Sonntag, 27. Januar 2013

[Rezension] Rachel Cohn - Beta

Quelle
Autor: Rachel Cohn
Titel:
Beta
Originaltitel:
Beta
Reihe:

1. Beta
(2.-4. In Planung)
Genre:
Dystopie/Jugendbuch
Altersempfehlung: Ab 13 Jahren
Seiten:
416
Verlag:
cbt
Veröffentlichung: 25. Februar 2013
ISBN: 978-3570161647
Preis: 17,99 Euro (HC), 13,99 (Kindle)
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Kurzinhalt: Elysia ist eine Beta, ein geklonter Teenager, und sie lebt als Dienerin der Menschen auf der paradiesischen Insel Demesne. Ihr einziges Ziel ist es, ihren »Eltern« zu gefallen – bis sie entdeckt, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint. Die heile Welt auf der Insel wird von Klonen gestört, die Gefühle und eine eigene Meinung haben, sogenannten defekten Klonen. Und dann entdeckt Elysia, dass auch sie Gefühle hat. Sie verliebt sich und hat Erinnerungen an ihre First, den Menschen, von dem sie geklont wurde und der längst tot sein muss. Ist sie selbst defekt? Dies würde ihren Tod bedeuten, doch Elysia ist bereit zu kämpfen, für ihre Freiheit und für ihre Liebe zu dem geheimnisvollen Tahir ... (Quelle)

Meine Meinung:
"Denkt stets daran: Ihr seid geschaffen, um zu dienen. Die Wissenschaft hat es möglich gemacht, die Körper eurer Firsts zu klonen, nachdem sie ihre Seele ausgehaucht haben; deshalb könnt ihr nun ohne Einschränkung dienen." (Seite 29)

Auch wenn die Idee sicher nicht neu ist, ist sie doch noch spannend: Klone. Klone, die geschaffen werden, um der Menschheit zu dienen. Am besten ohne eigene Bedürfnisse und Wünsche. Und diese Situation geht dann schief. Sie muss schief gehen, um eine Geschichte zu kreieren. So auch bei Beta. Beta-Klone sind die ersten Teenanger-Klone, bei denen noch keiner weiß, wie sie reagieren werden, wenn das normale Hormonchaos, das zum Erwachsenwerden dazu gehört, losbricht. Klone haben eigentlich keine Gefühle. Elysia ist da von Beginn an anders, das erfährt der Leser sofort. 
Die Grundidee ist also spannend und hat Potenzial den Leser in den Bann zu schlagen. Und dabei blieb es leider bei mir auch. Es hat Potenzial und dieses wurde leider nicht ausgeschöpft. 
Dabei ist es gar nicht so einfach zu sagen, woran es lag. 
Dystopien sind derzeit im Trend und ich bin sie auch noch nicht Leid. Es gibt immer noch wirklich gute Dystopien, die mich fesseln können. Auch hier ist der dystopische Charakter, in dem Gesellschaftsschichten unterdrückt werden und die sich aus unserer Sicht in einer negativ entwickelten Zukunft befinden, spürbar. Man erfährt nicht genau, was in der Zwischenzeit passiert ist. Dies aufzuklären bleibt aber auch noch etwas Zeit, denn es werden noch drei weitere Bände erwartet.
Leider blieben für mich die großen Probleme, die diese Welt mit sich bringt, eher nicht spürbar. Das liegt daran, dass ich mich nicht in die Charaktere hineinfühlen konnte. Jeder Charakter und insbesondere Elysia, die Protagonistin blieben für mich unerreichbar, zu weiten Teilen sogar richtiggehend unsympathisch. Wenn dann noch eine Liebe auf den ersten Blick dazukommt, wird es für mein Verständnis richtig schwierig. Ich musste mich quälen, da ich bis zum Schluss keine Verbindung zwischen den Personen und mir herstellen konnte. 
Weiterhin war die Geschichte beinahe durchgehend für mich vorhersehbar. Ich wusste, was in groben Zügen passieren wird, konnte nicht überrascht werden und habe mich dadurch immer wieder gelangweilt gefühlt, was hier nun zu weiteren Abzügen führt.
Einzig der Cliffhanger am Ende kommt ziemlich überraschend und weckt einen Funken Neugier. Für mich ist der Funken aber sicher nicht groß genug, um den zweiten Band ins Auge zu fassen.

"Während ich dem Gezanke am Tisch zuhöre, frage ich mich, ob Atraxia, die wahre menschliche Glückseligkeit, vielleicht nur eine Vorstellung im Kopf der Menschen ist, sodass jeder seine eigenen Enttäuschungen und Niederlagen erlebt und das höchste Ziel gar nicht erreichen kann." (Seite 102)

Fazit: Ein Buch, das mich leider keineswegs überzeugen konnte. Eine spannende Grundidee, die viel Potenzial in sich trägt wird hier durch eine vorhersehbare Geschichte und unsympathische Charaktere zu einem Ganzen, durch das ich mich quälen musste und dessen Nachfolger ich sicher nicht lesen werde.

Gesamtnote: 5
Charaktere: 5-6
Handlung: 4-5
Lesespaß: 5

Über die Autorin: Rachel Cohn ist seit Jahren eine renommierte Autorin für Jugendbücher und hat bereits zahlreiche erfolgreiche Romane veröffentlicht. Unter anderem schrieb sie gemeinsam mit David Levithan „Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht“ (nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis). Sie hat keine Hobbies, es sei denn, man zählt die Suche nach dem perfekten Cappuccino darunter. Und sie verbringt viel Zeit damit, ihre Musiksammlung und ihre Bücher zu sortieren, oder mit ihren beiden Katzen Bunk und McNulty herumzuhängen.(Quelle)

Weitere Bücher der Autorin:  




 

Freitag, 18. Januar 2013

[Rezension] Kristin Cashore - Die Beschenkte

Quelle
Autor: Kristin Cashore
Titel:
Die Beschenkte
Originaltitel:
Graceling
Reihe:
Die sieben Königreiche
1. Die Beschenkte
2. Die Flammende
3. Die Königliche
Genre:
Fantasy
Seiten:
496
Verlag:
Carlsen
Veröffentlichung: September 2009
ISBN:
978-3551582102
Preis: 19,90 (HC), 9,95 (TB), 8,99 (Kindle)
Die Beschenkte - bei Osiander
Die Beschenkte - bei Amazon

Klappentext: Als Katsa dem geheimnisvollen Prinzen von Lienid begegnet, weiß sie sofort, dass auch er beschenkt ist - sie ist sich nur nicht sicher, mit welcher Gabe. Katsa dagegen ist in allen sieben Königreichen bekannt und gefürchtet: Sie hat die Gabe des Tötens.
Nur Bo, der fremde Prinz, scheint keine Angst vor ihr zu haben und ringt beharrlich und mit viel Geduld um ihr Vertrauen.
Im Kampf gegen einen König mit einer teuflischen Gabe werden sie auf ihrem gemeinsamen Weg durch Schnee und Eis, über Meere und Gebirgsketten zu Verbündeten - und zu einem leidenschaftlichen, unabhängigen, innigen, streitenden, liebenden Paar. (Quelle)

Meine Meinung:
"Sie war nicht normal. Ein Mädchen beschenkt mit der Gabe des Tötens, eine königliche Schlägerin? Ein Mädchen, das keinen der möglichen Ehemänner haben wollte, die Randa ihr aufdrängte, gutaussehende und geistreiche Männer, ein Mädchen, das Panik bekam beim Gedanken an ein Baby an ihrer Brust oder ein Kind, das ihre Füße umklammerte?
Sie war nicht natürlich."

High Fantasy-Romane zählen seit jeher zu meinem Lieblingsgenre. Trotzdem gibt es immer wieder Zeiten, in denen ich Abstand dazu nehme. Das sind die Zeiten, in denen Lektüre nicht anstrengend und nicht kompliziert sein darf. Denn oft sind diese fantastischen Bücher dies. Man muss sich in eine fremde Welt eindenken, meist lernt man ein neuartiges Magiesystem kennen und oft spielt Politik, mitsamt Intrigen und komplizierten Machenschaften eine Rolle. Das ist nichts für gemütlich Lesestunden, in denen man nur abschalten möchte und Erholung sucht. Das fordert den Leser.
Trotzdem habe ich mich nun an "Die Beschenkte" gewagt, denn es wurde mir vermehrt von verschiedener Seite aus empfohlen. Ja, auch hier gibt es eine fremde Welt zu erkunden und auch hier gibt es eine gewisse Form von Magie. Es ist aber eine Magie, die ohne Zauberkraft auskommt. Es sind vielmehr die Gaben, die einige Menschen bekommen. Das können Dinge sein, wie besonders gut schwimmen, besonders gut tanzen oder ähnliches. Wobei besonders gut in diesem Falle heißt besser als jeder andere. Aber es gibt eben auch Gaben, die mehr können. Es gibt Gedankenleser oder jemanden wie Katsa, die mit der Gabe des Tötens beschenkt - sie würde er sagen, verflucht - wurde. 
Sehr gut gelöst ist es, dass der Anfang der Geschichte sofort ein wirklicher Einstieg ins Geschehen ist, denn dadurch kommt das Buch weitesgehend ohne ermüdende und komplizierte Erklärungen aus. Der Leser bekommt gezeigt, was es für Gaben gibt, was man damit machen kann und insbesondere, wie es dabei um Katsa bestellt ist. 
Somit kann man sich auch von Beginn an sofort in die Protagonistin Katsa hineinfühlen, obwohl sie anders ist als jeder gewöhnliche Mensch. Gleichzeitig ist sie keineswegs perfekt und hadert über weite Teile der Handlung mit sich selbst. Das macht sie sehr menschlich, denn der Leser hat direkt Teil an ihren Selbstzweifeln, die sie manchmal beinahe dazu bringen aufzugeben. Ihr gesamter Charakter ist sehr fein herausgearbeitet und lässt ihre Handlungen verständlich und schlüssig erscheinen.
Die ersten 150 Seiten der Geschichte kann man lapidar als normales gutes Buch bezeichnen, das sich flüssig lesen lässt, aber kaum aus der Maße hinaussticht. Danach kann man das Buch dann kaum noch zur Seite legen und man will unbedingt wissen, wie es mit Katsa, mit Bo und mit den anderen Charakteren weitergeht. 
Der Autorin gelingt es eine gelungene Mischung aus Spannung und Gefühl zu erzeugen. Der Klappentext erzeugt vielleicht den Eindruck, dass die Liebesgeschichte zwischen der Protagonistin und Bo im Mittelpunkt steht, aber sie teilt sich diesen Platz ganz klar mit spannugsgeladenen Elemente. Dass dies gelingt, ist beinahe erstaunlich. Da Katsa eine sehr machtvolle Gabe hat und man als erfahrener Leser fast sicher sein kann, dass die Protagonistin das Buch überlebt, hatte ich große Bedenken, ob Spannung aufkommen kann. Es kann. Kristin Cashore gelingt es immer wieder Szenen einzuflechten, in denen der Leser sich wirklich Sogen machen muss. Nicht nur um liebgewonnene Nebencharaktere, auch um Katsa selbst. 
An dieser Stelle ist gut zu erwähnen, dass der Titel und das Cover so harmlos aussehen, aber mit einem Mädchen als Heldin, die die Gabe des Tötens beherrscht, sollte klar sein, dass es hier diverse Kämpfe auszutragen gibt, die auch beschrieben werden und in denen Blut fließt. 
Was diesen Roman trotz des High-Fantasy-Grundbildes auch von anderen Vertretern dieses Genres abhebt, ist das Fehlen einer übergroßen Charakterfülle. In vielen Romanen dieser Art treten sehr viele Personen auf, sodass man oft kaum den Überblick behalten kann und der Leser schon durch Charakterübersichten unterstützt wird. Hier beschränkt man sich aber auf eine überschaubare Anzahl. Außerdem kann die Politik zwar bei einer Geschichte, in der es um Königreiche geht nicht völlig vernachlässigt werden, aber dieser Handlungsstrang ist ebenfalls nicht so komplex, dass es einem entspannten Lesevergnügen im Wege stehen würde. 
Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, aber uns wird die Gelegenheit gegeben in die Sieben Königreiche zurück zukehren, denn "Die Flammende" ist der zweite Band der Reihe und macht uns mit neuen Charakteren in einem der anderen Königreiche bekannt.

"Helda seufzte und trug das Kleid hinaus. "Es würde aufregend aussehen, My Lady", rief sie, "zu Ihrem dunklen Haar und Ihren Augen."
Katsa riss an einem hartnäckigen Knoten in ihrem Haar und sprach zu den Schaumblasen auf der Wasseroberfläche: "Wenn ich beim Dinner jemanden aufregen will, dann gebe ich ihm eine Ohrfeige!"

Fazit: Eine fantastische Geschichte, die keine Wünsche übrig lässt. Spannung und Gefühl in einer uns fremden Welt und innerhalb einer Handlung, die zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar ist, machen die Geschichte zu einem Page-Turner und lassen den Leser das Buch kaum zur Seite legen. Außerdem kann man dieses Buch bei Bedarf gut als Einzelband und in sich abgeschlossen lesen. Aber sicher werden die meisten in die Sieben Königreiche zurückkehren wollen, wenn sie sie einmal besucht haben.

Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 1
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1-2

Über die Autorin:
Kristin Cashore studierte am Center for the Study of Children's Literature in Boston. Ihre Bücher "Die Beschenkte", "Die Flammende" und "Die Königliche" schafften sofort den Sprung auf die New-York-Times-Bestsellerliste, wurden bereits in 28 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. (Quelle)

Weitere Bücher der Autorin:



 

Montag, 14. Januar 2013

[Rezension] Simonne Elkeles - Leaving Paradise

Bildquelle
Autor: Simone Elkeles
Titel:
Leaving Paradise
Originaltitel:
Leaving Paradise
Reihe: 
1. Leaving Paradise
2. Back to Paradise
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: Ab 13 Jahren
Seiten:
336
Verlag:
cbt
Veröffentlichung: 14. Januar 2013
ISBN:
978-3570307939
Preis: 8,99 Euro
Leaving Paradise - bei Amazon
Leaving Paradise - bei Osiander

Klappentext: Das Letzte, was Caleb Becker vorhat, als er in seinen Heimatort Paradise zurückkehrt, ist, sich in Maggie Armstrong zu verlieben. Denn wegen Maggie, die er in jener fatalen Nacht mit dem Auto angefahren haben soll, war er verurteilt worden. Maggie wiederum will alles, nur nicht Caleb wiederbegegnen – dem Jungen, den sie für ihr Unglück verantwortlich macht. Und doch verbindet diese eine Nacht sie für immer, und so fühlen sich Caleb und Maggie, als sie sich wiederbegegnen, gegen ihren Willen zueinander hingezogen. Aber gerade, als die beiden sich näherkommen, kommen Dinge ans Tageslicht, die alles zu zerstören drohen… (Quelle)

Meine Meinung:
"Du magst der Gesellschaft gegenüber deine Schuld beglichen haben, aber was ist mit dem, was du mir schuldest?" (Seite 54)
Wer die Trilogie um die Fuentes-Brüder ("Du oder das ganze Leben", "Du oder der Rest der Welt" und "Du oder die große Liebe") kennt ahnt gleich, womit er es hier zu tun haben wird. In der Aufmachung und Covergestaltung lehnt sich dieses Jugendbuch sehr stark an die Trilogie aus der Feder der gleichen Autorin an und das soll es auch. Gleichzeitig ist die Handlung vollständig eigenständig und hat nichts mit den Fuentes-Brüdern zu tun. 
Also findet man hier eine 0815-Badboy-Geschichte? Er ist der gefährliche "Exknacki" und sie die tollpatschige Unbeliebte, in die er sich dann verliebt? Nein, hier ist tatsächlich alles ganz anders. Maggie war beliebt, sie ist es nicht mehr seit dem Unfall, dem Unfall für den Caleb verurteilt wurde und wegen dem er nun ein Jahr im Jugendstrafvollzug verbracht hat. Sie sind Nachbarn und waren früher Freunde. Jetzt treffen sie wieder aufeinander.
Die Handlung setzt einen Tag vor Calebs Freilassung ein. Abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten wird die Geschichte erzählt und dabei wird der Leser ganz weit vor gelassen in die Gefühlswelt dieser beiden Personen, denn sie berichten aus der Ich-Perspektive. Gefühle und Gedanken werden so eindringlich mit geschildert, dass man sich sehr schnell in sie hineinfühlen kann. 
Es blieb anfangs eine gewisse skeptische Grundhaltung bei mir zurück. Was konnte schon noch Spannendes passieren, wenn ich sowieso weiß, dass sich die beiden Protagonisten ineinander verlieben? Die recht kurzen Kapitel zu Beginn der Geschichte, die mich abwechselnd in die beiden Lebenswelten einführten, taten dann aber ihren Dienst. Schon nach ungefähr 50 Seiten hatte mich die Geschichte völlig gefesselt. Denn Caleb ist keineswegs der klassische Badboy und Maggie nicht einfach nur tollpatschig oder ähnliches. Beide haben sie ihr Päckchen zu tragen, beide haben sie einige Ecken und Kanten und doch wird ganz schnell klar, wie liebenswert beide sind. Wie gut sie zusammen passen und wie menschlich es sie macht, dass sie beide keine stereotypen Musterbeispiele sind, die man in Schubladen packen könnte.
Neben den Schulkameraden und den Eltern kommt noch ein weiterer wichtiger Nebencharakter hinzu, der keinen geringen Einfluss auf die Handlung der Geschichte nimmt, der ebenfalls einen etwas ungewöhnlichen Charakter hat, der dem Leser aber auch sehr schnell ans Herz wächst. 
Mit der Wendung der Geschichte wurde ich tatsächlich völlig überrascht. Es werden geschickt Andeutungen gemacht, die den Leser auf die falsche Fährte locken sollen, was bei mir wunderbar funktioniert hat. Völlig geschockt musste ich meinen Fehler erkennen.
Caleb und Maggie berühren den Leser tief im Herzen. Selten vorher und überhaupt nicht in letzter Zeit ist mir ein Buch so nahe gegangen wie dieses. Schon ewig habe ich nicht mehr so geweint, wie hier. Nicht am Ende, sondern gut 50 Seiten davor. 
Das Ende wird viele vermutlich unbefriedigt zurücklassen, ist aber gleichzeitig ein Abschluss, den man so stehen lassen könnte, den ich so nach einer Nacht drüber schlafen wohl auch akzeptiere könnte. Zum Glück quält die Autorin ihre Leser aber nicht so und es gibt einen zweiten Teil, in dem die Geschichte von Maggie und Caleb zu ende erzählt wird. Er heißt passenderweise "Back to Paradise". Die Titel sind übrigens hervorragend gewählt, denn der Ort, in dem die beiden Protagonisten wohnen, heißt Paradise.
"Nein, das nächste Mal, wenn ich dich küsse, wird es eine lange, lange Zeit dauern. Und wenn wir fertig sind, wird dir klar sein, dass jemanden verrückt zu machen nichts damit zu tun hat, wie viel Erfahrung man mitbringt." (Seite 232)

Fazit: Ein Buch, in dem es nicht um die klassische Badboy-Geschichte geht, sondern ein Jugendroman, das sich mit der großen Liebe, mit Freundschaft, mit Schuld und Unschuld, Strafe und Reue, aber auch mit Familie, Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsängsten befasst. Selten hat mich ein Buch so tief berührt wie dieses und selten habe ich ein Buch innerhalb von einem Nachmittag verschlungen. Ein Must-Read!

Gesamtnote: 1
Charaktere: 1
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1

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Dieses Buch ist etwas für dich, wenn dir folgende gefallen haben: 



Über die Autorin:
Simone Elkeles wuchs in der Gegend von Chicago auf, hat dort Psychologie studiert und lebt dort auch heute mit ihrer Familie und ihren zwei Hunden. Ihre "Du oder das ganze Leben"-Trilogie, für die sie zum "Illinois Author of the Year" gewählt wurde, wurde zum weltweiten Bestseller. (Quelle)

Weitere Bücher der Autorin (Auswahl):




 

Samstag, 12. Januar 2013

[Rezension] Kai Meyer - Arkadien erwacht

Quelle
Autor: Kai Meyer
Titel:
Arkadien erwacht
Reihe: 

1. Arkadien erwacht
2. Arkadien brennt
3. Arkadien fällt
Genre:
Jugendbuch/Fantasy
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
416
Verlag:
Carlsen 
Veröffentlichung: November 2009 (3. Auflage)
ISBN: 978-3551582010 
Preis: 19,90 € (HC), 8,95 € (TB), 7,99 € (Kindle)
Arkadien, Band 1: Arkadien erwacht - bei Amazon

Kurzinhalt:

Schon bei ihrer Ankunft auf Sizilien fühlt sich Rosa, als wäre sie in einen alten Film geraten - der Chauffeur, der ihre zufällige Reisebekanntschaft Alessandro am Flughafen erwartet; der heruntergekommene Palazzo ihrer Tante; und dann die Gerüchte um zwei Mafiaclans, die seit Generationen erbittert gegeneinander kämpfen: die Alcantaras und die Carnevares, Rosas und Alessandros Familien. Trotzdem trifft sich Rosa weiterhin mit Alessandro. Seine kühle Anmut, seine animalische Eleganz faszinieren und verunsichern sie gleichermaßen. Doch in Alessandro ruht ein unheimliches Erbe, das nicht menschlich ist ... (Quelle)

Meine Meinung:
"Eines Tages", sagte sie, "fange ich Träume ein wie Schmetterlinge."
"Und dann?" fragte er.
"Lege ich sie zwischen die Seiten dicker Bücher und presse sie zu Worten."
"Was wenn jemand immer nur von dir träumt?"
"Dann sind wir beide vielleicht schon Worte in einem Buch. Zwei Namen zwischen all den anderen."
Kai Meyer ist einer der erfolgreichsten deutschen Jugendbuchautoren. Seine Romane weisen in den meisten Fällen Fantasyelemente auf. Die Arkadien-Trilogie spielt in unserer heutigen Welt, die ein bisschen anders ist, als wir sie uns gemeinhin vorstellen. Hochgelobt ist diese Reihe um Rosa und Alessandro, aber es ist kein Hype entstanden. Trotzdem sind die Erwartung - gerade auch in Kenntnis weiterer Romane des Autors - sehr hoch. 
Beinahe die komplette Handlung findet auf Sizilien statt. Dorthin reist Rosa zu Beginn ihrer Geschichte, denn dort liegen ihre familiären Wurzeln, auch wenn sie gemeinsam mit ihrer Mutter die letzten Jahre im Ausland verbracht hat. 
Rosa ist die Protagonistin und die komplette Geschichte wird aus ihrem Blickwinkel heraus erzählt. Der Leser erlebt somit nur direkt mit, was auch sie erlebt und muss ebenso wie der Charakter über die Dinge aufgeklärt werden, die eben im Hintergrund der Geschichte, während Rosas Abwesenheit geschehen. Dabei ist unsere Protagonistin wahrlich kein einfacher Charakter. Das zeigt sich gleich zu Beginn in den ersten Kapiteln im Umgang mit Fremden, bei ihrer ersten Begegnung mit Alessandro und in ihrer Einstellung zur Welt allgemein. Es klärt sich nach und nach auf, warum Rosa zu diesem schwierigen Charakter geworden ist. Bis dahin muss man sie nehmen, wie sie ist. Hiermit soll nicht der Eindruck entstehen, dass sie nur nervig auf den Leser wirkt. Sie hat lediglich diverse Macken. 
Zu der außergewöhnlichen Handlung, die die Fantasyelemente näher umfasst, auf die ich hier nicht weiter eingehen will, um die Spannung nicht zu zerstören, ist ein anderes großes Hauptthema, das früh zum Tragen kommt, die Mafia. Nicht nur Rosa, sondern auch Alessandro gehören einer großen Mafiafamilie an, woraus eine Art Romeo-und-Julia-Lovestory entsteht. Diese ist natürlich mit neuen Elemente aufgefüllt und wird dadurch nicht langweilig.
Vielmehr gelingt es dem Autor beinahe durchgehend ein sehr hohes Spannungslevel zu halten. Das ist erstaunlich, denn es gibt den einen oder anderen Punkt - wie zum Beispiel die Frage nach dem Fantasyelement und wie Rosa darin verstrickt ist -, die dem Leser selbst völlig klar sind und die damit keine Spannung erzeugen können. Trotzdem gibt es neben den actionreichen Szenen viele Verwicklungen und Ansätze, die bis zum Schluss eine offene Frage beinhalten und damit den Leser in ihren Bann ziehen. 
Erstaunt war ich über die Sprache des Romans. Sie ist über weite Teil hinweg wunderschön, teilweise sogar poetisch, was ich so bisher selten in den Büchern des Autors vorgefunden habe. In dieser Sprache kann man sich verlieren und gerade der Liebesgeschichte wird damit Rechnung getragen. Man kann sich wunderbar in Rosa hineinfühlen, sowohl in ihre Liebe, aber auch in ihre Angst, Unsicherheit, Wut und all die anderen Gefühle, die dieses oft widerspenstige Mädchen hat. 
Die Handlung des ersten Bandes endet mit keinem allzu großen und offenen Cliffhanger. Man weiß, dass die Handlung fortgeführt wird und es gibt gewissermaßen so etwas wie eine Meta-Handlung, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Aber hier ist ein guter Punkt, um ein vorläufiges Ende zu setzen, den die ersten Fragen sind geklärt und die ersten Entscheidungen getroffen. Im Zweifelsfall könnte man hier vielleicht sogar aufhören zu lesen und den Rest seiner Phantasie überlassen, aber ich bin mir sicher, wer Band 1 gelesen hat, will auch mit "Arkadien fällt" weitermachen.

"Wenn es so weit ist, dann will ich dabei sein."
"Wenn was so weit ist?"
"Wenn du allen anderen nicht mehr in die Augen schaust, als hätten sie dir gerade den Krieg erklärt. Und wenn du merkst" - er deutete nach vorne über die Schlucht - "dass manches zwar aussieht wie das Ende der Welt, sie in Wahrheit aber weitergeht, drüben auf der anderen Seite. Vielleicht ist nur ein ziemlich großer Schritt nötig, um dorthin zu gelangen."  

Fazit: Eine außergewöhnliche Mafiageschichte, in der sich ein junges Mädchen in Mord, Gewalt, Liebe und ein unmenschliches Erbe verstrickt, während sie eigentlich auf der Suche nach sich selbst ist. Die Handlung reißt den Leser von der ersten Seite in ihren Bann und das Buch zur Seite zu legen, ist oftmals schwer. Klare Leseempfehlung.


Gesamtnote: 1-2
Charaktere: 1-2
Handlung: 2
Lesespaß: 1-2

Arkadien, Band 1: Arkadien erwacht - bei Amazon
 

Für uns Bücherfreunde noch ein Zitat, dem bestimmt viele zustimmen: 
"Ich mag Bücher. Ich hatte nur nie viele."
"Ein Babybuch, hast du gesagt." Seine Augen funkeln. "Lässt du erst mal eines ins Haus, kommen die nächsten fast von selbst." 

Über den Autor:
Kai Meyer, geboren 1969, studierte Film- und Theaterwissenschaften und arbeitete als Journalist, bevor er sich ganz auf das Schreiben von Büchern verlegte. Er hat inzwischen über fünfzig Titel veröffentlicht, darunter zahlreiche Bestseller, und gilt als einer der wichtigsten Phantastik-Autoren Deutschlands. Seine Werke erscheinen auch als Film-, Comic- und Hörspieladaptionen und wurden in siebenundzwanzig Sprachen übersetzt. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors (Auswahl):  





 

Mittwoch, 9. Januar 2013

[Rezension] Anna Kuschnarowa - Junkgirl

Quelle
Autor: Anna Kuschnarowa
Titel:
Junkgirl
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
223
Verlag:
Beltz & Gelberg
Veröffentlichung: 8. November 2011
ISBN:
978-3407742599
Preis: 12,95 Euro 
Junkgirl - bei Amazon


Klappentext:
 
»Die Zeit mit Tara war die großartigste Zeit meines Lebens. Und die beschissenste.« Alles begann mit Tara. Der schillernden, wilden, außergewöhnlichen Tara, in die sich die unscheinbare Alissa Hals über Kopf verliebt. Um mit Tara zusammen zu sein, beginnt Alissa heimlich ein Doppelleben, irrlichtert zwischen Sein und Schein, belügt ihre Eltern und – nimmt Drogen. Sie erlebt ungeahnte Höhenflüge, ist verzaubert, berauscht, fühlt sich unsterblich. Es scheint, als sei Alissas Sehn-Sucht endlich gestillt. Da zeigen sich tiefe Risse in Taras schillernder Welt ... Ein überwältigender und rasanter Roman, der mit ungeheurer Wucht vom Rausch der Liebe, der Drogen und dem Erwachsenwerden erzählt. (Quelle)

Meine Meinung:
"Und dann auf einmal brach das Leben, das echte Leben in meine Existenz. Erst schleichend, langsames Crescendo, dann mit so viel Wucht, dass es mich echt aus den Schuhen haute. 
Alles begann mit Tara und letzendich endet es auch mit ihr." (Seite 32)
Alissa und Tara nehmen den Leser sofort gefangen. Müssen sie auch bei der geringen Seitenanzahl. Es gelingt ihnen mühelos. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive von Alissa erzählt. Der Leser erfährt, wie sie Tara kennen lernt, lieben lernt und wie sie dann abrutscht in den Sumpf von Drogen, Gewalt und Erniedrigung. 
Das Erzähltempo ist unglaublich hoch. Ich habe selten ein Buch erlebt, in dem die Tage einerseits nur so vorbeirauschen, man andererseits aber trotzdem einen guten Bezug zu den Charakteren aufgebaut hat und mit ihnen lacht und leidet gleichermaßen. Es gelingt der Autorin mit dieser Variante des schnellen Erzählens den Leser das gleiche Gefühl zu geben, das wohl auch Alissa hat, denn auch an ihr rauschen die Tage nur so vorbei, nachdem sie eingetaucht ist in diese neue - ihr unbekannte - Welt. 
Die gesamte Handlung erzählt uns Alissa im Prinzip aus der Rückschau. Doch diese Rückschau nimmt über neunzig Prozent des gesamten Buches ein. Das "Jetzt", also die Gegenwart wird immer wieder eingeschoben in Form eines inneren Monologs oder eher eines inneren Zwiegesprächs der Protagonistin.
Die Autorin beschränkt sich auf relativ wenige Charaktere. Natürlich Alissa, dazu Tara und einige wenige wichtige Nebencharaktere. So findet der Leser sich schnell zurecht und wird nicht von einer Unzahl an Namen verwirrt. Das ist bei der Seitenzahl auch notwendig, sonst wäre die Geschichte wohl schon vorbei, bevor der Leser sich eingelesen hat. 
Natürlich wird hier ein sehr krasses Thema geschildert. Drogen sind der Mittelpunkt, der hier verhandelt wird. Und schnell wird klar, dass es nicht um einmaliges Kiffen geht. Nein, Drogen jeglicher Art spielen eine Rolle. Kiffen, Koks, LSD und ähnliches, aber dann auch Heroin. Und diese Stoffe bringen weite Felder und großes Leid mit sich. So ergeben sich weitere Themenfelder wie Prostitution, Gewalt und Erniedrigung. Dabei wird weder inhaltlich etwas geschönt, noch die Sprache einem Schriftdeutsch zu sehr angepasst. Nein, hier bekommt der Leser vor Augen gestellt, wie es wirklich ist. Das lässt diesen sicher nicht unbewegt zurück.
Natürlich haben wir es trotzdem immer noch mit einem Jugendbuch zu tun, aber meine Empfehlung wäre, jedem Jugendlichen, der dieses Buch liest, ein begleitetes Lesen anzubieten. Jeder sollte die Möglichkeit haben über den Inhalt und die Handlung zu sprechen und damit nicht allein gelassen zu werden.
Das Ende gestaltet die Autorin, zumindest was Alissa angeht, sehr offen. Nachdem die Geschichte, die die Protagonistin uns im Rückblick berichtet, ein Ende gefunden hat, gibt es einen etwas längeren Abschnitt aus der Gegenwart. Dort wird knapp ihre jetzige Situation zusammengefasst, die sich der Leser aber beinahe schon aus den Einschüben zwischendurch erschließen konnte. Aber ihr weiteres Schicksal und ihre weiteren Entscheidung werden offen gelassen, sodass es viel Raum für eigene Spekulationen und die eigene Phantasie gibt. Für manch einen sicher zu viel Raum, aber andererseits stellt auch dieser Punkt, das wahre Leben da. Welchen Weg sie einschlägt, wird für Alissa immer ein Kampf bleiben.
"Wir fielen uns in die Arme und blieben so, und es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ich was merkte, aber dann war alles so bunt, so unendlich, so unerträglich schön, dss ich heulte wie ein Schlosshund, und Tara hielt mich und küsste mir die Tränen vom Gesicht, (...) und in dieser Nacht fühlte ich mich wie ein Freibeuter des Glücks, so frei, so unabhängig, so unverwundbar." (Seite 98)

Fazit: Eine rasante Geschichte mit einem so hohen Erzähltempo, wie ich es selten vorher erlebt habe. Der Autorin gelingt es, das darzustellen, wie es wirklich da draußen - auf den Straßen der Großstädte und in den Häusern normaler Familie - zugeht. Natürlich bleiben es Ausnahmen. Aber es gibt diese Schicksale. 
Ein bewegendes Buch, das zum Nachdenken anregt und sicher gut geeignet ist, gerade auch Jugendlichen die Gefahr, die Drogen mit sich bringen, darzustellen.

Gesamtnote: 1
Charaktere: 2
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1

Junkgirl - bei Amazon


Dieses Buch ist etwas für dich, wenn dir folgende gefallen haben: 


Über die Autorin:
Anna Kuschnarowa, geboren 1975 in Würzburg, studierte Ägyptologie, Prähistorische Archäologie und Germanistik in Leipzig, Halle/Saale und Bremen. Sie unterrichtet Mittelägyptisch an der Universität Leipzig, seilt sich aber regelmäßig aus dem Elfenbeinturm ab und arbeitet dann als freiberufliche Autorin und Fotografin. Bei Beltz & Gelberg erschienen ihre Romane "Spielverderber", "Schattensommer", "Junkgirl" und zuletzt "Kinshasa Dreams". (Quelle)

Weitere Bücher des Autors: