Donnerstag, 15. August 2013

[Rezension] Jane Nickerson - So wie Kupfer und Gold

Autor: Jane Nickerson
Titel:
So wie Kupfer und Gold
Originaltitel:
Strands of Bronze & Gold
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: ab 13 Jahre
Seiten:
448
Verlag:
cbt
Veröffentlichung: 23. September 2013
ISBN:
978-3570162682
Preis: 16,99 Euro 

Klappentext:
Boston, 1855. Sophia ist 17, als sie nach dem Tod ihres Vaters als Waise dasteht. Da erhält sie einen Brief von ihrem Paten Bernard de Cressac, der sie auf seine Plantage in Mississippi einlädt. In Wyndriven Abbey angekommen, zieht der attraktive Gentleman und sein luxuriöser Lebensstil die junge Frau in seinen Bann. Doch je näher sich die beiden kommen, desto mehr spürt Sophia, dass Bernard eine dunkle Seite hat. Als ihr schließlich immer wieder junge, schöne Frauen mit rotem Haar erscheinen – die ihr selbst sehr ähnlich sehen-, wird Sophia misstrauisch. Sie erfährt, dass Cressac bereits mehrfach verheiratet war und alle Ehefrauen unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen ... Ist Sophia die Nächste? Oder kann sie das Netz, das Cressac um sie gesponnen hat, rechtzeitig zerreißen? (Quelle)

Meine Meinung:

"Die ganze Anlage war aberwitzig groß und düster und furchterregend. Ich liebte sie schon jetzt." (Seite 11)
Historische Fantasy für Jugendliche ist ein Thema, das noch nicht so altbekannt ist wie manch andere. Da ich mich für alle drei Aspekte: Geschichte, Fantasy und Jugendbücher interessiere, war meine Neugierde recht schnell geweckt. 
Besonders punkten kann diese Geschichte mit einer Atmosphäre, die den Leser sofort in ihren Bann zieht: Unheimliche Gebäude, pompöse Kleider, exotisches Essen, schweigsame Dienstmädchen. All das lässt vor dem inneren Auge eine Szenerie entstehen, der man sich kaum entziehen kann und auch gar nicht möchte. 
Dazu kommt eine Protagonistin, die wirklich beinahe jedem sympathisch sein wird. Sie ist ein nettes Mädchen, das auch mal ihren Freiraum braucht und immer davon geträumt hat, dass es da noch mehr in ihrem Leben gibt, das sie erreichen kann und möchte. Mit ihr zusammen möchte man glauben, dass das Leben bei ihrem Patenonkel nun ihre Chance ist. 
Dieser Patenonkel - Bernard - soll nun die Rolle des Antagonisten, also des "Bösewichts" übernehmen, dabei soll er bedrohlich und einschüchternd wirken. Leider ist es der Autorin nie gelungen, dass ih mir wirklich Sorgen um Sophia machen musste. Man hat immer das Gefühl, dass sie aus jeder Situation schon irgendwie mehr oder weniger unbeschadet herauskommen wird. Das nimmt der Geschichte damit natürlich einen Teil seiner Spannung.
"Es war mein eigenes Spiegelbild - eine geisterhafte Sophia, blass und körperlos und sie beobachtete uns aus Augen, hinter denen sich Düsternis gesammelt hatte" (Seite 81)
 Im Ganzen plätschert die Handlung so vor sich hin, ohne dass wirklich etwas Aufregendes passiert. Man erfährt etwas über Bernards Vergangenheit, man ahnt, was er mit Sophia vor hat. Und in dieser Szenerie schweben auch noch eine knappe Handvoll Geister herum, die aber wenig Einfluss auf den Verlauf der Geschichte nehmen. So ist diese leider lange vorhersehbar. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse dann, sodass es wirklich auf den letzten Seiten noch spannend und auch gruselig wird. Dies hätte ich mir schon viel früher gewünscht. 
Für Jugendliche kann dieses Buch vielleicht eine Unterstützung sein, denn man kann sehen und lernen, dass jeder über ein gewisses Selbstbewusstsein verfügen soll und dass es immer ein Grad an Selbstbestimmtheit geben muss. Außerdem hat jeder das Recht sich gegen Unrecht zu Wehr zu setzen, auch wenn es von einer autoritären Person verübt wurde. Zudem findet man den erhobenen moralischen Zeigefinger, was die Sklaverei betrifft. Sophia ist dagegen und das wird mehrmals thematisiert. Zu dieser Zeit war es jedoch gang und gäbe.

"Denk immer daran, Sophia, wenn du nicht mehr zu schätzen weißt, was ich dir biete, wird dir alles genommen." (Seite 279/280)

Fazit: Eine nette Grundidee mit einem wunderbaren Setting, in dem man sich sofort zurecht findet und das vor dem inneren Auge Bilder enstehen lässt. Leider lässt die Handlung dann Spannung vermissen, sodass bei mir Langeweile aufkam. Ein Buch, das man mal zwischendurch lesen kann, das man aber nicht gelesen haben muss.

Gesamtnote: 3
Charaktere: 3
Handlung: 3
Lesespaß: 3

Über die Autorin:
Jane Nickerson hat mit ihrer Familie viele Jahre lang in einem großen alten Haus in Aberdeen im Bundesstaat Mississippi gelebt, wo sie als Kinderbibliothekarin arbeitete. Ihre Liebe galt immer den Südstaaten, „den alten Zeiten“, Schauergeschichten, Häusern, Kindern, dem Schreiben und interessanten Bösewichten. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann in Ontario, Kanada. "So wie Kupfer und Gold" ist ihr großartiges Debüt.(Quelle)

Kommentare:

  1. Hallo Asaviel.
    Ich gestehe einmal, das Cover ist Augenbalsam. War mein Gedanke als ich den Titel in den ersten "Neu"-Posts vorgestellt bekam.
    Wenn der Roman einzig aus der Sicht Sophias erzählt ist, wäre der Mangel an Gefährlichkeit, seitens Bernard noch verzeihlich (der Wolf fühlt sich wohl im Schafspelz). Spannungsarmut allerdings weniger. :-)

    In den Südstaaten, als Angehörige der weißen Oberschicht, sich gegen die Sklaverei auszusprechen war schon mutig.

    Nimmt Sophia die Geister eigentlich locker auf!? Oder hat es nur nicht "klick" gemacht?!

    Wenn bei der Lektüre also Seide geheimnisvoll unter Magnolien rascheln soll, dann wäre der Ritt nach "Tara" vielleicht eher angeraten...
    ;-)

    bonté

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  2. Hallo Asaviel,

    hach ja, dieses Cover ist einfach wunderschön! Schade, dass dich der Inhalt nicht überzeugen konnte.
    Ich tu mich immer etwas schwer mit historischen Romanen und wollte zu diesem erstmal die ersten Stimmen abwarten. Hmmm... klingt zumindest nicht nach einem Must-Read! Danke für deine interessante und aufschlussreiche Rezi!

    Liebe Grüße
    Anka

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  3. Hallo Asaviel!
    Danke für diese Rezension. Schade, dabei hört sich der Klappentext toll an und auch das Cover macht neugierig. Ich lese gern Bücher, die in dieser Zeit spielen, aber ich glaube, dieses spare ich mir dann doch.
    Liebe Grüße,
    Miriam

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    1. Anka, wenn du einen toll geschriebenen, spannenden historischen Roman lesen möchtest, dann lies von Tess Gerritsen "Leichenraub" - der ist am Anfang etwas irreführend, weil man denkt, es dreht sich um die Protagonistin, die zuerst vorkommt, aber dann taucht man ein in die Geschichte um 1830h. Sehr spannend geschrieben und wirklich interessant, um sich ein wenig mit der Zeit zu beschäftigen: http://www.krimi-couch.de/krimis/tess-gerritsen-leichenraub.html
      Liebe Grüße,
      Miri

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  4. Da das Buch vom Verlag ab dreizehn Jahren empfohlen wird, denke ich, bietet es für diese Altersgruppe genügend Spannung. Außerdem vermittelt es sehr viel an Hintergrundwissen, beispielsweise zur Sklavenhaltung.

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