Freitag, 12. April 2013

[Rezension] Beatrix Gurian - Der süße Kuss der Lüge

Autor: Beatrix Gurian
Titel:
Der süße Kuss der Lüge
Genre:
Jugendthriller
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
359
Verlag:
Arena
Veröffentlichung: Januar 2013
ISBN:
978-3401067124
Preis: 12,99 Euro

Klappentext: Wirklich, ich hatte keine Ahnung, dass Liebe so gefährlich sein kann. Mir war klar, dass Liebe sehr glücklich machen kann oder auch sehr unglücklich. Doch die Liebe vermag noch viel mehr. Liebe kann gerade die Menschen töten, die du am liebsten hast. Und das Schlimmste daran ist, es kann jedem passieren.
Meine Schuld , hämmert es in Lus Kopf. Ich habe nicht aufgepasst und es ist meine Schuld. So verzweifelt sie auch die kleine Ida sucht, ihre geliebte Nichte ist spurlos vom Spielplatz verschwunden. In ihrer Panik ruft Lu ihren Freund Diego an, der bei der Polizei arbeitet. Sie ahnt nicht, dass damit ein Albtraum seinen Lauf nimmt, der schon sehr viel früher begonnen hat. Denn der Mann, dem sie ihr Herz geschenkt hat, ist nicht der, für den Lu ihn hält. Ihr bleiben nur 24 Stunden, um zwischen Lüge und Wahrheit zu entscheiden, 24 Stunden, in denen sie ihr Leben aufs Spiel setzen muss. Denn sonst stirbt Ida. (Quelle)

Meine Meinung:

"Ich erinnere mich nur bruchstückhaft, denn alles ist wie verkleistert unter einer Art Glückszuckerguss oder man könnte auch sagen, dass meine Erinnerung verschwommen ist, weil ich vor lauter Liebe blind war" (Seite 69)
Die X-Thriller aus dem Arena Verlag sind Thriller für Jugendliche, die sich aber an ein schon älteres jugendliches Publikum richtet und damit auch schon Themen aufgreift, die stärker berühren und um den Jargon aufzugreifen: krasser sind, als die "normalen" Thriller für die Heranwachsenden, die vielleicht zwei oder drei Jahre jünger sind. 
Zuerst wird die Geschichte im Rückblick erzählt, denn Lu versucht sich an all das zu erinnern, was vor und direkt nach Idas Verschwinden passiert ist, denn der Hauptverdächtige ist der junge Mann, in den sie sich verliebt hat: Diego. Und Diego scheint in den letzten Wochen nur ein Spiel gespielt zu haben. Innerhalb dieses Rückblicks gibt es kurze Eindrücke aus der aktuellen Gedankenwelt des verzweifelten Mädchens, das nur ein Wochenende auf ihre Nichte aufpassen sollte. 
Nach einem knappe Drittel des Buches treffen die Gegenwart auf die erzählte Zeit und es kommt zu Action: Jetzt ist die Situation erreicht, dass Ida verschwunden ist und Lu zusammen mit der Polizei alles daran setzt sie zu retten. 
Von Beginn an gibt es noch weitere Rückblicke und zwar in die Vergangenheit des Täters. Aufgrund eines Namenswechsels wird hier aber verschwiegen, wer dieser Täter tatsächlich ist. Trotzdem steigert es die Spannung ungemein. Die Kindheit des Entführers und seinen Gedankenwelt wird beleuchtet. Hier passieren Dinge, die mir sehr ans Herz gingen, mich erschüttert und schockiert haben. Ich habe sie auf dieser Art und Weise keinesfalls in einem Jugendbuch erwartet und würde dringend empfehlen den jungen Lesern bei der Lektüre immer das Angebot zum Gespräch zu machen. Manch einer wird ein Gespräch über die Geschehnisse nicht benötigen, aber der eine oder andere Junge, das eine oder andere Mädchen wird sicherlich darüber sprechen wollen, was hier passiert. Die Vergangenheit des Täters ist äußerst spektakulär und auch sehr bewegend. So bewegend, dass es der Autorin sogar gelingt so etwas wie Mitleid im Leser zu wecken.
Man kann sich trotz allem recht schnell zusammenreimen, wer ziemlich sicher der Täter ist und wie auch die anderen Verdächtigen mit in der Sache drinhängen. Trotzdem tut das dem Lesespaß keinen Abbruch, denn ob und wie Ida zu retten ist, bleibt bis zum Schluss offen und das ist ja die eigentliche Hauptsorge der Protagonistin. Dank der Spannung und durch den ans Publikum angepasste Schreibstil lässt sich auch dieser X-Thriller sehr schnell lesen und ehe man sich versieht, ist man auch schon am Ende angelangt. Einziger Wehmutstropfen ist, dass die Geschehnisse in manchen Teilen - hauptsächlich die Polizei betreffend - unrealistisch ist. Die Ermittler übersehen manche Details, wodurch natürlich hauptsächlich die Spannung erhalten wird, aber trotzdem geschieht dies in der Wirklichkeit eher nicht - zumindest ist dies zu hoffen.
"Mama weg", flüsterte Ida. "Papa weg. Lu weg." Und dann nach einer langen Pause. "Ida weg." Sie schloss ihre Augen und begann zu schluchzen. "Alle weg." (Seite 126)

Fazit: Ein sehr spannender Thriller, der den Leser tief im Inneren berühren kann und damit zu einem Pageturner wird, den man kaum aus der Hand legen kann. Manch ein Jugendlicher wird bei der Lektüre sicher Gesprächsbedarf haben und sollte von einem Erwachsenen die Möglichkeit zu einer Unterhaltung erhalten, denn die Vergangenheit des Täters ist sehr krass.

Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 1-2
Handlung: 2
Lesespaß: 1-2
Über die Autorin:  Beatrix Gurian wurde 1961 geboren. Bevor sie ihren Mädchentraum vom Bücherschreiben verwirklichen konnte, studierte sie Theater- und Literaturwissenschaften. Danach arbeitete sie als Redakteurin knapp zehn Jahre bei verschiedenen Fernsehproduktionen. Seit 2000 schreibt sie Romane für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Beatrix Gurian lebt mit ihrer Familie in München.

Weitere Bücher des Autors (Auswahl):  


1 Kommentar:

  1. Hallo Asaviel.
    Betrachte ich mir die jüngere Vergangenheit, ist das übersehen von zielführenden Details durch Ermittler nicht mehr allzu unrealistisch.

    Bitter, eigentlich...

    bonté

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