Mittwoch, 9. Januar 2013

[Rezension] Anna Kuschnarowa - Junkgirl

Quelle
Autor: Anna Kuschnarowa
Titel:
Junkgirl
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
223
Verlag:
Beltz & Gelberg
Veröffentlichung: 8. November 2011
ISBN:
978-3407742599
Preis: 12,95 Euro 
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Klappentext:
 
»Die Zeit mit Tara war die großartigste Zeit meines Lebens. Und die beschissenste.« Alles begann mit Tara. Der schillernden, wilden, außergewöhnlichen Tara, in die sich die unscheinbare Alissa Hals über Kopf verliebt. Um mit Tara zusammen zu sein, beginnt Alissa heimlich ein Doppelleben, irrlichtert zwischen Sein und Schein, belügt ihre Eltern und – nimmt Drogen. Sie erlebt ungeahnte Höhenflüge, ist verzaubert, berauscht, fühlt sich unsterblich. Es scheint, als sei Alissas Sehn-Sucht endlich gestillt. Da zeigen sich tiefe Risse in Taras schillernder Welt ... Ein überwältigender und rasanter Roman, der mit ungeheurer Wucht vom Rausch der Liebe, der Drogen und dem Erwachsenwerden erzählt. (Quelle)

Meine Meinung:
"Und dann auf einmal brach das Leben, das echte Leben in meine Existenz. Erst schleichend, langsames Crescendo, dann mit so viel Wucht, dass es mich echt aus den Schuhen haute. 
Alles begann mit Tara und letzendich endet es auch mit ihr." (Seite 32)
Alissa und Tara nehmen den Leser sofort gefangen. Müssen sie auch bei der geringen Seitenanzahl. Es gelingt ihnen mühelos. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive von Alissa erzählt. Der Leser erfährt, wie sie Tara kennen lernt, lieben lernt und wie sie dann abrutscht in den Sumpf von Drogen, Gewalt und Erniedrigung. 
Das Erzähltempo ist unglaublich hoch. Ich habe selten ein Buch erlebt, in dem die Tage einerseits nur so vorbeirauschen, man andererseits aber trotzdem einen guten Bezug zu den Charakteren aufgebaut hat und mit ihnen lacht und leidet gleichermaßen. Es gelingt der Autorin mit dieser Variante des schnellen Erzählens den Leser das gleiche Gefühl zu geben, das wohl auch Alissa hat, denn auch an ihr rauschen die Tage nur so vorbei, nachdem sie eingetaucht ist in diese neue - ihr unbekannte - Welt. 
Die gesamte Handlung erzählt uns Alissa im Prinzip aus der Rückschau. Doch diese Rückschau nimmt über neunzig Prozent des gesamten Buches ein. Das "Jetzt", also die Gegenwart wird immer wieder eingeschoben in Form eines inneren Monologs oder eher eines inneren Zwiegesprächs der Protagonistin.
Die Autorin beschränkt sich auf relativ wenige Charaktere. Natürlich Alissa, dazu Tara und einige wenige wichtige Nebencharaktere. So findet der Leser sich schnell zurecht und wird nicht von einer Unzahl an Namen verwirrt. Das ist bei der Seitenzahl auch notwendig, sonst wäre die Geschichte wohl schon vorbei, bevor der Leser sich eingelesen hat. 
Natürlich wird hier ein sehr krasses Thema geschildert. Drogen sind der Mittelpunkt, der hier verhandelt wird. Und schnell wird klar, dass es nicht um einmaliges Kiffen geht. Nein, Drogen jeglicher Art spielen eine Rolle. Kiffen, Koks, LSD und ähnliches, aber dann auch Heroin. Und diese Stoffe bringen weite Felder und großes Leid mit sich. So ergeben sich weitere Themenfelder wie Prostitution, Gewalt und Erniedrigung. Dabei wird weder inhaltlich etwas geschönt, noch die Sprache einem Schriftdeutsch zu sehr angepasst. Nein, hier bekommt der Leser vor Augen gestellt, wie es wirklich ist. Das lässt diesen sicher nicht unbewegt zurück.
Natürlich haben wir es trotzdem immer noch mit einem Jugendbuch zu tun, aber meine Empfehlung wäre, jedem Jugendlichen, der dieses Buch liest, ein begleitetes Lesen anzubieten. Jeder sollte die Möglichkeit haben über den Inhalt und die Handlung zu sprechen und damit nicht allein gelassen zu werden.
Das Ende gestaltet die Autorin, zumindest was Alissa angeht, sehr offen. Nachdem die Geschichte, die die Protagonistin uns im Rückblick berichtet, ein Ende gefunden hat, gibt es einen etwas längeren Abschnitt aus der Gegenwart. Dort wird knapp ihre jetzige Situation zusammengefasst, die sich der Leser aber beinahe schon aus den Einschüben zwischendurch erschließen konnte. Aber ihr weiteres Schicksal und ihre weiteren Entscheidung werden offen gelassen, sodass es viel Raum für eigene Spekulationen und die eigene Phantasie gibt. Für manch einen sicher zu viel Raum, aber andererseits stellt auch dieser Punkt, das wahre Leben da. Welchen Weg sie einschlägt, wird für Alissa immer ein Kampf bleiben.
"Wir fielen uns in die Arme und blieben so, und es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ich was merkte, aber dann war alles so bunt, so unendlich, so unerträglich schön, dss ich heulte wie ein Schlosshund, und Tara hielt mich und küsste mir die Tränen vom Gesicht, (...) und in dieser Nacht fühlte ich mich wie ein Freibeuter des Glücks, so frei, so unabhängig, so unverwundbar." (Seite 98)

Fazit: Eine rasante Geschichte mit einem so hohen Erzähltempo, wie ich es selten vorher erlebt habe. Der Autorin gelingt es, das darzustellen, wie es wirklich da draußen - auf den Straßen der Großstädte und in den Häusern normaler Familie - zugeht. Natürlich bleiben es Ausnahmen. Aber es gibt diese Schicksale. 
Ein bewegendes Buch, das zum Nachdenken anregt und sicher gut geeignet ist, gerade auch Jugendlichen die Gefahr, die Drogen mit sich bringen, darzustellen.

Gesamtnote: 1
Charaktere: 2
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1

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Über die Autorin:
Anna Kuschnarowa, geboren 1975 in Würzburg, studierte Ägyptologie, Prähistorische Archäologie und Germanistik in Leipzig, Halle/Saale und Bremen. Sie unterrichtet Mittelägyptisch an der Universität Leipzig, seilt sich aber regelmäßig aus dem Elfenbeinturm ab und arbeitet dann als freiberufliche Autorin und Fotografin. Bei Beltz & Gelberg erschienen ihre Romane "Spielverderber", "Schattensommer", "Junkgirl" und zuletzt "Kinshasa Dreams". (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  


 

Kommentare:

  1. Es ist schon eine Weile her, dass ich das Buch gelesen habe, aber ich habe noch gut im Gedächtnis wie sehr auch mich die Geschichte berührt hat. Sehr tiefgreifenden, da sie auch sehr authentisch ist.

    LG Nanni

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    1. Ja,
      ich glaube, mir wird sie auch lange im Gedächtnis bleiben. Außerdem ist es wohl ein Buch, in dem ich immer mal wieder blättern werden. :)

      Grüße
      Asaviel

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  2. Grüß Dich, Asaviel.
    Auf die Gefahr hin Eulen nacht Athen zu tragen...
    Ich revangiere mich jetzt einmal mit einem passenden Filmtip - 'Dreizehn'. Trotz der selben Regisseurin hat er rein garnichts mit 'Twilight' gemein.

    Gut! Nikki Reed natürlich. :-)

    bonté

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    1. Hallo,
      nein "Dreizehn" kenne ich tatsächlich noch nicht. Mal sehen, ob ich mal dazu komme ihn zu schauen.

      Grüße

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