Mittwoch, 6. März 2013

[Rezension] Jay Asher - Tote Mädchen lügen nicht

Quelle
Autor: Jay Asher
Titel:
Tote Mädchen lügen nicht
Originaltitel:
13 Reasons why
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: ab 13 Jahren
Seiten:
288
Verlag:
cbt
Veröffentlichung: 16. März 2009
ISBN: 978-3570160206
Preis: 14,95 € (HC), 8,99 € (TB)

Klappentext: Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf „Play“ – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...

Ein Roman, der unter die Haut geht (Quelle)

Meine Meinung:

"Es gibt nur zwei Regeln und die sind ganz einfach: Regel Nummer eins: Ihr hört zu. Nummer zwei: Ihr schickt die Kassetten weiter. Hoffentlich wird euch beides schwer fallen." (Seite 12)
"Tote Mädchen lügen nicht" ist ein Buch, über das jede Leseratte, die sich (auch) für Jugendbücher interessiert, sicher schon einmal etwas gehört oder gelesen oder es im Regal in der Buchhandlung gesehen hat. Es ist ein Buch, das die Gemüter bewegt und nicht nur der Zielgruppe unter die Haut geht. So ist also das, was man gehört hat, in beinahe 100% der Fälle etwas Gutes. Man muss es wohl selbst mal gelesen haben. Gesagt getan.
Ohne große Einleitung beginnt die Geschichte am spannenden Anfang: Der Protagonist Clay beginnt damit sich die Kassetten anzuhören, die er findet und die allem Anschein nach von Hannah, die sich umgebracht hat, aufgezeichnet wurden. Hannah rechnet hab. Hannah führt jedem ihrer Zuhörer vor Augen, was ihre Fehler warum und warum sie Schuld an dem Tod des Mädchen tragen. 
Das ergibt eine sehr spannende Gundkonstellation, da damit ein Konflikt angesprochen wird, der ganz natürlich ist. Wenn ein Mensch, den man kannte, sich umbringt, stellt sich sicherlich jeder die Frage, ob man selbst es hätte verhindern können. Dass aber daraus ein wahrer Pageturner entstehen muss, ist nur allzu verständlich. 
Dabei gibt es kaum echte Handlung. Hannah spricht, was im kompletten Buch mit kursiver Schrift dargestellt wird und Clay denkt nach, hängt Erinnerungen hinterher und hört in der Hauptsache zu. Ab und an wird er selbst aktiv, folgt den Wegmarken, die Hannah gibt und ähnliches. Alles, was Clay denkt und sagt steht in normaler Schrift. So wechseln sich kursive und normale Schriftart oft in schnellem Wechsel ab. Das erhöht einerseits die Spannung, andererseits fordert es eine Menge Aufmerksamkeit vom Leser, da man anderenfalls leicht übersieht, welcher der beiden Charaktere gerade an der Reihe ist. Gerade beim zügigen Lesen ist mir dies aufgefallen und ich musste immer wieder mehrere Sätze ein zweites Mal anschauen, da ich sie dem falschen Part zugeordnet hatte. 
Dreizehn Personen spricht Hannah auf den Kassetten an und diese Personen werden teilweise von ihr beschrieben. Die wichtigsten Rollen spielen aber natürlich sie und Clay, ihr aktueller Zuhörer. Diese beiden sind sehr genau gezeichnet und werden dem Leser in all ihren Feinheiten und Nuancen vorgestellt. Jede ihrer Handlungen und ihrer Reaktionen ergibt einen Sinn und man wird vergeblich nach Klischees oder Plattitüden suchen. Dabei geht der Autor sehr einfühlsam vor, was auch unbedingt notwendig ist, denn um die Entscheidung des Mädchens sich endgültig das Leben zu nehmen, auch nur annähernd verstehen zu können, ist mehr nötig als nur ein geringe Verbindung zu dem Charakter. 
Clay ist nicht die dreizehnte Person. Seine Rolle an der Geschichte und an dem Tod wird früher erzählt. Einerseits völlig zurecht, andererseits entsteht damit das Problem, dass das Buch ab diesem Punkt an Spannung verliert. Natürlich möchte man noch wissen, was Hannah bewogen hat, was noch passiert es und es wird keineswegs wirklich langweilig, aber nachdem die Frage nach Clays Schuld beantwortet ist, kann der Leser durchatmen und verliert etwas das unbedingte und dringende Mitgefühl. Das fieberhafte Lesen, der Pageturner-Effekt schwächt sich ab zu einem guten Buch. 
Dabei ist und bleibt der Schreibstil des Autors von Seite eins an leicht und schnörkellos, sodass man sich problemlos ganz in die Tiefe der Geschichte herabsinken lassen kann. Das erleichtert ein schnelles Lesen natürlich ungemein. 
Etwas als störend habe ich das Ende empfunden. Es ist so unbedingt gewollt hoffnungsvoll. Natürlich ist Hannah tot. Das lässt sich nicht mehr ändern. Man hat aber beim Lesen dann das Gefühl, dass der Autor als Ersatz für ein unmögliches Happy-End zumindest für Clay noch ganz dringend einen Lichtstreif am Horizontn benötigte. Das hätte nicht unbedingt sein müssen. Die Geschichte hätte so nachdenklich enden können wie es das komplette Thema einfach vorgibt. 
"Je länger ich den Kassetten zuhöre, desto besser glaube ich, sie zu kennen. Nicht die Hannah der vergangenen Jahre, sondern die der letzten Monate. Das ist die Hannah, die ich zu verstehen beginne." (Seite 163)

Fazit: Eine sehr spannende Geschichte, die den Leser ab Seite eins in ihren Bann zu ziehen versteht. Es gibt einige wenige Mankos, aber dies ist beinahe schon Jammern auf hohem Niveau. Die Geschichte um Hannah und Clay regt zum Nachdenken an und das sicherlich nicht nur die direkte Zielgruppe, sondern auch ältere Semester. Empfehlenswert!

Gesamtnote: 2
Charaktere: 2
Handlung: 2-3
Lesespaß: 2
Zusatz:

Über den Autor: Jay Asher ist der Autor des weltweiten Bestsellers "Tote Mädchen lügen nicht", der in über 30 Länder verkauft und u.a. für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. Seinen neuesten Roman, "Wir beide, irgendwann" verfasste er gemeinsam mit Carolyn Mackler. Er lebt in Kalifornien. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  

Kommentare:

  1. Du hast es geschafft ;-)
    Ich sehe das Buch wie du, habe es auch sehr gemocht u. als Schullektüre finde ich es ideal. Ein 1er Buch war es bei mir auch nicht, wenn man es zB mal mit John Green vergleicht ;-) aber ansonsten sehr gut!
    LG,
    Damaris

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    1. Ja..
      eine Rezension ist geschrieben. ;)
      Fehlen aktuell noch drei.
      Genau. Es ist ein gutes Buch, aber es gibt Jugendbücher, die im Vergleich deutlich beeser sind!

      Liebe Grüße

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  2. Das Buch hat mir damals sehr gut gefallen :))
    LG Lisa

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  3. Ich fand das Buch damals auch nicht so schlecht. Ist jetzt aber schon 1 1/2 Jahre her seit ich das gelesen habe :D

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    1. Ein gutes Buch, aber es gibt eben auch bessere in dem Bereich.
      Ich hatte es jetzt fast ein Jahr auf dem SuB liegen. ;)

      Grüße
      Asaviel

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  4. Grüß Dich, Asaviel.
    Immerhin konnte das hingedeichselte Ende dem Roman selber nicht mehr schaden.

    Ich denke mich würde es während der Lektüre nicht "stören", daß Clay früh aus dem Rätsel genommen wird. Ich sähe in ihm wohl die ethisch sichere Bank, von der aus die Enthüllungen ihren Lauf weiter aufnehmen. Ein sicherer Hafen quasi.

    Der Aspekt der Gründe für junge Menschen sich das Leben zu nehmen, erinnert mich an den zutiefst beeindruckenden, aber nicht weniger beklemmenden Film '2:37'. Einer der wenigen Filme, die mich erschüttern, die ich dennoch wieder betrachten kann.

    bonté

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    1. Nein,
      schaden nicht. Es ist ein gutes Buch, merkwürdiges Ende Hin oder Her.
      Das mit Clay hast du gut rausgelesen. Aber es ist trotzdem ein Spannungsverlust.

      Ich werde mal schauen, ob der Film mich anspricht und ihn mir vielleich bei Gelegenheit mal ansehen. :)

      Grüße

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  5. Hey.... :) ist das eine Schularbeitenfertige Rezension? ich bräuchte nämlich eine als Vorlage :)
    Wichtig ist das es eine Rezension ist wie sie die Lehrer Verlangen :) Danke

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    1. Hallo,

      nein, die Rezension ist beispielsweise nicht für eine Zeitung geeignet, sodass sie auch nicht für die Schule ausreicht.

      Grüße

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  6. Man kann sich für gewöhnlich nicht über Geschmäcker streiten. Jedoch empfand ich dieses Buch als reine Zeitverschwendung. Die Spannungskurve blieb konstant, wobei keine Spannung vorhanden war außer vielleicht 1-2 Momente. Sehr langatmig, ich musste mich durch dieses Buch quälen und habe es auch nur zu ende gelesen, weil ich nie ein Buch ungelesen lasse und mit der Hoffnung, Spannung vorzufinden.
    Die Idee an sich, dass sich jemand per Kassetten verabschiedet, finde ich sehr einfallsreich. Jedoch wurde außer dieser Idee nicht viel herausgeholt.
    Ich weiß nicht, was suizid gefährdeten durch den Kopf geht aber die Gründe für den Selbstmord und auch die "Zusammenhänge" mit den jeweiligen Menschen ist sehr banal und oberflächlich.
    Jedem das seiner aber selten hat mich ein Buch so enttäuscht, wobei die Kritik sehr positiv war.

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  7. Richtig gute Rezesion. Fast genau so habe ich das Buch auch gesehen.
    LG Malena

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  8. Huhu, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich deine Rezi auf meinem Blog verlinkt habe. Und zwar genau hier:

    http://nellysleseecke.blogspot.de/2015/08/tote-madchen-lugen-nicht-von-jay-asher.html

    Liebste Grüße, Nelly

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