Montag, 6. Mai 2013

[Rezension] Ali Shaw - Der Mann, der den Regen träumt

Autor: Ali Shaw
Titel: Der Mann, der den Regen träumt
Originaltitel:
The Man who Rained
Genre:
Fantasy
Seiten:
332
Verlag:
script5
Veröffentlichung: Januar 2013
ISBN: 978-3839001462
Preis: 18,95 

Kurzbeschreibung: „Wie Kreide, vom Regen zu einem weißen Schleier verwaschen, begannen seine Umrisse zu verschwimmen und seine Konturen schwanden, beinahe unmerklich. Im einen Moment sah Elsa einen Mann vor sich und im nächsten nur noch eine graue Silhouette. Seine Haut wurde zu Nebel. Die Sonne hinter ihm ließ ihn erstrahlen und umrahmte ihn mit ihrem goldenen Schein, bis er nichts mehr von einem Mann an sich hatte, sondern immer mehr einer Wolke glich, die durch Zufall die Form eines Menschen angenommen hatte."

Finn ist kein gewöhnlicher Mann, ihn umgibt ein Geheimnis. Es ist der Grund für sein Einsiedlerleben und der Grund, warum die Einwohner von Thunderstown ihm nicht wohlgesinnt sind. Doch trotz aller Gerüchte und Anfeindungen hält Elsa zu Finn. Gemeinsam versuchen sie, ihre Liebe gegen all die Widerstände zu behaupten.
(Quelle)

Meine Meinung:

"Zu Beginn dieses Sommers hätte sie sich noch als gesellige, erfolgreiche und mit beiden Beinen fest im Leben stehende Neunundzwanzigjährige beschrieben. Heute, da der August sich erschöpft seinem Ende zuneigte, war sie nur noch neunundzwanzig."
(Seite 7/8)
Bei mir kam beim Lesen ganz schnell und sehr früh die Frage auf, wohin das Ganze denn bitte schön führen soll. Es wird erst einmal so gut wie gar nichts erklärt. Elsa verlässt ihr normales Leben, Elsa geht nach Thunderstorm. Finn ist anders. Daniel hängt an der Vergangenheit, hofft, dass eine Frau wieder zurückkommt. 
Es wird nicht erklärt, warum Elsa tut, was sie tut. Was macht Finn anders? Was ist Daniel in der Vergangenheit wiederfahren? Was ist sein Job beziehungsweise warum muss es diesen Job geben? All das wird nicht erklärt. Genau wie Elsa, die auch nicht weiß, was sie in Thunderstorm erwartet, wird der Leser ins kalte Wasser geworfen. Dann finde dich mal zurecht, Leser, scheint der Erzähler sagen zu wollen. Darauf muss man sich einfach einlassen. Das habe ich getan und mich einfach in die Geschichte fallen lassen. 
Das fällt leicht, denn die Sprache lädt zum Träumen ein. Sie ist immer wieder sehr poetisch und es werden mit Worten Bilder gemalt, die dann im Kopf entstehen. Dadurch ist das Buch nicht ganz einfach zu lesen und ganz sicher keine leichte Kost für zwischendurch. Dafür ist aber jede Seite und Minute, die man mit dem Schreibstil des Autors verbringt, ein Genuss. Dazu kommt diese wunderbare Idee, die mit den Menschen und Tieren und ganz besonders mit Finn und mit dem Wetter zusammenhängt, die einfach träumen lässt. Leider kann ich hier nicht mehr verraten ohne zu spoilern und ich will keinem Leser den Spaß verderben sich ebenfalls ganz unvoreingenommen auf diese Geschichte einzulassen. 
Die Sicht, aus der erzählt wird, wechselt. Ich hatte zwar das deutliche Gefühl, dass Elsa einfach die Protagonistin ist, aber es wird ebenso ein Teil der Handlung aus Finns und Daniels Sicht geschildert. Hier wird, wie bei Elsa auch, auch auf ihre Vergangenheit eingegangen und der Leser muss Andeutungen zusammen setzen, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. 
Die Handlung wirkt nicht immer stringent. Manchmal hat es den Anschein, dass der Erzähler selbst ins Träumen gerät und damit nicht immer ganz klar ist, ob er noch dem Roten Faden folgt. Das wirkt sich auf die Spannung aus, die immer mal wieder fehlt. Aber die Geschichte ist trotzdem wunderschön und strebt dazu auf ein furioses Ende hin, sodass das wieder ausgeglichen wird. Über einige Längen muss man dann einfach hinwegsehen und schnell weiter lesen. 
Dieses Buch geht außerdem viel tiefer als die meisten seiner Art. Es steht nicht nur Fantasy im Mittelpunkt. Es geht sehr viel um Gefühle und hierbei ist nicht nur die Liebe gemeint. Identität, Selbstfindung, Familie und Vertrauen sind die Themenkomplexe, die angesprochen werden und auch den Leser zum Nachdenken über sich selbst anregen können, denn die Protagonistin ist wie du und ich, sodass sich vermutlich beinahe jeder sofort mit ihr identifizieren kann.

"Mum." Elsa schluckte krampfhaft. "Ich glaube, ich habe mich verliebt."
Ihre Mutter stieß ein aufgeregtes Quietschen aus. (...) 
"Und was macht er so?"
"Er, na ja, er macht mich glücklich." (Seite 242/243)

Fazit: Eine wunderbare Geschichte über Vertrauen und die eigene Identität, sowie über Menschen und das Wetter. Ihr fehlt es ab und an etwas an Spannung, dadurch entsteht die eine oder andere Länge. Das kann aber durch eine wundervolle Sprache und eine schöne Grundidee wieder ausgeglichen werden, sodass dieses Buch trotzdem auf jeden Fall eine Leseempfehlung erhält.


Gesamtnote: 2
Charaktere: 2
Handlung: 2-3
Lesespaß: 2


Über den Autor:  Ali Shaw wurde 1982 geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in Dorset, Großbritannien, auf. Nach seinem Abschluss in Englischer Literatur an der Universität von Lancaster arbeitete er als Buchhändler und in einer Bibliothek in Oxford. Sein Debüt Das Mädchen mit den gläsernen Füßen war ein großer Überraschungserfolg und wurde in 18 Sprachen übersetzt. Gerade hat Ali Shaw seinen zweiten Roman beendet. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  

 

1 Kommentar:

  1. ...sieht nach einem Neuzugang für meinen SUB aus.
    Ich mag die Werke, die gekonnt auf der Grenze zwischen Fantasy und Realität entlangerzählen - und Bücher, deren Erzählverlauf immer wieder überraschen kann sowieso.
    Danke für die Anregung!

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