Donnerstag, 28. Februar 2013

[Rückblick/Ausblick] Der Februar in F.ü.n.f.z.e.h.n. Worten

Der Februar-Rückblick:

Gelesen habe ich Bücher 10-16  für dieses Jahr:
Februar-Highlight!
16. Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht (283 Seiten)
15. Kristin Caschore: Die Flammende (510 Seiten)
14. Daniel Blythe: Wispernde Schatten (292 Seiten)
13. Nicole C. Vosseler: In dieser ganz besonderen Nacht (479 Seiten)
12. Heather Brewer: Vladimir Tod hat Blut geleckt (205 Seiten)
11. Elizabeth Herrmann: Lilienblut (445 Seiten)
10. Brent Weeks: Die blendende Klinge (960 Seiten)

Die restlichen Rezensionen werden noch nachgereicht!

Persönlicher Rückblick in f.ü.ün.f.z.e.h.n. Worten

Staatsexamen. Ostsee. Pur. Winter. Lübeck. Fernseher. Lernen. Entfernungen. Heimweh. Fernweh. Zu kalt. Träume. Studiumsende. Sonne vermisst. Familie.

Der März-Ausblick:

Es gibt ein paar Bücher, die ich im März auf gerne lesen will. Die Liste hat letzten Monat nicht ganz
so gut geklappt, aber ich möchte sie trotzdem weiter aufstellen:
Besondere Vorfreude im März




Persönlicher Märzausblick in z.e.h.n. Worten  

Lernen. Frühling? Liebe. Ausspannen. Supernatural. Keine Buchmesse. Sparen. Buchkaufverbot. Neue Sicht. Mut.

Habt ihr einen Monatsrückblick oder einen Monatsausblick? Verlinkt ihn doch hier bei mir!
Nehmt ihr euch bestimmte Bücher für einen Monat vor oder lasst ihr den alten Monat mal rein persönlich Revue passieren? 
Was sagt ihr zu meiner Bücherauswahl für den Februar?
Oder ihr habt Fragen zu einem Punkt meines Rück- oder Ausblicks?
Lasst doch einen Kommentar da! Ich freu mich!

Montag, 25. Februar 2013

[Rezension] Heather Brewer - Vladimir Tod hat Blut geleckt

Autor: Heather Brewer
Titel:
Vladimir Tod hat Blut geleckt
Originaltitel:
Eighth Grade Bites:The Chronicles of Vladimir Tod
Reihe: Vladimir Tod
1. Vladimir Tod hat Blut geleckt
2. Vladimir Tod beisst sich durch
3. Vladimir Tod hängt todsicher ab
4. Vladimir Tod kämpft verbissen
5. Vladimir Tod ist ganz schön untot  
Genre: Jugendbuch/Fantasy
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Seiten:
205
Verlag:
Loewe Verlag
Veröffentlichung: 28. Februar 2011
ISBN: 978-3785570272
Preis: 7,95 Euro
Vladimir Tod hat Blut geleckt - bei Osiander
Vladimir Tod hat Blut geleckt - bei Amazon

Kurzinhalt:
Vlad hat das bissige Etwas!
Wenn er sich aufregt, fährt er die Zähne aus.
Wenn er nicht schlafen kann, macht er sich einen Becher Blut warm.
Wenn er nicht zur Schule kommt, dann weil ihm Untote an die Gurgel wollen ...
Klingt schräg?
Willkommen im Leben von Vladimir Tod, Halbvampir!
„Vladimir Tod hat Blut geleckt“ ist der erste Band der Vladimir Tod-Pentalogie. (Quelle)


Meine Meinung:
Vlads Herz sank ihm bis in den Bauch, quetschte sich dann weiter sein Bein hinunter und flutschte mit einem Plopp aus dem Loch in seinem Schuh, bevor es auf dem Boden landete und zerbrach. So jedenfalls fühlte es sich an. (Seite 21) 
 Dafür, dass er ein halber Vampir ist, Blut als Nahrungsmittel braucht und immer wieder Schwierigkeiten hat eben diese Tatsache vor seinen Mitschülern zu verbergen, schlägt Vlad sich wirklich tapfer und verliert dabei nicht seinen Humor.
Ganz klar war mir schon vor dem Lesen: Ich gehöre nicht mehr zur Zielgruppe und das ist gerade dann ein Problem, wenn es um Humor geht, denn meistens kann auch nur der Lachen, der sich in irgendeiner Weise angesprochen fühlt. Das war hier für mich tatsächlich schwierig, aber ich werde versuchen eine objektive Bewertung abzugeben und etwas über das Buch zu sagen, was die Zielgruppe auch interessiert.
Es geht hier also um ein Publikum, das gerade 12 geworden ist. Ich denke so in der Stufe 12-15jährige werden sich sicher geneigte Leser finden, die mit Vlad viel Spaß und ein rasantes Abenteuer erleben werden. Zumindest den Beginn davon.  
Im ersten Moment nimmt die Geschichte nur langsam Fahrt auf. Dem Leser wird Vladimirs Alltag präsentiert und vorgestellt. Wie jeder normale Junge in seinem Alter geht er in die Schule und hat auch die normalen jugendlichen Probleme: Die besten Freunde, Sport und auch Mädchen werden mehr und mehr zum Thema für die Halbstarken. Gleichzeitig kümmert sich Vlad noch darum nicht als das erkannt zu werden, was er ist. Außerdem hat er immer noch an dem frühen Tod seiner Eltern vor wenigen Jahren zu knabbern. Das alles wird dem Leser langsam nahe gebracht, sodass ein Großteil des Buches verstreicht, ohne dass wirklich Spektakuläres vonstatten geht. 
Das änder sich dann aber plötzlich schlagartig. Die Ereignisse überschlagen sich, nachdem Vlad sich sicher ist, dem Mörder seiner Eltern auf die Spur gekommen zu sein. Es kommt zu Entführung und auch zu Gewalt. Ich bin mir sicher, dass die Geschichte in diesem Moment so spannend wird, dass kein Jugendlicher das Buch noch zur Seite legen kann. Stattdessen wird es nun bestimmt in einem Rutsch durchgelesen.
Das ist keine Schwierigkeit, denn der Schreibsti ist relativ einfach und den Adressaten angemessen. Der Humor, der auch in den unmöglichsten Situationen immer wieder zum Vorschein kommt, lässt die Seiten schnell dahingleiten. Zusätzlich ist das hier ja eher ein Büchlein, als ein Buch. Es lässt sich schnell verschlingen. Erwähnenswert ist auf jeden Fall die Aufmachung mit eingeschwärtzen Kapitelanfängen, die das düstere der Vampirnatur hervorheben. 
Besonders gut gefallen hat mir, dass hier der Vampirhype auf die Schippe genommen wird, ohne dass es allzu lächerlich wirkt. Auch wer gerne mal Vampirbücher liest, in denen diese Gestalten sehr kuschelig sind, wird trotzdem gemeinsam mit Vlad darüber lachen können, dass in seinem Hamburger Blut versteckt wird. 
Gerade für Jungs ist die Geschichte aus der Feder von Heather Brewer gut geeignet. Es wird nicht sehr gefühlsduselig. Mädchen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Dafür ist der Protagonist männlich und er hat einen besten Freund. Gemeinsam müssen sie schon einiges durchstehen und die Spannung ist für Jugendliche durchweg angemessen. Und alle Charaktere sind durchweg sympathisch. Der Leser kann sich schnell in sie hinein und mit ihnen mitfühlen.
Mich selbst, um einen Bogen zum Anfang zu schließen, konnte die Geschichte leider nicht so fesseln, dass ich die Folgebände unbedingt lesen will. Aber trotzdem kann ich jedem, der sich von dieser Rezension angesprochen fühlt, das Buch ans Herz legen. Eine gelungene Geschichte, die nur in mir leider den falschen Leser getroffen hat. 


Über die Autorin: Heather Brewer war wie Vladimir ein eher ungewöhnlicher Teenager. Sie trug mit Vorliebe Schwarz, tanzte unter dem Vollmond und verschlang förmlich jedes Buch, das ihr zu nahe kam. Zugegeben, sie hat sich seither wenig verändert. Heutzutage trifft man Heather häufig an ihrem Schreibtisch an, wo sie in ihrem coolen Schlafanzug (schwarz mit Häschen drauf) neue Geschichten verfasst. Noch immer tanzt sie unterm Vollmond und verschlingt jedes Buch in Reichweite. Außerdem nimmt sie in voller Kostümierung an Mittelalterspektakeln teil, wo sie ganz in ihrer Rolle aufgeht. Heather glaubt nicht an Happy Ends – es sei denn, es fließt Blut. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Missouri, USA. (Quelle)

Dienstag, 19. Februar 2013

[Rezension] Nicole C. Vosseler - In dieser ganz besonderen Nacht

Quelle
Autor: Nicole C. Vosseler
Titel:
In dieser ganz besonderen Nacht
Genre:
Jugendbuch/Fantasy
Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Seiten: 576
Verlag:
cbj
Veröffentlichung: 25.2.2012
ISBN:
978-3570155349
Preis: 18,99 Euro (Hc)

Klappentext: Eine hinreißend romantische Geistergeschichte vor der beeindruckenden Kulisse San Franciscos.
Nach dem Tod ihrer Mutter muss Amber, die in einer deutschen Kleinstadt gelebt hat, nach San Francisco ziehen – zu ihrem Vater, den sie kaum kennt. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Eines Abends begegnet sie dort in einem leer stehenden Haus Nathaniel, einem seltsam gekleideten Jungen. Er scheint der Einzige zu sein, der sie versteht. Aber er bleibt merkwürdig auf Distanz. Als Amber den Grund dafür erfährt, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg: Nathaniel stammt aus einer anderen Zeit und die beiden können niemals zusammenkommen. Doch in einer ganz besonderen Nacht versuchen die beiden das Unmögliche … (Quelle)

Meine Meinung:

"Mein Verlust. Die Mutter verloren. Merkwürdige Ausdrücke dafür, was mir passiert war, denke ich. Man konnte doch einen Menschen nicht verlieren wie einen Schlüssel oder Geldbeutel!" (Seite 55)

Schon der Beginn dieses Romans, dessen Geschichte noch in Deutschland startet, ist äußert emotional und kann sensible Menschen unter Umständen schon zu Tränen rühren. So weit ging es bei mir nicht. Aber der Autorin gelingt es trotzdem die Gefühle und die Situation der Protagonistin so driekt und eigehend zu beschreiben, dass man mit ihr leidet, obwohl man noch keine Zeit hatte sie kennen zu lernen.
Dies gilt auch für die gesamte folgende Geschichte. Nicole C. Vosseler beschreibt Amber und ihre Ankunft in San Francisco so, dass man als Leser keine Chance hat sich darauf zu freuen, dass sie in dieser Stadt spielt. Amber will nicht nach Amerika und auch nicht nach "SanFran". Bei ihrer Ankunft sieht sie nur die negativen Seiten der Großstadt und kann die Schönheit und Faszinationskraft gar nicht erkennen oder gar sich daran erfreuen. Dies wird so lebhaft beschrieben, dass auch der Leser die Stadt keinesfalls schön findet.
Die zwischenmenschliche Ebene zwischen Vater und Tochter ist sehr gut aufgebaut und entwickelt sich im Laufe der Geschichte vorsichtig und langsam. Es ist nicht so, dass Amber sich dauerhaft quer stellt oder irgendwann plötzlich Friede und Freude herrscht. Die beiden nähern sich an. Und langsam nähert sich Amber auch der Stadt an und sieht dann nach und nach auch die schönen Seiten. Dies erlebt der Leser hautnah mit, denn bevor man dieses Buch liest, sollte einem bewusst sein, dass man sehr, sehr viele Beschreibungen der Stadt, der Stadtteile, der Attraktionen oder einzelner Häuser lesen wird. Das ist nun wirklich Geschmackssache. Ich bin weder Amerika, San Francisco, noch Großstadtfan und für mich waren diese langen Beschreibungen oft eine gute Schippe zu viel. Hier kann ich mir aber gut vorstellen, dass gerade das von einigen Lesern geliebt wird.
Es bleibt ja aber nicht bei einem klassischen Jugendbuch, denn ein Mystery beziehungsweise Fantasy-Element wird hinzugenommen. Amber begegnet Nathaniel und dieser ist ein Geist. Der Klappentext ist hier ziemlich rapide, streicht einige Verwicklungen und Schwierigkeiten zusammen, denn Amber kann natürlich erst einmal nicht glauben, was sie sieht. Und bevor sie sich annähern, muss das Mädchen akzeptieren, dass sie Geister sehen kann. Nicht nur Nathaniel, auch andere Geister. Hier kommen einige sehr klischeehafte Versatzstücke ins Spiel, von denen viele sicher schon gehört und gelesen und die mich eher genervt haben. In diese Richtung tendiert auch das Ende, das sich - nachdem man im letzten Drittel mit einer Wendung, die aber vorausgesagt wird, konfrontiert wird - recht schnell zu erschließen ist. Man kann sich dann zusammenreimen, was weiter geschehen wird und das nimmt einen großen Teil der Spannung. Besonders die Frage nach dem "wer mit wem" ist ab diesem Moment leicht zu beantworten.
Besonders gut gelöst und daher hier zu erwähnen ist die Sache mit der Psychologin. Amber geht zu ihr, weil ihr Vater das nach dem Tod ihrer Mutter gerne möchte. Sie  hatte sich erst gesträubt, aber als sie glaubt, dass sie verrückt ist, weil sie eben Geister sieht, ändert sich ihre Meinung. Oft ist es ja so, dass Psychologen die Bösen sind, wenn zeitgleich Fantasyelemente die Geschichte bestimmen. Hier ist es anders. Die Psychologin glaubt zwar selbst nicht an Geister, hat aber trotzdem immer einen guten Rat und nimmt das Mädchen ernst. Sehr schön gemacht und auch mit einigen Weisheiten ohne den erhobenen Zeigefinger, die der Leser mit in seine eigene Lebenswelt nehmen kann.
Alles in allem gar kein schlechtes Buch, aber der Funke ist nicht übergesprungen und so blieb Begeisterung aus. Trotzdem bin ich mir sicher, dass es viele Fans finden wird.
"Was du fühlst, ist nie falsch. Dir mag es lästig sein oder unbequem, du magst dich dafür schämen - aber Gefühle sind nie falsch." (Seite 214)

Fazit: Irgendetwas hat nicht ganz gepasst. Mir war es zu viel San Francisco und zu viel Klischee bei der Geistergeschichte, die mir das Lesen dann verleidet haben, dabei sind besonders Amber und ihr Vater fein gezeichnete Charaktere. Ein Jugendbuch, das wichtige Themen anspricht und dazu noch ein großes Mystery-Element beinhaltet. Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass sich viele gemeinsam mit Amber in Nathaniel und seine Stadt verlieben werden.

Gesamtnote: 2-3
Charaktere: 2
Handlung: 2-3
Lesespaß: 3

Über die Autorin:
Nicole C. Vosseler, geboren 1972 in Villingen-Schwenningen, studierte Literaturwissenschaft und Psychologie in Tübingen und Konstanz, bevor sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit ihren Romanen „Unter dem Safranmond“, „Sterne über Sansibar“ und „Der Himmel über Darjeeling“ feierte sie große Erfolge. Die Autorin lebt am Bodensee – mit knapp zweitausend Büchern unter einem Dach. (Quelle)

Weitere Bücher des Autors:  


Donnerstag, 14. Februar 2013

[Rezension] Elisabeth Herrmann - Lilienblut

Quelle
Autor: Elisabeth Herrmann
Titel:
Lilienblut
Genre: Jugendthriller
Altersempfehlung: Ab 13 Jahren
Seiten:
448
Verlag:
cbt
Veröffentlichung: 18. April 2011
ISBN: 978-3570307625
Preis: 8,99 Euro
Lilienblut - bei Amazon
Lilienblut bei Osiander

Kurzinhalt: Es ist Sommer und der Rhein glitzert besonders silbern und verführerisch. Sabrina und ihre beste Freundin Amelie können stundenlang am Fluss sitzen, voller Fernweh und Hunger auf das, was Amelie »das Leben« nennt. Aber während Amelie vom Abhauen und der großen Freiheit träumt, scheint Sabrinas Zukunft festgelegt zu sein – soll sie doch den Weinberg ihrer Mutter übernehmen. Alles in Sabrina wehrt sich gegen dieses vorbestimmte Leben … Und dann lernen die beiden Mädchen einen Jungen kennen, der so ganz anders ist als alle Landratten und Winzersöhne. Von dem 19-jährigen Kilian, der mit seinem Schiff einsam am geheimnisvollen »toten Fluss« ankert, geht eine verstörende Anziehungskraft aus. Amelie verfällt ihm sofort – und will über Nacht mit ihm abhauen. Am nächsten Morgen findet man ihre Leiche. Und Kilians Schiff ist verschwunden… Nur Sabrina weiß, dass Kilian Amelies Mörder sein könnte.
Ein intensiver Psychothriller mit dunklem, verführerischem Sog: psychologisch glaubwürdig, atmosphärisch dicht, unwiderstehlich erzählt. (Quelle)

Meine Meinung:

"Er hörte den vielen Stimmen der Stille zu. Manche nannten den Ort verwünscht, das waren die Romantiker. Die sahen die Geister über dem Wasser. Andere nannen ihn verflucht. Das waren die Realisten. Die erinnerten sich an das, was hier geschehen war(...)." (Seite 9)
Thriller scheinen aktuell im Jugendbuchgenre eher etwas unterzugehen, wenn sie keine fantastischen Elemente beinhalten, denn Romantasy und Fantastic Thrill sind sehr beliebt. Aber es gibt sie noch und auch für Jugendliche: Thriller ganz ohne Fantasy.
Wie die meisten spannenden Thriller braucht auch dieser eine Leiche. Besonders hart trifft es den Leser, dass man Zeit bekommt die beiden Mädchen vor diesem Geschehen kennen zu lernen. So hat man nicht nur zur Protagonistin Sabrina, sondern auch zu ihrer besten Freundin Amelie längst eine Bindung aufgebaut, als sie tot aufgefunden wird und alle den mysteriösen Kilian verdächtigen. Mystery ist das Stichwort. Alles scheint unheimlich dort unten am Rhein, in dem Naturschutzgebiet, in dem Kilian mit seinem alten Kahn völlig unentdeckt vor Anker geht. 
Die Polizeit kommt nicht so recht voran, kein unbekannter Aspekt in dieser Art Geschichten, also versucht Sabrina auf eigene Faust etwas zu erfahren. Sie hat zwei Gründe: Zum einen war Amelie ihre beste Freundin und es gelingt ihr nur schlecht mit dem Verlust umzugehen. Zum anderen ist sie felsenfest davon überzeugt, dass es Kilian nicht sein kann. 
Hier kommt die berühmte Liebe auf den ersten Blick ins Spiel. Nicht nur Amelie verfällt ihm, auch Sabrina geht es ähnlich. Sie hat zwar auch einen gehörigen Respekt vor dem jungen Mann, aber bekommt ihn ebenso wenig aus dem Kopf. Sie sehnt sich nach ihm, obwohl sie ihn nur zweimal gesehen hat und er ihr beim ersten Mal doch sehr unheimlich war. 
Es kommt im Laufe der Geschichte noch zu einem weiteren Mordfall und das Mädchen ermittelt so gut es ihre Situation und ihr Können zulässt. Das bringt sie unter anderem ziemlich in Gefahr. 
Das bleibt aber nicht der einzige Handlungsstrang. Innerhalb der Geschichte spielt es eine große Rolle, dass Sabrina erwachsen wird. Ihre Mutter - eine Weinbäuerin - möchte, dass der Weinberg in Familienhand bleibt, aber Sabrina fühlt sich erdrückt von dieser Aussicht. Sie muss sich mit den Wünschen ihrer Mutter und ihren eigenen Wünschen auseinandersetzen, während die Liebe, der Tod und damit der Verlust ihr gleichzeitig jeden Nerv rauben und sie keinen klaren Kopf hat. Eine verzwickte und spannende Situation, die noch verkompliziert wird, als ein neuer Mann im Leben von Sabrinas Mutter auftaucht. 
Auf diese Weise können sich sicher sehr viele Jugendliche in das Mädchen hineinversetzen, denn neben den Mordfällen und dem mysteriösen Jungen hat Sabrina auch ganz normale Teenager-Probleme. 
Durch diesen normalen Alltag ergibt sich ein weiterer Vorteil für die Handlung: Der Autorin gelingt es hervorragend viele Charaktere in die Geschichte einzubauen, die möglicherweise mit den beiden Todesfällen im Zusammenhang stehen und der Leser kann lange Zeit nicht durchschauen, wer nun wirklich der Mörder ist. Natürlich hat man seine Vermutungen, aber man kann nicht wissen, ob man richtig liegt oder noch überrascht wird. 
Besonders ist dann noch das Gefühl, neudeutsch das Feeling, das Elisabeth Herrmann dem Leser vermittelt. Auch wenn man sich dort nicht auskennt und noch nie da war, bekommt man beim Lesen ein Gespür für das Leben direkt am Rhein mitsamt der Rheinschifffahrt und ebenso für das Leben als Weinbauer, das viele Entbehrungen und viel Arbeit mit sich bringt. Man fühlt sich bei Sabrina und ihrer Mutter schnell heimisch und das Gefühl für die Umgebung und Sabrinas Situation im Leser scheint die Autorin mühelos herbeizuzaubern.
Wie in diesem Genre üblich ist dieses Buch ein Einzelband und somit in sich abgeschlossen. Das Ende ist durchaus befriedigend, aber lädt gleichzeitig zum Träumen ein, um die Geschichte im Kopf doch noch etwas weiter zu spinnen.
"Gib mir die Worte, die ich so liebe. Gib mir einen Gedanken, einen Satz, ein Gedicht. Schenk mir einen Traum von dir, eine Geste, einen flüchtigen Blick im Vorübergehen, der mich streift und mich wärmt, weil ich weiß, dass du mich nicht vergisst." (Seite 243)

Fazit: Ein spannender Mystery-Thriller, der auch die Psychothrillerebene berührt. Hier wird für die Zielgruppe eine ungewöhnliche Situation mit den typischen Problemen eines Teenagers verbunden, was die Geschichte sehr authentisch macht. So fühlt der Leser mit der Protagonist und versucht gemeinsam mit ihr herauszufinden, wer ihre beste Freundin ermordet hat.


Gesamtnote: 2
Charaktere: 2
Handlung: 2
Lesespaß: 1-2

Über die Autorin: Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman "Das Kindermädchen" ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau mit Jan Josef Liefers vom ZDF, "Zeugin der Toten" mit Anna Loos in der Hauptrolle. Für dieses Buch erhielt sie den Radio-Bremen- Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Elisabeth Herrmann lebt mit ihrer Tochter in Berlin. (Quelle)

Montag, 11. Februar 2013

[Rezension] Brent Weeks - Die blendende Klinge

Quelle
Autor: Brent Weeks
Titel:
Die blendende Klinge
Originaltitel:
The blinding Knife
Reihe:
The Lightbringer
1. Schwarzes Prisma
2. Die blendende Klinge
3 und 4 in Vorbereitung
Genre:
High-Fantasy
Seiten:
960
Verlag:
Blanvalet
Veröffentlichung: 21.1.2013
ISBN:
9783442268337
Preis: 15,00 Euro
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Kurzinhalt:
Gavin Guile stirbt. Der hoch geehrte Lord Prisma glaubte, er hätte noch fünf Jahre zu leben – doch jetzt bleibt ihm nicht mal mehr eines. Viel zu wenig Zeit, um auch nur seine drängendsten Probleme zu lösen: Denn die alten Götter werden wiedergeboren und setzen sich an die Spitze einer unbesiegbaren Armee, die Tausende von verängstigten Flüchtlingen vor sich hertreibt. Gavins einzige Chance, dem tödlichen Chaos Einhalt zu gebieten, könnte ausgerechnet sein Bruder sein – dessen Leben er vor sechzehn Jahren raubte…(Quelle)

Meine Meinung:

"Ihr kommt jetzt mit uns" sagte sie.
"Natürlich", erwiderte Gavin.
"Das war keine Bitte."
"Doch, war es", widersprach Gavin. "Wenn man nicht die Macht hat, Gehorsam zu erzwingen, äußert man definitionsgemäß eine Bitte." (Seite 81)

Wie so häufig ist es ein Jahr her seit der erste Band erschienen ist und in der Zwischenzeit wurden dutzende andere Bücher gelesen. Also gilt es zu Beginn der Geschichte erst einmal im Gedächtnis zu kramen und zusammenzusetzen, was denn in Band 1 passiert ist. Brent Weeks liefert dafür durch die Gespräche der Charaktere eine Gedächtnisstütze, beginnt aber keine Nacherzählung. Das ist für alle jene, die das Glück haben die Bücher am Stück zu lesen, sehr angenehm. Und diejenigen, die sich gedulden mussten, müssen nun eben erst einmal ein wenig grübeln. Aber schnell kommt die Geschichte wieder ans Tageslicht, denn schon der erste Teil konnte voll auf überzeugen. 
Der Leser geht wieder an der Seite der bekannten Charaktere: Kip, Karris, Gavin und Dazen. Sie alle haben ihre besonderen Eigenarten, sind besonders fein herausgearbeitet und charakterisiert. Auch Liv begegnen wir wieder. Diese kommt meiner Ansicht nach aber etwas kurz, um sich wirklich in sie hineinzufühlen. Sie ist ja zur Seite des Farbprinzen gewechselt und die kurzen Ausschnitte geben zwar einen Einblick in das feindliche Lager, aber lassen nur wenig Zeit, um sich als Leser näher mit Liv zu identifizieren.  
 "Freiheit ist nicht das höchste Gut. Die Macht ist es. Denn ohne Macht kann dir deine Freiheit genommen werden." (Seite 514)
Dafür folgt man Kip, Karris und Gavin bzw. auch Dazen umso intensiver. Sie werden noch genauer dargestellt. Der Leser begleitet Kip auf seiner Ausbildung in der Schwarzen Garde, was der Autor nutzt, um auch das Magiesystem weiter zu erläutern. Dieses steht natürlich auch im engen Zusammenhang mit Gavin und mit dessen Sterben. Wunderbar verschachtelt und verzwickt ist die Situation. Das fordert die Aufmerksamkeit des Leser, aber weckt auch eine Menge an Interesse. 
Außerdem gelingt es so dem Autor den Leser mit den Handlungen seiner Charaktere immer wieder zu überraschen. Jedes Mal, wenn man meint, man habe sie durchschaut - insbesondere Gavin, Karris, die Weiße und auch Kips Großvater -, tun sie etwas, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hätte. Dabei entstehen aber keine Logikfehler, den diese Handlungen werden dann im Nachhinein wieder sauber aufgelöst und erklärt. Gerade hier lässt sich der Handlungsstrang um Gavin und Dazen, der ja schon im ersten Teil besonders vertrackt ist, besonders gut anführen. Er wird am Ende aufgelöst, aber ganz anders als der Leser sicherlich erwartet. 
Oft scheint über recht weite Teile nicht viel zu passieren. Kips Ausbildung schreitet voran, er muss sich behaupten. Gavin stirbt langsam und versucht nebenbei noch den Krieg zu gewinnen. Es gibt kleinere Scharmützel. Gavins und Karris Beziehung wird vertieft. All das geschieht oft ohne großes Brimborium, sodass man beim Lesen Sitzfleisch mitbringen muss. Die Geschichte erfordert Zeit und sie verlangt Konzentration, denn wenn eigentlich nur Alltagssituationen beschrieben werden, passiert manchmal doch etwas Wichtiges, was der Leser nicht verpassen sollte. Damit ist die Geschichte nicht mal eben schnell zu lesen. Man muss davon ausgehen, dass auch das gewöhnliche Lesetempo stark gedrosselt ist, wenn man die Geschichte vollauf genießen möchte. Doch es lohnt sich Muße, Zeit und etwas Geduld mit zubringen. Wer sich ganz auf Brent Weeks einlässt, wird ihm verfallen und die Charaktere, ebenso wie die Geschichte lieben. 
Abschließend bleibt noch darauf hinzuweisen, dass wir noch zweimall das Vergnügen mit dem Lichtbringer haben werden, denn aus der geplanten Trilogie werden nun vier Teile, also eine Tetralogie.
"Was ist nun die erste Grundregel des Einfach-Davonlaufens?", erkundigte sich Gavin. (...)
"Wer einfach davonlaufen will, darf nicht mit Logik oder praktischem Denken daherkommen. Das weiß doch jeder."
"Aha. Also können wir doch nackt davonlaufen?" (Seite 839)

Fazit: Die Geschichte, die hier erzählt wird und die Art und Weise sind ganz große Kunst. Man muss sich darauf einlassen dem Autor in seine fremde Welt und in seinem Tempo zu folgen. Wenn einem das gelingt, erlebt man Fantasy der Spitzenklasse. Dieser zweite Teil der Licht-Tetralogie fordert die volle Aufmerksamkeit des Lesers, belohnt ihn aber zugleich mit einer herausragenden Geschichte.

Gesamtnote:1
Charaktere:1
Handlung: 2
Lesespaß: 1

Die blendende Klinge - bei Osiander 
Die blendende Klinge - bei Amazon

Dieses Buch ist etwas für dich, wenn dir folgende gefallen haben: 
 
Über den Autor: Brent Weeks betrachtete das Schreiben fantastischer Geschichten schon immer als seine Berufung, inzwischen ist es auch sein Beruf geworden. Brent Weeks lebt mit seiner Frau in Oregon. (Quelle) 

Weitere Bücher des Autors:  



 

Freitag, 8. Februar 2013

"Meine" Buchhandlung - Osiander

Wenn man in Tübingen wohnt und Bücher liebt, kommt man an einer Buchhandlung nicht vorbei: Osiander.
Es gibt hier insgesamt fünf Filialen. Davon besuche ich vier regelmäßig. Und eine liegt direkt auf meinem Weg zur Uni. Ihr seht, wo das Problem ist? ;-) 

Vielleicht hat es der eine oder andere schon bemerkt: In den letzten Rezensionen von mir gibt es nicht nur ein Link, um das Buch bei Amazon zu verkaufen, sondern auch ein Link zu Osiander. Aus diesem Grund möchte ich euch heute "mein" Osiander, also die Buchhandlung, die ich am meisten besuche und den Hintergrund dieser Verlinkung vorstellen.

Gegründet wurde Osiander als Druckerei, Verlag und Buchhandlung und das schon im Jahr 1596. Damals war die erste Filiale noch in der Langen Gasse in Tübingen angesiedelt. Seitdem gab es einige Umzüge und auch Verkäufe bis 1920.
In diesem Jahr kaufte Richard Jordan sie und zog mit ihr in die Wilhelmstraße 12 um. Dort ist sie noch heute und noch heute ist sie der Hauptsitz und ebenso ist sie noch heute in der Hand der Familie. Denn nach Richard Jordans Tod geht der Besitz erst auf seine Frau und dann auf seine Tochter Brigitte Riethmüller über. Inzwischen hat die vierte Generation die Geschäftsleitung übernommen und sich längst über die Wilhelmsstraße hinaus vergrößert.
Mit der Übernahme der Buchhandlung Lindemann in Stuttgart im Jahr 2013 gibt es nun 28 Filialen im gesamten Südwesten der Republik.
Heute gehört Osiander zu den 10 größten Sortimentsbuchhandlungen und ist die zweitgrößte familiengeführte Buchhanlung. (Quelle zur Geschichte)

Hauptsitz ist und bleibt aber die Studentenstadt Tübingen und dort die Filiale in der Wilhelmstraße. Die Straße übrigens, in dessen weiteren Verlauf auch die Universitätsgebäude der Geisteswissenschaften zu finden sind. Also zum Beispiel auch Germanistik und Geschichte, was ich ja studiere. 
Also. Lasst uns mal einen Blick hineinwerfen:

Die Buchhandlung erstreckt sich über drei Etagen mit zwei kleinen Zwischenetagen. Ich kann euch nicht alles zeigen, darum gibt es Ausschnitte aus den Bereichen, die ich am meisten nutze.



 Alle Bilder werden beim Draufklicken größer

Ich nenne das hier mal liebevoll: Meinen "Unibereich", leicht sentimental und melancholisch. Einige wissen es ja: Mein Studium ist fast vorbei, daher werde ich wohl kaum noch etwas aus diesem Bereich kaufen. Aber hier konnte ich mich immer mit Reclam-Heftchen oder Lehrbüchern eindecken. Und was sie nicht da hatten war schnell bestellt. In die Filiale oder auch portofrei nach Hause.

Aber immer nur Unibücher wäre ja langweilig.
Seit einiger Zeit gibt es den Kinder- und Jugendbuchbereich auch in der Wilhelmstraße:
 Seid ehrlich: Wer kann hier vorbeigehen, ohne etwas kaufen zu wollen?
"Rot wie das Meer", "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", "Wir beide, irgendwann", "Saeculum", "Die Ankunft", "Panem", "Die Königliche" - Hier stehen unsere Liebling in Reih und Glied. Ich könnte immer etwas kaufen.


Mein nächstes großes Steckenpferd ist die Fantasy. Auch die ist hier zu finden:

Auch hier gibt es noch einmal Panem, aber eben auch High-Fantasy. Patrick Rothfuss und Markus Heitz sind vertreten. Außerdem auch meine aktuelle Lektüre: Die Licht-Trilogie von Brent Weeks.


Aber Buchhandlungen können schon länger nicht mehr nur Bücher verkaufen. Sie müssen mit dem Puls der Zeit gehen. Jetzt kurz vor Valentinstag gibt es die passende Dekoration und passende Geschenke. Ich Buchform, aber auch non-books. Kleine Geschenke in Herzform für den Lieblingsmenschen. 

Wirklich schlimm ist, dass ich hier IMMER etwas finde, was ich kaufen kann. Selbst als ich die Bilder gemacht habe, konnte ich nicht ohne Einkaufstüte den Laden verlassen. Immer wieder bin ich auch nur dort, um liebevoll die Bücher zu bewundern.
Es gibt natürlich auch Thriller, (historische) Romane und eine Hörbuch-Ecke. Außerdem noch Bereiche für Kunst, für Medizinier, für Reisen oder Tierliebhaber. Es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

Das ist also meine Buchhandlung des Vertrauens und auch die, die ich wirklich am meisten besuche. Es gibt - wie erwähnt - in Tübingen weitere Filialen. Habt ihr Interesse, dass ich euch diese auch noch vorstelle? 

Und kommen wir auf den Anfang zurück:
In Zukunft wird es in jeder Rezension auch einen Link zur Webseite der Osianderschen Buchhandlung geben. Wenn ihr über diesen Link geht, um bei Osiander etwas zu bestellen (portofrei!), dann bekomme ich einen Prozentsatz dessen, was ihr zahlen müsst, von Osiander. Dieses Geld, was damit zusammenkommt, werde ich dann nutzen, um für euch Bücher zu kaufen und Gewinnspiele zu veranstalten. Ist das ein Deal?

Mittwoch, 6. Februar 2013

[Rezension] Kai Meyer - Arkadien brennt

Quelle
Autor: Kai Meyer
Titel:
Arkadien brennt
Reihe: 

1. Arkadien erwacht
2. Arkadien brennt
3. Arkadien fällt
Genre:
Jugendbuch/Fantasy
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
400
Verlag:
28. September 2010
Veröffentlichung: Carlsen
ISBN:
978-3551582027
Preis: 19,90 Euro 
Arkadien brennt  - bei Amazon
Arkadien brennt - bei Osiander

Kurzinhalt: Menschen, die sich in Tiere verwandeln. Blutfehden zwischen Mafiaclans. Die verbotene Liebe zu Alessandro ... Rosa braucht dringend Abstand zu den Ereignissen auf Sizilien. Auf den Spuren ihres alten Lebens reist sie zurück nach New York. Aber auch dort kommt sie nicht zur Ruhe. Die mächtigen Stellvertreter der amerikanischen Clans erwarten sie bereits. Dann stößt Rosa auf beunruhigende Details über ihre Vergangenheit. Und über ihren toten Vater. Aber warum spielt dabei immer wieder Alessandro eine Rolle? In Rosa keimt ein schrecklicher Verdacht ... (Quelle)

Meine Meinung:
"Jeder Scheißhaufen auf ihrem Weg schien nur darauf zu warten, dass sie hineintrat. Alles eine Sache der Gewöhnung." 
"Arkadien brennt" ist der mittlere Teil der Arkadien-Trilogie und diese Bände lassen sich keinesfalls getrennt voneinander lesen, denn die Handlung des zweiten Bandes baut direkt auf dem ersten auf. "Arkadien erwacht" lässt den Leser zwar nicht mit einem dieser ungeliebten großen Cliffhanger zurück, aber es ist klar, dass die Geschichte weitergehen muss und wer Band 1 gelesen hat, weiß auch, dass er die Folgebände lesen muss, denn Rosa und Alessandro wachsen einem schnell ans Herz und die Geschichte hält viel Spannung bereit. Natürlich sind aus dieser Konstellation heraus auch für die folgende Rezension Spoiler des ersten Bandes möglich.
Kai Meyer schafft es die aufgenommene Handlung und viele Elemente aus dem Anfang fortzuführen und gleichzeitig etwas Neues aufzubauen, sodass keine Langweile aufkommt. So ist es der Fall, dass man weiterhin diesen Roman nicht als das absolute Fantasybuch lesen sollte, in dem an jeder Ecke magische Geschöpfe auftauchen oder fantastische Geschehnisse die Charaktere aus der Bahn werfen. Dieser Roman spielt in der Gegenwart und die Fantasyelemete werden vor den Augen der normalen Mitbürger versteckt. Aus diesem Grund kann rein logisch gar nicht auf jeder Seite davon die Rede sein. Das heißt aber nicht, dass keine Spannung aufkommt, denn es spielt ja auch die Mafiageschichte eine große Rolle und die Liebesbeziehung zwischen Alessandro und Rosa. Dazu kommen Mystery-Elemente, die die gesamte Situation noch aufpeppen und aus Sicht der Protagonisten sicherlich verkomplizieren.
Das komplette erste Drittel spielt überraschenderweise aber nicht auf Sizilien, wohin Rosa im ersten Band gekommen ist und auch nicht auf italienischem Festland. Rosa kehrt nach New York zurück. In ein New York, das sich verändert hat. Oder hat sie sich verändert? Sie will endlich mit ihrer Vergangenheit und vor allem mit ihrer Mutter aufräumen. Dabei werden aber viele dunkle Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit erzählt. Im Großen und Ganzen ist das Hauptproblem und der Dreh- und Angelpunkt dieses zweiten Bandes Rosas Vergangenheit, zum einen was ihre Familie und vor allem ihren Vater angeht, aber auch die Geschehnisse vor einem Jahr, die das Mädchen in eine Krise gestürzt haben, haben weit mehr Bedeutung für die Handlung als zunächst angenommen.
Natürlich werden im Verlauf nur ein Teil dieser Fragen beantworten und manchmal eher noch mehr aufgeworfen. Der Leser darf ja zum Glück hoffen und davon ausgehen, dass alle offenen Fragen im Abschlussband geklärt werden.
Etwas zu bedauern ist, dass nicht mehr ganz die Faszination aus Band 1 erreicht werden kann. Das lag für mich in weiten Teilen daran, dass Rosa normaler ist. Sie hat viele Macken, viele Spleens kann man sagen und viele davon bekommt sie nun in den Griff. Das ist für sie einerseits natürlich von Vorteil, aber ich habe diese vermisst.
Die Beziehung zwischen Rosa und Alessandro bleibt kompliziert. Nicht nur weil sie eben aus verschiedene Familien stammen und dieses "Romeo-und-Julia-Problem" zwischen ihnen steht, sondern daraus ergibt sich immer wieder die Frage, ob sie einander vertrauen können. Hauptsächlich Rosa entwickelt nervenaufreibendes Potenzial, wenn sie sich oder ihn diese Frage zum wiederholten Male stellt.
Auf der anderen Seite fallen diese Punkte nicht so weit ins Gewicht, dass man von einer nervigen Beziehung sprechen kann. Es gibt auch schöne und lustige Szenen der beiden. Vor allem der Umstand, dass sie ihre Verwandlung bei starken Gefühlen kaum kontrollieren können, bewirken bei den Protagonisten Frust. Mich als Leser ließ es schmunzeln.
"Weißt du, die Leute lügen, wenn sie sagen, nichts sei so stark wie die Liebe. Das ist eine der größten und gemeinsten Lügen überhaupt. Liebe ist nicht stark. Sie ist so verletzlich wie nur irgendwas. Und wenn wir nicht achtgeben dann zerbricht sie wie Glas." 

Fazit: Alles in allem führt der Autor hier seine Geschichte würdig fort. Es werden Mystery-, Action und Liebeselemente zu einer spannenden Geschichte vereint, die einige rasante Szenen mit sich bringt, aber auch viel Gefühl oder gemeinsames rätseln mit den Protagonisten über die Zusammenhänge. Jedem zu empfehlen!

Gesamtnote: 2
Charaktere: 2
Handlung: 1-2
Lesespaß: 1-2

Über den Autor:
Kai Meyer, geboren 1969, studierte Film- und Theaterwissenschaften und arbeitete als Journalist, bevor er sich ganz auf das Schreiben von Büchern verlegte. Er hat inzwischen über fünfzig Titel veröffentlicht, darunter zahlreiche Bestseller, und gilt als einer der wichtigsten Phantastik-Autoren Deutschlands. Seine Werke erscheinen auch als Film-, Comic- und Hörspieladaptionen und wurden in siebenundzwanzig Sprachen übersetzt. (Quelle)
Weitere Bücher des Autors (Auswahl):