt des Boxens und verliebt sich in ein Mädchen – doch als Illegaler darf er nirgendwo lange bleiben, ist immer getrieben von der Angst, entdeckt zu werden ...

Meine Meinung:
"Ich stand am Rand der Familienwelt. Weg. So weit weg. Das Familienungeheuer, das an all dem schuld war, das war ich. Verflucht seit dem Tag meiner Geburt."
Flüchtlinge gibt es sehr viele auf dieser Welt. Menschen, die aus ihrem Land oder ihrer Region fliehen müssen, weil dort Krieg herrscht oder sie aus verschiedenen Gründen verfolgt werden. Sogar sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge sind aktuell Gesprächsthema. Trotzdem wird dieses Thema im Alltag leider allzu oft totgeschwiegen. Kaum jemand sieht die Menschen hinter diesen Flüchtlingen, die wir oft nur als Asylbewerber betrachten. Doch es sind Menschen, mit Gefühlen, Wünschen und Träumen.
Einer dieser Menschen wird hier nun in all seinen Facetten beleuchtet. Jengo hat seinen größten Kampf vor sich. Er ist Boxer und nun lässt er gewissermaßen sein bisheriges Leben an sich vorbeiziehen. Das ist erst einmal für mich überraschend gewesen, denn ich hatte erwartet, dass es mehr um diese Situation des großen Kampfes gehen würde. Tatsächlich erzählt Jengo uns seine Geschichte aber von seiner Geburt an. Dies macht er auf eine sehr sympathische Art und Weise und immer wieder mit einem Augenzwinkern. Dadurch ist man zwar immer noch sehr betroffen, aber der Leser hat auch Auszeiten von diesen sehr starken Gefühlen.
Wir haben es hier nicht nur durch den jugendlichen Protagonisten mit einem Jugendbuch zu tun, sondern auch durch die gut angepasste jugendliche Sprache. Gewöhnen muss man sich ein wenig an die oft relativ kurzen Sätze, die aber gleichzeitig auch Jengos Gefühlswelt darstellt, der sich selbst kaum zu Recht findet, ausgestoßen wird. Der abgehackte Stil lässt diese Gefühle schnell auf den Leser übergehen, sodass man sich in Jengo einfühlen kann.
Trotzdem konnte Jengo mich nicht vollständig packen. Ich kann dafür leider nicht einmal einen genauen Grund nennen und befürchte fast, dass es die falschen Vorstellungen und die falschen Erwartungen waren, die dann zwischen mir und dem Buch standen. Die Geschichte seines Lebens ist nämlich durchaus interessant und auch spannend.
Gerade um Jugendliche an dieses sensible Thema heranzuführen, ist das Buch gut geeignet. Es wird sicher auch Jungen ansprechen, da es sich um einen männlichen Protagonisten handelt und Boxen seit jeher eher ein Männersport ist. Die Autorin verzichtet außerdem auf den erhobenen moralischen Zeigefinger, von dem sich (nicht nur) Jugendliche oft schnell genervt fühlen und trotzdem wird das Bewusstsein geschärft, ohne dass man sich dagegen wehren könnte. Damit ist dieses Buch auch als Schullektüre durchaus geeignet.


Fazit: Ein Buch, das auf ansprechende Weise ein heikles Thema anspricht, das einfach viel zu oft totgeschwiegen wird. Der Autorin gelingt es das Bewusstsein für die Problematik der Flüchtlinge zu schärfen und dabei trotzdem auf einen störenden mahnenden Zeigefinger zu verzichten. Auch besonders als Schullektüre zu empfehlen.

Gesamtnote: 2
Charaktere:1-2
Handlung: 2
Lesespaß: 2-3

Über die Autorin: Anna Kuschnarowa, geboren 1975 in Würzburg, studierte Ägyptologie, Prähistorische Archäologie und Germanistik in Leipzig, Halle/Saale und Bremen. Sie unterrichtet Mittelägyptisch an der Universität Leipzig, seilt sich aber regelmäßig aus dem Elfenbeinturm ab und arbeitet dann als freiberufliche Autorin und Fotografin. Bei Beltz & Gelberg erschienen ihre Romane "Spielverderber", "Schattensommer", "Junkgirl" und zuletzt "Kinshasa Dreams". (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  

 

Donnerstag, 13. Dezember 2012

[Rezension] Katie Kacvinsky - Dylan & Gray

Quelle
Autor: Katie Kacvinsky
Titel:
Dylan & Gray
Originaltitel:
First Comes Love
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
240
Verlag:
Boje (Lübbe)
Veröffentlichung: 21. September 2012
ISBN:
978-3414820792

Inhalt: Gray ist ein cooler Typ. Er läuft nur mit seinem iPod auf den Ohren rum und interessiert sich nicht sonderlich für das, was um ihn herum passiert. Dylan ist das pure Gegenteil: Sie sprüht vor Energie, steckt voller Ideen und vor allem will sie aus jedem Tag etwas Besonderes machen. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein – und doch bemerken sie einander, lernen sich kennen, freunden sich an und verlieben sich schließlich ineinander. In Dylans klapprigem Auto erkunden sie die Wüste in der Sommerhitze, sie schreiben eine Ode auf einen Kaktus und adoptieren einen zotteligen Hund.
Doch irgendwann ist der Sommer zu Ende. Gray winkt ein Sportstipendium an einem weit entfernten College. Und auch Dylan hat Pläne: Sie will die Welt sehen und weiter jeden Tag wie ein Wunder erleben. Die beiden erleben, wie leicht es ist, sich zu verlieben – und wie viel schwerer es sein kann, sich zu verzeihen und wiederzufinden, wenn man sich einmal verloren hat. (Quelle)

Meine Meinung:

"Aber Leid ist wie Wasser. Es findet immer einen weg durch jede kleinste ritze. Mann kann es nicht aufhalten. Manchmal muss man sich erst bist auf den Grund sinken lassen, bevor man lernt, zurück an die Oberfläche zu schwimmen." (Seite 88)


In dieser auf zwei ganz unterschiedliche Charaktere. Das Mädchen Dylan steckt voll Energie, ist quirlig und hat immer wieder obskure, aber lustige Einfälle und Ideen, die sie auch unbedingt in die Tat umsetzen muss. Gray, der junge Mann, hingegen hat sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen, bleibt lieber für sich und ist von der ruhigen Art.
Diese beiden treffen nun aufeinander und es gelingt Dylan tatsächlich Kontakt zu dem zurückhaltenden Gray aufzunehmen. Nach meiner Beschreibung bis hierhin und auch nach dem Lesen des Klappentextes kann man eine lockere, leichte Liebesgeschichte erwarten, die dem Leser einige kurzweilige Stunden schenkt, die aber dann auch im Einheitsbrei bald wieder verschwindet. Doch so ist es nicht. Ja, es gibt die Szenen, in denen Dylan nur Unsinn im Kopf hat oder Gray dauernd nur an Dylans Körper denken kann. Also die Szenen, in denen man deutlich sieht und spürt wie verliebt und glücklich beide sind. Aber der Leser erhält auch noch so viel mehr. Die Geschichte ist viel tiefsinniger und sehr viel intensiver, als sie auf den ersten Blick vermuten lässt. Es hat einen Grund warum Gray kein Basketball mehr spielt, warum er sich von der Welt zurückgezogen hat. Diesen Grund deckt Dylan auf und sie hilft ihm weiterzumachen, obwohl er bisher kaum Hoffnung hatte zurück in ein normales Leben zu finden. Dieses normale Leben eventuell sogar gar nicht wollte.
Es finden sich einige Weisheiten in diesem Buch. Ausgesprochen von Dylan oder auch vom Erzähler. So wirkt die Geschichte manchmal leicht belehrend, was oft ja als störend empfunden wird. Der erhobene Zeigefinger nervt oft einfach, aber hier wird es durch Dylan immer wieder abgemildert. Insbesondere in der ersten Hälfte des Buches macht diese junge Frau einfach so unglaublich viel Spaß. So sehr, dass ich sogar im Bus (!) laut lachen musste. Dabei lache ich sonst selten laut bei Büchern.
Die Sprache ist den jugendlichen Protagonisten und den jugendlichen Lesern angepasst. Damit liest sich die Geschichte sehr zügig und flüssig. Es wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten erzählt und man erkennt immer sofort, wer nun der Erzähler ist, da diese Abschnitte jeweils mit dem Namen überschrieben sind.
Musik spielt eine große Rolle in der Handlung. Sowohl für Gray, der selbst Gitarre spielt, als auch für Dylan. Die Autorin hat am Ende des Buches mehrere Playlists zusammengestellt, sodass man noch einmal in Ruhe alle Songs nachhören kann. Das macht Spaß und gibt dem Leser die Chance noch einmal abzutauchen und an Gray und Dylans Seite zu gehen.
So findet der Leser hier eine Geschichte, die zwischen Humor und Ernsthaftigkeit schwankt und einen weiten Themenbereich umfasst. Einerseits die Liebe, die erste große Liebe und das Erwachsen werden, sich selbst finden und die eigenen Träume leben, andererseits auch das Kompromisse eingehen um dererwillen, die man liebt. Auf der anderen Seite steht der große Themenkomplex der Familie, der in diesem Fall auch den Tod und den Verlust mit einschließt. 
Das Ende ist gut gelöst. Ich hatte nicht mehr zu hoffen gewagt - ähnlich wie Gray - und wurde dann doch belohnt nicht vor dem Schluss verzweifelt zu sein. Schönes Ende eines Einzelbandes.

"Du bist überhaupt nicht langweilig", protestiert sie. "Und du kannst nett sein. Vermutlich aus Versehen, aber es ist durchaus schon vorgekommen." (Seite 70)

Fazit: Dies ist nicht nur eine Liebesgeschichte, die man innerhalb weniger Stunden liest und dann fast auch genauso schnell wieder vergisst. Nein, hinter diesen Buchdeckeln ist eine tiefsinnige Geschichte versteckt, die den Leser tief berührt. Sie schwankt zwischen sehr humorvoll und großer Ernsthaftigkeit und bleibt danach noch tagelang im Gedächtnis.

Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 1-2
Handlung: 2

Dieses Buch ist etwas für dich, wenn dir folgende gefallen haben: 



Über die Autorin:  Katie Kacvinskys erstes Buch, "Die Rebellion der Maddie Freeman", ist 2011 bei Boje erschienen und war sofort ein Erfolg. "Dylan und Gray" ist der zweite Jugendroman der Autorin, die früher von Modeln bis Unterrichten verschiedene Jobs hatte, inzwischen aber vom Schreiben lebt. Die Fortsetzung zu "Die Rebellion der Maddie Freeman" ist in Vorbereitung. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors: