Montag, 13. Mai 2013

[Rezension] Patrycja Spychalski - Fern wie Sommerwind

Autor: Patrycia Spychalski
Titel:
Fern wie Sommerwind
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: ab 13 Jahren 
Seiten: 256 
Verlag: cbt

Veröffentlichung: 13. Mai 2013
ISBN:
978-3570308639
Preis: 7,99 Euro (Taschenbuch), 6,99 (e-book)
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Klappentext:
So viele Leben wie Funken im Meer ... und eine Liebe am Strand!
Ganz ehrlich! Noras größtes Problem ist, dass sie sich ihr Leben lieber vorstellt - in den verrücktesten Visionen ihrer Zukunft -, als es einfach zu leben. Doch jetzt kommen die letzten Ferien, der Sommer der großen Entscheidungen. Nora verbringt ihn an einem hübschen Badeort am Meer und jobbt als Drachenverkäuferin am Strand. Neben dem Kaffeemädchen und den Eisverkäufern ist da auch noch Popcornjunge Martin, mit dem schönen Lächeln und dem sonnengelben Haar. Als Martin sich immer wieder in Noras Tagträumereien verirrt, wird klar: Wenn es um ihn geht, sollte das Leben auf keinen Fall nur im Kopf stattfinden … (Quelle)

Meine Meinung:

"Ja, es sind möglicherweise komische Gedanken. Ein bisschen düster vielleicht. Aber was kann ich schon dafür, wenn die plötzlich kommen? Den Gedankenausschaltknopf hat noch keiner erfunden, was eigentlich komisch ist, weil die Menschen schon so viel erfunden haben, und auch so viel Unnützes... wäre also durchaus mal Zeit für den Ausschaltknopf." (Seite 22/23)

Man kann es nicht leugnen: Kennt man eine Autorin bereits durch eines ihrer anderen Werke, muss sich alles nachfolgende daran messen: Ist es besser oder schlechter als das bekannte Werk? Das Debüt von Patrycja Spychalski konnte mich völlig mit einer unerwarteten und sehr tiefgründigen Geschichte überraschen. Umso mehr habe ich mich auf ein neues Buch von ihr gefreut. 
Im ersten Kapitel wird die Szenerie regelrecht vor dem Leser ausgebreitet und er wird eingeladen in sie einzutauchen. Man bekommt Nora vorgestellt. Das Mädchen, das diesen Sommer selbst Geld verdient und den Ort, an dem sie dies tut: Einen Strand an der Ostsee. Wunderbares Wetter, Wellenrauschen, Touristen. Man hat beinahe das Gefühl dort zu sein und die Sonne auf der Haut zu spüren. 
Das hier ist damit ganz klar ein Sommerbuch. Ich denke, dass man es am besten lesen sollte, wenn man eben an einem Strand liegt und dort die Seele baumeln lässt. 
Die Handlung wird aus Noras Sicht erzählt und für mich ist sie ein sehr sympathisches Mädchen. Sie denkt einfach zu viel nach und durch den Ich-Erzähler nimmt der Leser daran direkt teil. Dadurch gibt es immer mal wieder Momente, in denen man glaubt, dass in einem Abschnitt gerade der rote Faden verloren wurde, weil Nora gedanklich abdriftet, aber das ist so gewollt. Schön sind auch die kursiv eingschobenen Träumereien von Nora. Sie stellt sich in verschiedenen Rollen ihr Leben vor, wie es einmal sein könnte. Vielen wird es so gehen, dass sie sich einfach zu viele Gedanken machen und damit kann man sich gut mit Nora identifizieren. Natürlich bringt sie die typischen Probleme ihrer Altersklasse mit sich. Sie ist 17, ihre Freunde im Sommerurlaub 18. Es geht um Eltern und um Abnabelung. Es geht um die Zukunft, Wünsche, Pläne und Ziele. Außerdem geht es natürlich um die Liebe.
Gerade wenn es um die Liebe und um Martin geht, hätte ich mich gerne Noras Freundin angeschlossen und die Protagonistin einmal durchgeschüttelt, denn sie denkt wirklich zu viel nach und handelt nicht - oder erst sehr spät. Die Liebe, die im Buch thematisiert wird, ist aber sehr süß und doch auch realistisch dargestellt. 
Leider bleiben die ganz großen Gefühle beim Leser aus. Mich konnte die Handlung nicht direkt berühren, was zu einem großen Teil sicher auch daran lag, dass die Geschichte für mich komplett vorhersehbar war. Dadurch verlor sie die Möglichkeit mich emotional tief zu beeindrucken. 
Der Schreibstil ist aber sehr flüssig und die Worte sind den Jugendlichen passend in den Mund gelegt, sodass sich das Buch innerhalb kürzester Zeit lesen lässt. Außerdem ist es allem Anschein nach ein Einzelband. Es kann ohne Weiteres für sich stehen. Gleichzeitig hätte die Autorin aber schon auch die Möglichkeit uns noch einmal in Noras Welt mitzunehmen. 
Ein Punkt, der eher eine Nebenrolle spielt, der mich selbst aber beschäftigt hat, muss hier noch erwähnt werden: Nora nimmt gerade zu Beginn des Buches regelmäßig, also täglich Schmerzmittel und beschreibt auch, dass dadurch nicht nur die Kopfschmerzen besser werden, sondern sie sich auch allgemein besser fühlt. Sie will damit zwar auch aufhören, aber es wird meiner Meinung nach nur zu kurz erwähnt, wie gefährlich das ist. Wie schnell das tatsächlich zur Sucht werden kann und wie schnell gerade diese Art Schmerzmittel, die ganz klar benannt wird, den Körper schädigen kann. 
Da "Fern wie Sommerwind" ab 13 Jahren empfohlen wird, bin ich beunruhigt und kann nur hoffen, dass sich alle Leser tatsächlich dem bewusst sind. Hier hätte ich mir einen deutlicheren Hinweis und eigentlich auch eine Warnung gewünscht.

"Du hälst mich für kompliziert? Ich bin nicht kompliziert!"
"Wir sind doch alle kompliziert" (Seite 39)


Fazit: Dieses Buch kann sicher einige Lesestunden - besonders am Meer - versüßen. Meine hohen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt, dafür war die Geschichte zu vorhersehbar. Die Protagonistin ist zwar sympathisch und man kann sich in sie hineinfühlen, leider wurden aber die ganz großen Gefühle wie Liebe, Trauer und Freude nicht bis zu mir als Leser transportiert.

"Kopfschmerzen kommen vom Kopfzerbrechen. Sich um alles und jeden Gedanken machen und sich sorgen. Sich unter Druck setzen. Alles immer richtig machen wollen. Nicht frei sein... mit sich selbst." (Seite 77)
 
Gesamtnote: 2-3
Charaktere: 2
Handlung: 3
Lesespaß: 2

Dieses Buch ist etwas für dich, wenn dir folgende gefallen haben: 





 

Über die Autorin:
Patrycja Spychalski, geboren 1979 in Starogard, Polen, zog im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Berlin. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Schauspielausbildung, wandte sich dann aber einem ganz anderen Bereich zu: Seit 2002 arbeitet sie in vielfältigen sozial-kulturellen Projekten mit Kindern und Jugendlichen. Sie schrieb schon mehrere Kurzgeschichten für Anthologien, bevor sie ihren ersten Roman „Ich würde dich so gerne küssen“ verfasste. Ihre große Liebe gilt der Rockmusik - selbstverständlich neben ihrem Freund, ihrem kleinen Sohn Juri und ihren beiden neurotischen Katzen, mit denen sie in Berlin lebt. (Quelle)

Weitere Bücher der Autorin:  


 

Kommentare:

  1. Klingt leider ein bisschen 08/15 mäßig :-/ Schade

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  2. Ich habs am Wochenende gelesen und mir ging es komischerweise ganz anders. "Ich würde dich so gerne küssen" hat mir damals gut gefallen, aber irgendwie konnte es mich nicht zu 100% begeistern. Hier war es bei mir genau anders. Ich fand die Story einfach schön, nachdenklich stimmend und auch gefühlvoll. Gerade, dass es hier nicht zu überschäumend emotional wurde, sondern nachvollziehbar und unverkitscht, hat mir gut gefallen. Vor allem, weil hier wirlich Nora und ihr Sprung vom Gedankenspiel in die Realität im Vordergrund steht. Mich hats beim Lesen voll mitgerissen und deshalb hat mich die leichte Vorhersehbarkeit auch weniger gestört. Dafür stimmte für mich einfach die Atmosphäre. Aber das ist sicherlich auch Geschmackssache. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Hallo Reni,
      vielelicht war auch die Erwartungshaltung bei mir einfach eine andere, dann die falsche für deses Buch.
      Ja, es ist tatsächlich nicht kitschig. Das stimmt. Aber mitgerissen hat es mich leider gar nicht.
      Aber ich finde es schön, dass die Geschmäcker ja zufrieden sind und auch dieses Buch hoffentlich noch begeisterte Rezensionen bekommt. :)

      Grüße
      Asaviel

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