Freitag, 18. Januar 2013

[Rezension] Kristin Cashore - Die Beschenkte

Quelle
Autor: Kristin Cashore
Titel:
Die Beschenkte
Originaltitel:
Graceling
Reihe:
Die sieben Königreiche
1. Die Beschenkte
2. Die Flammende
3. Die Königliche
Genre:
Fantasy
Seiten:
496
Verlag:
Carlsen
Veröffentlichung: September 2009
ISBN:
978-3551582102
Preis: 19,90 (HC), 9,95 (TB), 8,99 (Kindle)
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Klappentext: Als Katsa dem geheimnisvollen Prinzen von Lienid begegnet, weiß sie sofort, dass auch er beschenkt ist - sie ist sich nur nicht sicher, mit welcher Gabe. Katsa dagegen ist in allen sieben Königreichen bekannt und gefürchtet: Sie hat die Gabe des Tötens.
Nur Bo, der fremde Prinz, scheint keine Angst vor ihr zu haben und ringt beharrlich und mit viel Geduld um ihr Vertrauen.
Im Kampf gegen einen König mit einer teuflischen Gabe werden sie auf ihrem gemeinsamen Weg durch Schnee und Eis, über Meere und Gebirgsketten zu Verbündeten - und zu einem leidenschaftlichen, unabhängigen, innigen, streitenden, liebenden Paar. (Quelle)

Meine Meinung:
"Sie war nicht normal. Ein Mädchen beschenkt mit der Gabe des Tötens, eine königliche Schlägerin? Ein Mädchen, das keinen der möglichen Ehemänner haben wollte, die Randa ihr aufdrängte, gutaussehende und geistreiche Männer, ein Mädchen, das Panik bekam beim Gedanken an ein Baby an ihrer Brust oder ein Kind, das ihre Füße umklammerte?
Sie war nicht natürlich."

High Fantasy-Romane zählen seit jeher zu meinem Lieblingsgenre. Trotzdem gibt es immer wieder Zeiten, in denen ich Abstand dazu nehme. Das sind die Zeiten, in denen Lektüre nicht anstrengend und nicht kompliziert sein darf. Denn oft sind diese fantastischen Bücher dies. Man muss sich in eine fremde Welt eindenken, meist lernt man ein neuartiges Magiesystem kennen und oft spielt Politik, mitsamt Intrigen und komplizierten Machenschaften eine Rolle. Das ist nichts für gemütlich Lesestunden, in denen man nur abschalten möchte und Erholung sucht. Das fordert den Leser.
Trotzdem habe ich mich nun an "Die Beschenkte" gewagt, denn es wurde mir vermehrt von verschiedener Seite aus empfohlen. Ja, auch hier gibt es eine fremde Welt zu erkunden und auch hier gibt es eine gewisse Form von Magie. Es ist aber eine Magie, die ohne Zauberkraft auskommt. Es sind vielmehr die Gaben, die einige Menschen bekommen. Das können Dinge sein, wie besonders gut schwimmen, besonders gut tanzen oder ähnliches. Wobei besonders gut in diesem Falle heißt besser als jeder andere. Aber es gibt eben auch Gaben, die mehr können. Es gibt Gedankenleser oder jemanden wie Katsa, die mit der Gabe des Tötens beschenkt - sie würde er sagen, verflucht - wurde. 
Sehr gut gelöst ist es, dass der Anfang der Geschichte sofort ein wirklicher Einstieg ins Geschehen ist, denn dadurch kommt das Buch weitesgehend ohne ermüdende und komplizierte Erklärungen aus. Der Leser bekommt gezeigt, was es für Gaben gibt, was man damit machen kann und insbesondere, wie es dabei um Katsa bestellt ist. 
Somit kann man sich auch von Beginn an sofort in die Protagonistin Katsa hineinfühlen, obwohl sie anders ist als jeder gewöhnliche Mensch. Gleichzeitig ist sie keineswegs perfekt und hadert über weite Teile der Handlung mit sich selbst. Das macht sie sehr menschlich, denn der Leser hat direkt Teil an ihren Selbstzweifeln, die sie manchmal beinahe dazu bringen aufzugeben. Ihr gesamter Charakter ist sehr fein herausgearbeitet und lässt ihre Handlungen verständlich und schlüssig erscheinen.
Die ersten 150 Seiten der Geschichte kann man lapidar als normales gutes Buch bezeichnen, das sich flüssig lesen lässt, aber kaum aus der Maße hinaussticht. Danach kann man das Buch dann kaum noch zur Seite legen und man will unbedingt wissen, wie es mit Katsa, mit Bo und mit den anderen Charakteren weitergeht. 
Der Autorin gelingt es eine gelungene Mischung aus Spannung und Gefühl zu erzeugen. Der Klappentext erzeugt vielleicht den Eindruck, dass die Liebesgeschichte zwischen der Protagonistin und Bo im Mittelpunkt steht, aber sie teilt sich diesen Platz ganz klar mit spannugsgeladenen Elemente. Dass dies gelingt, ist beinahe erstaunlich. Da Katsa eine sehr machtvolle Gabe hat und man als erfahrener Leser fast sicher sein kann, dass die Protagonistin das Buch überlebt, hatte ich große Bedenken, ob Spannung aufkommen kann. Es kann. Kristin Cashore gelingt es immer wieder Szenen einzuflechten, in denen der Leser sich wirklich Sogen machen muss. Nicht nur um liebgewonnene Nebencharaktere, auch um Katsa selbst. 
An dieser Stelle ist gut zu erwähnen, dass der Titel und das Cover so harmlos aussehen, aber mit einem Mädchen als Heldin, die die Gabe des Tötens beherrscht, sollte klar sein, dass es hier diverse Kämpfe auszutragen gibt, die auch beschrieben werden und in denen Blut fließt. 
Was diesen Roman trotz des High-Fantasy-Grundbildes auch von anderen Vertretern dieses Genres abhebt, ist das Fehlen einer übergroßen Charakterfülle. In vielen Romanen dieser Art treten sehr viele Personen auf, sodass man oft kaum den Überblick behalten kann und der Leser schon durch Charakterübersichten unterstützt wird. Hier beschränkt man sich aber auf eine überschaubare Anzahl. Außerdem kann die Politik zwar bei einer Geschichte, in der es um Königreiche geht nicht völlig vernachlässigt werden, aber dieser Handlungsstrang ist ebenfalls nicht so komplex, dass es einem entspannten Lesevergnügen im Wege stehen würde. 
Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, aber uns wird die Gelegenheit gegeben in die Sieben Königreiche zurück zukehren, denn "Die Flammende" ist der zweite Band der Reihe und macht uns mit neuen Charakteren in einem der anderen Königreiche bekannt.

"Helda seufzte und trug das Kleid hinaus. "Es würde aufregend aussehen, My Lady", rief sie, "zu Ihrem dunklen Haar und Ihren Augen."
Katsa riss an einem hartnäckigen Knoten in ihrem Haar und sprach zu den Schaumblasen auf der Wasseroberfläche: "Wenn ich beim Dinner jemanden aufregen will, dann gebe ich ihm eine Ohrfeige!"

Fazit: Eine fantastische Geschichte, die keine Wünsche übrig lässt. Spannung und Gefühl in einer uns fremden Welt und innerhalb einer Handlung, die zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar ist, machen die Geschichte zu einem Page-Turner und lassen den Leser das Buch kaum zur Seite legen. Außerdem kann man dieses Buch bei Bedarf gut als Einzelband und in sich abgeschlossen lesen. Aber sicher werden die meisten in die Sieben Königreiche zurückkehren wollen, wenn sie sie einmal besucht haben.

Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 1
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1-2

Über die Autorin:
Kristin Cashore studierte am Center for the Study of Children's Literature in Boston. Ihre Bücher "Die Beschenkte", "Die Flammende" und "Die Königliche" schafften sofort den Sprung auf die New-York-Times-Bestsellerliste, wurden bereits in 28 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. (Quelle)

Weitere Bücher der Autorin:



 

Kommentare:

  1. YAY!!! Du hast es gelesen :-) TB oder Kindle?? Ich fand's auch ganz toll u. wie gut, dass Die Flammende u. Die Königliche schon vorhanden ist. Am Ende, das mit Bo, also da musste ich feste schlucken!! Super geschrieben u. genau das, was ich damals dachte.
    Drück!
    Damaris

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    1. Ich habs als HC zwar zu Hause liegen, habe es aber auf dem Kindle gelesen.
      Ja, ich freu mich auch schon auf die nächsten Teile. Mal sehen, wann es reinpasst. Jetzt will ich erstmal Arkadien zu ende lesen :)
      Ja, auch zwischendurch mit Bo da im Wald musste ich ganz schön schwer schlucken, geht sehr nahe.
      Aber eben nicht nur Gefühlsduselei, sondern auch viel Spannung :)

      Liebe Grüße

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  2. Grüß Dich, Asaviel.
    Eine Trilogie aufzubauen, worin die Teile auch für sich stehen können, spricht von einem durchdachten Konzept. Zudem eine kleine Seltenheit (speziel der Fantasy), wird doch seit geräumer Zeit gern mit intensiven Cliffhangern gearbeitet.
    Ein schönes Buch demnach.

    bonté

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    1. Ja,
      das stimmt. Cliffhanger sind aktuell ziemlich beliebt. Nervig, wenn man dann monatelang auf den Nachfolger warten muss.
      Aber nun ja. Es gibt ja auch die Ausnahmen. :)

      Grüße

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  3. Hallöchen

    Hört interessant an- eine Trilogie die sich gut macht und mit aller höchsten Quali ausgezeichnet. wird. Ich lasse mich daher überraschen was du als nächstes Rezisierst. Liebe Grüße

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    1. Hey,

      die nächste Rezension werde ich wohl zu "Beta" von Rachel Cohn schreiben und sie wird nicht unbedingt so positiv.
      Aber danach gehts positiv mit "Arkadien brennt" weiter. :)

      Grüße

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