Sonntag, 23. März 2014

[Rezension] Sarah Butler - Alice, wie Daniel sie sah

Autor: Sarah Butler
Titel:
Alice, wie Daniel sie sah
Originaltitel:
Ten Things I've Learnt About Love
Genre:
Belletristik
Seiten:
320
Verlag:
Knaur
Veröffentlichung: 3. März 2014
ISBN: 9783426514092
Preis: 14,99 Euro

Klappentext:
Für den obdachlosen Daniel ist jeder Buchstabe mit einer Farbe verbunden. Seit Jahren streift er durch London und sammelt Papierschnitzel und andere achtlos weggeworfene Dinge in den Farben, die den Namen seiner Tochter bilden: Eisblau für A, Gold für L, Rosa für I, Dunkelblau für C, Grau für E - Alice. Daraus formt er kleine Kunstwerke, die er für sie in der Stadt verteilt. Daniel hat seine Tochter noch nie getroffen. Bis ihm der Zufall eines Tages ihre Adresse zuspielt. (Quelle)

Meine Meinung:

"Wenn man lange genug still an einem Ort stehen bleibt, kann man anfangen sich zu Hause zu fühlen." (Seite 315) 

Betrachtet man den Titel für sich, kommt man sicher recht schnell auf den Gedanken, es müsste sich um eine Liebesgeschichte handeln. In dieser könnten Daniel und Alice die Hauptrollen spielen und sich ineinander verlieben.
So ist es aber nicht. Alice und Daniel sind die Protagonisten, aber sie sind Vater und Tochter und kennen sich nicht. Zusätzlich geht Alice davon aus, dass ihr Vater im Sterben liegt. Dies ist der Mann, der sie großgezogen hat, aber immer wusste, dass Alice nicht seine leibliche Tochter ist. Daniel - obdachlos und vom Leben gebeutelt - sucht Alice, obwohl er nur ihren Namen kennt auf seine ganz eigene Weise.

"Ich setze mich auf eine der Bänke, sehe zur Uhr hinauf und frage mich, ob es noch andere Leute wie mich gibt, die überall in der Stadt Nachrichten hinterlassen und darauf hoffen, dass jemand sie versteht." (Seite 50)

Der Leser hält ein sehr ruhiges Buch in seinen Händen, auf das er sich einlassen muss. Im Mittelpunkt stehen die schon im Titel genannten Charaktere, alle anderen verkommen eher zu schmückendem Beiwerk und bleiben blass. Dafür erlebt man Daniel und Alice umso intensiver. Es wird wechselnd erzählt und besonders mit Daniel erlebt man immer wieder Zeitsprünge, in die Vergangenheit. Der Leser erfährt, wie er Alice Mutter kennen gelernt hat und warum nie Kontakt zu seiner Tochter bestand.
In der ganzen Geschichte wartet man darauf, dass sie sich treffen, dass sie sich endlich aussprechen und alles klären, was da zwischen ihnen steht. Recht früh hat Daniel nämlich ihre Adresse und begegnet ihr zum ersten Mal - vorerst ohne mit ihr zu sprechen. Während man eben auf diese Szene und Situation wartet, muss man achtgeben, dass man die wahre und richtige Geschichte nicht verpasst, denn es geht um viel mehr als um einen Vater, der seine Tochter wiederfindet. 
Wichtige Themen werden angesprochen und das Thema "Familie", das in der heutigen Zeit oft zur Nebensache verkommt, in den den Mittelpunkt gerückt. Die biologische Familie ebenso wie die Familie, bei der man aufgewachsen ist, prägen unser Leben und gleichzeitig muss man sich unabhängig von ihnen einen Platz in der Welt suchen.
Die Idee mit den Farben, die für Daniel einen Buchstaben symbolisieren, finde ich sehr überzeugend, hätte mir aber gewünscht, dass dieser Grundgedanke noch mehr zum Tragen kommt und mehr Bedeutung gewinnt.

"Du kannst niemanden vermissen, den du nie gesehen hast, aber ich vermisse dich." (Seite 95)

Fazit: Ein Buch für die leisen Zwischentöne, die wir oft im hektischen Alltag gar nicht heraushören. Man muss sich darauf einlassen und darf, weil man die eigenen Erwartungen erfüllt sehen will, die richtige Geschichte nicht verpassen.

Gesamtnote: 2-3
Charaktere: 2
Handlung: 2-3
Lesespaß: 2-3

Über die Autorin:
Sarah Butler ist Anfang Dreißig und lebt in Manchester. Sie ist Geschäftsführerin eines Beratungsunternehmens, das literarische und künstlerische Projekte vorantreibt. Sie war Stipendiatin verschiedener Literaturförderungen und unterrichtete Kreatives Schreiben am British Council in Kuala Lumpur. "Alice, wie Daniel sie sah" ist ihr erster Roman, der in dreizehn Sprachen übersetzt wurde. (Quelle)

Kommentare:

  1. Das klingt auf jeden Fall sehr interessant! Ich hätte tatsächlich eine Liebesgeschichte erwartet bei dem Titel, aber so ist es viel spannender! :)

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  2. Eine schöne Rezension. ich fand das Buch auch total schön. Lg Petra

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  3. Eine sehr schöne Rezension, mit diesem Inhalt hätte ich nicht gerechnet. Beim Anblick des Covers wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, diese Story zu erwarten.

    LG Piglet ♥

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  4. Hey,
    prinzipiell hört sich das ja nach einer guten Geschichte an, aber irgendwie klingst du gerade noch so skeptisch ...?
    Ich dachte auch es wäre eine Liebesgeschichte. Finde es aber nicht schlimm, dass es keine ist.

    LG Nanni

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  5. Ich hätte aufgrund des Covers und des Titels auch eher etwas anderes vermutet. Deine Rezension ist wirklich toll und macht das Buch gleich interessant :)

    GLG Nadine

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  6. Das Buch werde ich nächste oder übernächste Woche lesen. Irgendwie gibt es zu viele schöne Bücher, aber die Zeit für alle fehlen mir v.v

    Liebe Grüße
    http://schneefloeckchen.blogspot.de/

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