Montag, 9. September 2013

[Rezension] Susan Ee - Angelfall: Fürchtet euch nicht

Autor: Susan Ee
Titel:
Angel - Fürchtet euch nicht
Originaltitel:
Angelfall
Reihe:
Angelfall
1. Angelfall - Fürchtet euch nicht
2. World after (engl. Titel)
weitere in Planung
Genre:
Dystopie/Jugendbuch
Altersempfehlung: ab 14
Seiten:
400
Verlag:
Heyne
Veröffentlichung: 26. August 2013
ISBN:
978-3453268920
Preis: 12,99 Euro

Klappentext: Die Engel sind auf die Erde gekommen, doch sie haben nicht Frieden und Freude, sondern Elend und Zerstörung mit sich gebracht: Weltweit liegen die Städte in Trümmern, und die Menschen trauen sich vor Angst kaum noch auf die Straße. Als eine Gruppe Engel die kleine Schwester von Penryn entführt, haben sie sich jedoch mit der Falschen angelegt. Die Siebzehnjährige zieht los zum Hauptquartier der Engel, um ihre Schwester zu befreien. Aber dafür braucht sie Hilfe – und die kommt ausgerechnet von Raffe, einem flügellosen Engel ... (Quelle)


Meine Meinung:
"Hier geht es nicht darum, eine logische oder die bestmögliche aller Entscheidungen zu treffen. Paige ist nur ein hilfloses kleines Mädchen. Sie ist meine Schwester, und ich habe keine Wahl. Das Einzige, was hier zu Diskussion steht, ist, wie ich sie rette, nicht, ob ich es versuche." (Seite 85)
Als selbstverlegende E-Book-Autorin in den USA bekannt geworden, kommt "Angelfall" nun endlich auch nach Deutschland und hat - zu Recht - einen großen Verlag gefunden. Schon im Englischen hatte ich meine helle Freude an dem Buch, musste es aber auf Deutsch dringend ein zweites Mal lesen.
Die komplette Handlung wird aus der Sicht der Jugendlichen Penryn erzählt. Der Ich-Perspektive ermöglicht dem Leser einen Blick in das Innenleben eines ganz besonderen Charakters, denn Penryn muss stark sein, seit ihr Vater die Familie verlassen hat, denn ihre Mutter hat eine psychische Erkrankung und ihre Schwester ist an den Rollstuhl gefesselt. Und dieses nach außen hin so toughe Mädchen hat in sich Abgründe, vor denen jeder von uns nur erschaudern kann. Aber sie geht ihren Weg und tut das, was ihrer Meinung nach getan werden muss. Eine beeindruckend starke Persönlichkeit, die um ihre eigenen Schwächen weiß.
"Ich schiebe die schrecklichen, schreienden Bilder in eine dunkle, stille Ecke meines Bewusstseins, die jeden Tag tiefer und überfüllter wird. Eines Tages, schon bald, werden all die Dinge, die ich dort hineinstopfe, herausplatzen und den ganzen Rest von mir infizieren. (Seite 65)
Von der ersten Seite an ist Spannung das Hauptmerkmal dieser Geschichte. Es gibt keine Länge, keine Seite, die zu viel ist, keine Szene, die irgendwie langweilt. Die etwas ruhigeren Szenen sind nötig um die Charakterentwicklung voran zu bringen und sind auf ihre eigene Art und Weise ebenso spannend wie Verfolgungs- oder Kampfszenen.
Apropos Charakterentwicklung. Die Entwicklung zwischen Penryn und Raffee ist natürlich die spannendste und Raffee ist ebenso ein besonderer Charakter. Oft sehr schweigsam und mit seinen wenigen Worten immer wieder zynisch wirkt er unnahbar, der Leser wird ihn schwer einschätzen können. Doch daraus ergibt sich eine mysteriöse Anziehungskraft und heftige Wortwechsel zwischen ihm und Penryn fordern ein ums andere Mal die Lachmuskeln heraus. 
Besonders die Kampfszenen im späteren Verlauf, vor allem zum Ende der Geschichte sind dann äußerst brutal und werden auch fast unbeschönigt beschrieben. Hier drängt sich mir die Frage auf, um man das Buch noch mit gutem Gewissen Jugendlichen empfehlen kann. Denn trotz der Protagonisten in diesem Alter ist die Handlung doch eher auf einer Ebene, die mehr für Erwachsene geeignet sind. Jugendliche mit schwachen Nerven sollten vorsichtig sein und gerade bei diesem Buch empfiehlt sich, dass Eltern immer wieder als Gesprächspartner fungieren, wenn Redebedarf besteht. Auf den letzten 50-100 Seiten gibt es Szenen, bei denen selbst mir anders geworden ist. 
Susan Ee nimmt innerhalb dieser rasanten Geschichte viele Fäden auf, die zum großen Teil bis zum Ende und darüber hinaus mitgeführt werden. Das soll heißen, dass am Ende von Band 1 ganz viele Fragen ungeklärt bleiben, auf deren Beantwortung müssen wir mindestens bis zum erscheinen des nächsten Buches warten. Trotzdem ist ein Ende gewählt, bei dem man guten Gewissens einmal auf "Pause" drücken kann, um all die Eindrücke und Geschehnisse dieses Buches zu verarbeiten.   
Bleibt zum Schluss noch ein Punkt: Engel können als Fantasywesen, wie sie in diesem Buch beschrieben werden, kritisch gesehen werden. Jedem muss klar sein, dass sie eine große Rolle spielen und dass sie nicht die friedlichen Geschöpfe sind, wie man sie sich manchmal vorstellt. Ich selbst lese gerne die Geschichten um Engel, Erzengel, Gefallene und Nephilim. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden und sich deren wichtige Rolle in diesem Buch vor dem Lesen schon vor Augen führen.
Im Vergleich zur englischen Originalversion ist die Übersetzung übrigens sehr gut gelungen. Es gibt nur sehr wenige Momente, in denen man über deutsche Wörter stolpert, bei denen man sich eventuell eine bessere Wahl gewünscht hätte.
"Ein Teil von mir hasst diese neue Penryn, die ich geworden bin, hasst das Mädchen, das ein sterbendes Geschöpf ohrfeigt." (Seite 31)
Fazit: Ein Buch, das in seiner Gesamtheit vollkommen überzeugt. Ich kann nichts kritisieren. Charaktere, Handlung, Spannungsbogen, Witz, Charme, Genremix, Engel und Page-Turner-Effekt. All das zusammen ergibt ein Buch, das man lesen muss. Einzig die Empfehlung für Jugendliche muss in Frage gestellt werden, denn die Szenen, die dem Genre Horror zu zurechnen sind, haben es in sich und sind nicht für jeden 14jährigen geeignet.
"Bist du wirklich ein Erzengel?", flüstere ich.
Er wirft mir ein süffisantes Lächeln zu. "Beeindruckt?"
"Nein", lüge ich. "Aber ich würde gerne ein paar Beschwerden über dein Personal einreichen."
"Wende dich an die mittlere Führungsebene." (Seite 287)

Gesamtnote: 1
Charaktere: 1
Handlung: 1
Lesespaß: 1

Über die Autorin:
Susan Ee war zunächst Anwältin, bevor sie beschloss, ihre Leidenschaft für die Literatur zu ihrem Beruf zu machen. Sie studierte Kreatives Schreiben in Stanford und Clarion West und arbeitet nun als Autorin und Filmemacherin. Sie lebt in San Francisco, Kalifornien.(Quelle)

Kommentare:

  1. Interessant von dir die volle Punktzahl vergeben zu sehen, für ein Buch, von welchem ich bislang eher durchwachsene Kritiken gelesen habe. Ich bin sehr gespannt, da es auch schon bei mir liegt und hoffe, dass es mir ebenfalls so zusagen wird wie dir auch.

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  2. @Nazurka: Ich habe bis jetzt (zumindest auf Blogs) nur tolle Kritiken zu dem Buch gelesen. Bin mal gespannt, ob ich mich dem anschließen kann und was du sagst :-)
    Schöne Rezi :-)

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  3. Also ich habe bisher auch (fast) durchweg nur gute Kritikrn gelesen, und zähle mal meine dazu :-)
    Toll geschrieben Asaviel, du das alles drin, was das Buch ausmacht. Bei mir wirkt es irgendwie immer noch nach. Penryn ist einfach klasse! Und trotz der "Pause" die man nach dem Ende machen kann, ist das Klick-Knöpfchen für "World After" schon gedrückt ;-) November!! Vielleicht ein Read-Together??
    Drücksi,
    Damaris

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  4. Ganz so perfekt fand ich das Buch jetzt nicht, aber ich kann deine Begeisterung durchaus nachvollziehen ;) Der Gruselfaktor kam echt überraschend, hat mir persönlich aber sehr gefallen!
    Liebe Grüße,
    Svenja

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