Donnerstag, 30. Januar 2014

[Rezension] Allen Zadoff - Boy Nobody: Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder.

Autor: Allen Zadoff
Titel:
Boy Nobody - Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder
Originaltitel:
Boy Nobody
Reihe: weitere Bände in Planung
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 14-17 Jahre
Seiten:
336
Verlag:
bloomoon
Veröffentlichung: 3. September 2013
ISBN:
978-3845800059
Preis: 16,99 Euro
 Boy Nobody - bei Osiander

Klappentext:
 
Mit 12 Jahren wurde er rekrutiert, um tödliche Missionen zu „erledigen“. Mit 16 ist BOY NOBODY einer der Besten. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Weil er seine Zielobjekte schnell und effektiv aus dem Weg räumt.
Seine aktuelle Mission ändert jedoch alles: Denn die Zielperson ist ganz und gar nicht, was sie scheint. Und sie kommt ihm gefährlich nahe. Zu nahe.
Aber BOY NOBODY wird auch diesen Auftrag erfolgreich zu Ende bringen. Weil er einer der Besten ist. Weil er keine Fehler macht. Weil er eiskalt ist. Oder etwa nicht …? 
(Quelle)

Meine Meinung:
"Ich habe einem anderen Menschen das Herz gebrochen, sein Leben von Grund auf verändert. um Glück fühle ich nichts dabei." (Seite 16)
 Dass Boy Nobody, der für seine Aufträge wechselnde Namen annimmt, keine Gefühle hat und nichts empfindet, wird dem Leser sehr schnell deutlich. Nicht nur seine Handlungen weisen unmissverständlich daraufhin, auch die Sprache.
Er ist der Ich-Erzähler dieser Geschichte und Emotionen sind seinen Gedanken zunächst völlig fremd. Das ist einerseits gut vom Autor umgesetzt und man versteht auch schnell, was er damit vermitteln will, aber es entsteht automatisch die Schwierigkeit, dass der Leser kaum eine Bindung zu dem Protagonisten aufbauen kann. Auch die anderen Charaktere bleiben für ihn eher distanziert, denn wir sehen sie nur durch die Augen des trainierten Hauptcharakters, der nichts fühlen soll.  
Um echtes Konfliktpotzenzial entstehen zu lassen, wird diese Haltung natürlich aufgweicht. Der Junge, der im Übrigen erst 16 Jahre alt ist, beginnt an seinen Auftraggebern, die für ihn wie Mutter und Vater sind, zu zweifeln und fühlt nun doch etwas - ist es Liebe?
Trotzdem muss er einen Auftrag erfüllen, er ahnt, was ihm sonst droht und bisher fiel es ihm auch  nie schwer Menschen zu töten.
Dies ist ein zentrales Thema der Geschichte und damit geht ein hoher Grad an Brutalität und Gewalt einher. Mehrere Menschen werden getötet und besonders zum Ende hin und in den Rückblenden sind Szenen dabei, die ich nicht für Jugendliche empfehlen würde. Hier muss jeder ganz bewusst entscheiden, ob dies das richtige für die Altersklasse ist. 

"Man muss nicht Gott sein, um über Leben oder Tod zu entscheiden. Man muss nur bereit sein, die Konsequenzen zu tragen." (Seite 15)

 Die Handlung an sich war für mich schnell vorhersehbar. Die Spannungskurve fiel ab diesem Moment natürlich deutlich ab. Für nicht so geübte jugendliche Leser wird das vermutlich anders sein. 
Leider bleiben die Charaktere zu entfernt und man keine ausreichende emotionale Bindung als Leser zu ihnen aufbauen, obwohl die Entwicklung, die der Hauptcharakter durchmacht nicht unbemerkt bleibt. Aber alle auftretenden Personen sind entweder zu blass gezeichnet und der gewünschte Eindruck bleibt aus oder sie sind überzeichnet und wirken damit klischeehaft.
Das ist schade, denn an sich hat die Geschichte Potenzial, auch wenn sie das Rad nicht neu erfindet. Gerade in Jugendbüchern ist dies ja oft gar nicht notwendig. 
Besonders zu schaffen macht mir das Ende. Wären Erwachsene das Zielpublikum, hätte ich keine Bedenken, aber so ist es für mich ein großes Manko. Es macht den Eindruck, dass Boy Nobody komplett in alte Muster zurückfällt und kaum etwas bis gar nichts aus den letzten Tagen, die der Leser miterlebt hat, gelernt hat. Dies ist in seiner Situation äußerst fragwürdig, wenn man davon ausgehen muss, dass jugendliche Leser sich mit dem Protagonisten identifizieren und identifizieren wollen.
"Bevor man eine Entscheidung trifft, gib es immer einen kritischen Moment", sagt er. "Der Moment, in dem einem bewusst wird, dass der eigene Entschluss auch für andere Menschen Konsequenzen hat, oder nicht?" (Seite 1379

Fazit: Dieses Buch macht es mir nicht leicht. Ich musste mich nicht durchquälen oder ähnliches. Die Geschichte liest sich flott und ist an sich auch recht ansprechend. In der kritischen Bewertungen fallen aber viele Punkte auf, die irgendwie fragwürdig und - auf das Ende bezogen - für ein Jugendbuch sogar grenzwertig sind. Ich selbst würde es Jugendlichen nicht empfehlen, obwohl sie vermutlich Lesespaß daran hätten, denn es ist nicht abzuschätzen, was genau von der Handlung in ihrem Kopf haften bleibt.

Gesamtnote: 3-4
Charaktere: 3-4
Handlung: 3-4
Lesespaß: 3

Über den Autor:
Allen Zadoff hat 2010 mit Food, girls and other things I can't have den Sid Fleischmann Humor Award gewonnen. Er lebt in Los Angeles, wo er an Boy Nobodys weiterem Schicksal arbeitet... (Quelle)

Kommentare:

  1. Schade, das Buch hört sich eigentlich super an, ich werde es auf jeden Fall mal im Auge behalten.

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  2. Hallöchen,
    schöner Blog und tolle Rezi! Ich hatte dieses Buch eigentlich mal auf meine WULI gesetzt, aber nach deiner Rezi muss ich es mir nochmals überlegen! Ich bin auch gleich mal Leserin bei dir geworden! Wenn du möchtest kannst du ja gerne mal bei mir vorbeischauen: http://garfieldsbuecherecke.blogspot.co.at/ Würde mich sehr freuen!
    LG Cornelia

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