Freitag, 9. August 2013

[Rezension] Markus Heitz - Totenblick

Autor: Markus Heitz
Titel: Totenblick
Genre:
Thriller
Seiten:
528
Verlag:
Knaur
Veröffentlichung: 1. August 2013
ISBN:
978-3426505915
Preis: 9,99 Euro

Klappentext: „Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters.“ Diese Nachricht hinterlässt ein Serienmörder an sorgfältig inszenierten Tatorten, die Todesbildern nachempfunden sind: alte Gemälde, moderne Fotografien oder Bilder aus dem Internet. Anfangs glauben die Ermittler noch, die Hinweise wären am Tatort versteckt oder es gäbe einen Zusammenhang zwischen den Vorlagen und den Opfern. Doch dann machen sie eine grausige Entdeckung: Auf den Vorlagen erhöht sich die Zahl der abgebildeten Toten - aber da ist noch mehr: Die Spuren für die Ermittler sind an einem besonderen Ort vom Täter verborgen worden … (Quelle)

Meine Meinung:

Der Großmeister der deutschen Fantasy schreibt also einen Thriller, ganz ohne Fantasy. Nur der Hauch eines düsteren Elements ist darin zu finden und dieser Hauch kann fast als Eigenwerbung gelten. Damit sollen dann wohl alle Leser geködert werden auch den letzten Roman aus dem Knaur Verlag "Oneiros" zu lesen. Wer dieses Buch bereits kennt, wird den Bestatter Konstantin Korff, der mehrmals im Thriller auftritt, sofort wieder erkennen und immer die richtigen Schlüsse ziehen.
Aber dieser Bestatter ist keineswegs der Protagonist der Geschichte. Diese Rolle teilen sich der Personaltrainer Ares und der Kriminalhauptkommissar Peter Rhode. Außerdem wechselt die Perspektive der Geschichte auch immer wieder zur Sicht des Mörders, dessen Identität und Aufenhthaltsort dem Leser jedoch nicht verraten wird und auch die Opfer bekommen - besonders kurz vor ihrem Ableben - immer wieder kurze, intensive Szenen. 
Nicht nur der Mörder, auch die beiden wichtigsten Charaktere haben ihre Päckchen zu tragen: Ares ist jetzt Personaltrainer und führt beinahe ein ganz normales Leben, aber seine Vergangenheit holt ihn regelmäßig ein: Er war nicht nur dreimal verheiratet und hat drei Töchter, sondern war auch Mitglied einer Motorrad-Gang und hat mehr als nur ein krummes Ding gedreht. Peter Rhode ist verheiratet, aber leidet sehr unter einer komplizierten Form von ADHS, die auch mit Medikamenten kaum in den Griff zu bekommen ist. Diese beiden sind sogar miteinander befreundet und gehen regelmäßig gemeinsam joggen, aber sie sind auch beide auf ihre eigene Art mit dem Fall verstrickt.
Wie bei einem Thriller üblich und im Prinzip auch gewünscht, fehlt auch diesem nicht eine gewisse Portion an Brutalität. Der Mörder stellt brutale Szenen von Bildern mit Leichen nach, außerdem sterben Menschen durch den so genannten Totenblick. Das ergibt eine hohe Anzahl an Toten in diesem Buch, die man als Leser meist auch alle vorher (zumindest kurz) kennen gelernt hat. Auch als Leser muss man also mit dem Tod umgehen können. 

"Rhode ging zügig weiter und freute sich auf den Schutz seines Wagens. Immerhin hatte Armin Wolke auch ihn angesehen. Totenblick."
(Seite 81)
 Nicht nur durch die Tode, auch durch die verzwickte Situation aller Charaktere und einem brillanten Schreibstil, gibt es eine steile Spannungskurve, sodass man den Thriller bald kaum aus der Hand legen kann. Welche ist das nächste Bild? Wie geht es mit den Charakteren weiter? Wer ist das nächste Opfer und vor allem, was hat es mit "Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters." auf sich? Beim letzteren hatte ich früh eine Vermutung, aber das, was der Autor dann präsentiert, ist faszinierend und gruselig zugleich. Und zumindest Google behauptet, dass es nicht nur der überreizten Phantasie eines Fantasyschriftstellers entspringt. Einziges Manko bezüglich der Spannung ist, dass der Schluss dann etwas überhastet wirkt.
"Ich mache dich unsterblich", flüsterte der Unbekannte. "Niemand sonst könnte besser geeignet sein als du." (Seite 110)
Es gibt eine Gruppe, der ich dringend von diesem Buch abraten möchte: Jeder, der eine größere Abneigung gegen die Stadt Leipzig hegen sollte (aus welchen Gründen auch immer), sollte sich von diesem Buch fernhalten. Wer schon einiges von Heitz gelesen hat und eventuell auch Interviews verfolgt, kennt die sehr positiven Aussagen des Autors über die Stadt. Und so verwundert es wenig, dass sich dieser Thriller, der komplett dort spielt, streckenweise beinahe wie eine Hymne auf Leipzig liest. Das kann unter Umständen abschrecken, aber sollte keinen, der die Stadt kaum oder gar nicht kennt, davon abhalten das Buch zu lesen.
"Er hatte Leipzig immer gemocht, weil es trotz der großen Einwohnerzahl überschaubar und liebenswert geblieben war. Er kannte die Schattenseiten, kannte die unschönen Facetten seiner Heimatstadt, doch das Gute überwog." (Seite 406)

Fazit: Jedem, der Thriller mag, die auch mal blutig daher kommen und die den Leser mit großer Spannung sofort mitreißen, sei das Buch empfohlen. Markus Heitz hat hiermit bewiesen, dass er nicht nur Fantasy schreiben kann und er stellt in Aussicht, dass wir den Charakteren, die diese Geschichte überleben, eventuell wieder treffen. Ich hoffe, dass dieser Zeitpunkt kommt und mache jetzt schon einen Vermerk für das Buch auf meiner Wunschliste.

Gesamtnote: 1
Charaktere: 1
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1-2

Über den Autor: Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Kein anderer Autor wurde so oft wie er mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet, weshalb er zu Recht als Großmeister der deutschen Fantasy gilt. Mit der Bestsellerserie um "Die Zwerge" drückte er der klassischen Fantasy seinen Stempel auf und eroberte mit seinen Werwolf- und Vampirthrillern auch die Urban Fantasy. Markus Heitz lebt in Homburg.

Kommentare:

  1. Das hört sich echt gut an. Auf meine Wunschliste hab ich "Totenblick" schon verfrachtet, nur mag ich bei der Hitze eher leichte Lesekost.

    LG
    Sabine

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    1. Hitze?
      Hier ist es in den letzten Tagen deutlich abgekühlt.
      Aber du hast Recht: Der Thriller spielt auch im Herbst/Winter. Da kann man ihn dann bestimmt auch gut lesen. :)

      Grüße
      Asaviel

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  2. Hallo Asaviel.
    Stimmt auffallend, Markus Heitz vermag Spannung und Atmosphäre in seinen Romanen zügigst zu verweben. Kann mir gut vorstellen wie Du lesend hinter dem Buch verschwunden bist. :-)

    Was seine Leipziger Schwärmerei angeht; vielleicht will er es wie Arthur Conan Doyle seinerzeit mit der berühmten "Baker Street" machen.

    Gute Erholung!

    bonté

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  3. Huhu, eine 1? Echt jetzt? Wie genial! Leider haben ich jetzt schon ewig nicht mehr Heitz gelesen und komme auch iwie gar nicht dazu :-( Finde es toll, dass er hier mal nicht Fantasy geschrieben hat ...
    Drück!
    Damaris

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    1. Ja,
      beim Schreiben der Rezension ist mir aufgefallen, dass es wirklich nichts auszusetzen gibt und dass die Charaktere mich einfach begeistert haben. Darum die 1 :)

      Dieses Buch liest sich schneller als manch anderes von Heitz. Ich habe noch einige von ihm auf dem SuB legen (Legenden der Albae 2+3 zum Beispiel), aber traue mich nicht ran, weil ich weiß, dass ich dafür ewig brauchen werde.

      Drück dich zurück!
      Asaviel

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    2. Von Heitz Charakteren war ich auch schon immer begeistert. Die kompletten Uldart-Charas waren toll und die Zwerge auch! :-) Albae ist sicher aufwändig. Ich scheue mich teils auch vor den dicken Schinken :-)

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