Donnerstag, 18. April 2013

[Rezension] Inge Löhnig - Dein Blick so kalt

Autor: Inge Löhnig
Titel:
Dein Blick so kalt
Genre:
Jugendthriller
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
367
Verlag:
Arena
Veröffentlichung: Januar 2013
ISBN:
978-3401067629
Preis: 12,99 € (broschiert), 10,99 € (e-book)

Klappentext: Das Praktikum in München war Lous großer Traum. Dann der Albtraum: Lous Mitpraktikantin ist eine Oberzicke, ihr Chef ein Grabscher. Dennoch gibt Lou nicht auf. Auch nicht, als sie eine unheimliche Email erhält: Ich bin immer bei dir. Mehr und mehr hat Lou das Gefühl, beobachtet zu werden, doch die Polizei nimmt ihre Angst nicht ernst. Bis Lou eines Tages verschwindet. (Quelle)

Meine Meinung: 
Wie üblich bei den X-Thrillern aus dem Arena-Verlag richten sie sich an ein etwas reiferes, aber doch noch jugendliches Publikum. Gleichzeitig können sie auch gut noch von junggebliebenen Erwachsenen gelesen werden. Damit sind sie sozusagen, meiner Meinung nach, die All-Age-Thriller auf dem Buchmarkt.
Die Sprache und der Schreibstil sind diesem Zielpublikum sehr gut angepasst. Dem erfahrenen Leser ermöglicht dies ein sofortiges Eintauchen in die Geschichte und ein sehr zügiges Lesen, da man sich nciht mit unnötigen Schnörkeln der deutschen Sprache aufhalten muss. Das wäre für diese Art Roman auch völlig unnötig. 
Unsere Protagonistin ist im gleichen Alter wie das Zielpublikum, 16 fast schon 17 und hat zu Beginn auch mit typischen Problemen dieses Alters zu kämpfen: Sie weiß noch nicht, wie es beruflich für sie weitergehen soll und ist in einer ersten Phase der Abnabelung von ihren Eltern. Natürlich kommt es hier zu Konflikten. Zum Glück - für den Leser - kann sie sich durchsetzen und ein halbes Jahr für ein Praktikum nach München ziehen, denn anderenfalls wäre die nun sich wendende Entwicklung nicht zustande gekommen.
Die Spannung und der Druck wird langsam aufgebaut. Der Leser weiß ja, dass etwas passieren muss, der Leser wartet darauf, dass etwas passiert. Diese Situation wird dadurch verschärft, dass man auch immer wieder in Kapiteln kurze Einblicke in die Gedankenwelt des späteren Täters erhält. Dann verschwindet ein T-Shirt von Lou, sie erhält eine gruselige und mysteriöse Nachricht. Die Geschichte kommt langsam in Fahrt, führt aber dann zu einem spannenden und auch temporeichen Ende. 
Etwas gestört hat mich diese extreme Häufung an Problemen, mit denen Lou zu kämpfen hat: Ihr Vater hat überhaupt kein Vertrauen in seine Tochter, ihr Chef belästigt sie, die Mitpraktikantin ist eine Zicke, ihr Onkel, der auf sie aufpassen soll, ist ihr unheimlich, mehrere Nachbarn sind irgendwie merkwürdig. Da kommt einiges zusammen, was natürlich gleichzeitig die Auswahl an möglichen Täter drastisch erhöht. Ich musste aber trotzdem ab und an den Kopf schütteln, da mir dies zu unrealistisch wirkte. 
Mein zweites Problem mit diesem Thriller war die Protagonistin. Ich bin mit Lou nicht warm geworden, da sie mir nie sympathisch war. Darum konnte ich nur schlecht mit ihr mitfühlen. Wenn der Leser sich nicht mit der Haupfigur identifizieren kann, wird es schwierig und ich für meinen Teil hatte immer das Gefühl, dass ich in ihrer Situation anders gehandelt hätte. Das hat es schwierig gemacht. Hier würde ich aber sagen, dass es ein sehr subjektiver Eindruck ist. So wie sich nicht jeder Mensch mit jedem anderen gut versteht, kann auch nicht jeder Leser mit jedem Protagonisten gut klarkommen. 
Denn es ist trotzdem so, dass die einzelnen Charaktere und allen voran Lou sauber gezeichnet sind. Es gibt da keine Logikfehler. Man hat also nie das Gefühl, da würde nun jemand plötzlich aus seiner Rolle fallen. 

Fazit: Ein weiterer X-Thriller aus dem Hause Arena, der mit einer spannenden Grundgeschichte überzeugt. Für mich hat dieses Buch einige Schwächen, die aber eher subjektiver Natur sind, leider aber so ausgeprägt, dass mein Lesespaß gelitten hat. Die Protagonistin war nicht mein Fall und die Häufung der Probleme wirkte mir zu unrealistisch. Gleichzeitig kann ich mir jedoch auch gut vorstellen, dass gerade jüngere Leser hellauf begeistert sind von diesem Thriller.

Gesamtnote: 2-3
Charaktere: 2
Handlung: 2-3
Lesespaß: 3-4


Über die Autorin:  Inge Löhnig, 1957 geboren, studierte an der Akademie U5 in München Grafik-Design. Nach  einer Karriere als Art-Directorin in verschiedenen Werbeagenturen ist sie heute selbständige Grafik-Designerin und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München. Daneben hat sie sowohl in der Belletristik als auch im Jugendbuch bereits hocherfolgreiche Thriller veröffentlicht. (Quelle)

Weitere Bücher der Autorin (Auswahl):  



Kommentare:

  1. Hi, Asaviel.
    Es kann auch spannend werden, einer Figur durch einen Roman zu folgen, die einem nicht wirklich geheuer ist. Mit was für einer Persönlichkeit habe ich es also zu tun?!
    Funktioniert aber nur, wenn die Psychologie dahinter stimmig bleibt und raffiniert geschildert wird.

    Wunderbar ironisch ist Deine Bemerkung zu "unnötigen Schnörkeln" in der Sprache.

    Und wie ich sehe liest auch Du jetzt "Eine wie Alaska"...

    bonté

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    1. So ironisch war das gar nicht gemeint. Zu manchen Büchern passt eben eher die schnörkellose Sprache wie hier. Andere machen sich besser, wenn mehr Mühe auf die Sprache verwendet wird.

      Ja, "Eine wie Alaska" war zuletzt dran. Aber das war gestern auch schon wieder fertig gelesen. ;)

      Grüße

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    2. Der Sprache die Möglichkeiten zu geben, die ihr innewohnen, ist erstrebenswert. Daran hege ich keine Zweifel.
      Mea culpa! :-)
      Mit den "Schnörckeleien" hätte ich jetzt die erzwungene Verkopfung in der zeitgenössischen Hochoktan-Literatur im Hinterkopf. Den sprachlichen Nebelwurf. Von der Edel-Kritik umtanzte Sätze, die lediglich an mir vorbei rieseln, sich gebärden und auftürmen. Mir aber nicht viel zu sagen vermögen.

      bonté

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