Mittwoch, 11. Juni 2014

[Meine Gedanken zu...] "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak

Es gibt Bücher, um die man nicht drumherum kommt.
Das sind Bücher, die man in der oder für die Schule/Uni lesen muss und das sind Bücher, die lange Zeit in aller Munde sind.
Mir ging es ganz definitiv so mit "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak. Ich kam nicht drumherum,
es war immer klar: Das MUSST du mal lesen.
Ich wollte aber nicht.
Buchblogger haben geschwärmt. Es gibt Buchblogs und Buchblogger, die sich nach diesem Buch bzw. nach der Protagonistin benannt haben. Ich habe im Prinzip nur Gutes gehört. Dann kam auch noch der Film in die Kinos - den ich bisher noch nicht gesehen habe - und wieder flammte das "Gerede" auf, dass dieses Buch so unglaublich gut sei. Dann wurde es auch noch in der Schule empfohlen, weil man es gut mit seinen SuS lesen könnte.
Ich habe mich erst einmal weiter gedrückt.
Warum?

Es gibt Themen, mit denen man einfach überlastet wurde.
Für mich ist dieses Thema der zweite Weltkrieg, die Nazizeit. In der Schule wurde es - gefühlt - in jedem Schuljahr in Geschichte 80% der Zeit behandelt, in Deutsch haben wir mindestens zwei Bücher gelesen, die in dieser Zeit spielten. Im Geschichtsstudium scheint das immer im Mittelpunkt zu stehen - zumindest nimmt man immer irgendwie Bezug drauf.
Jetzt - da ich ja selbst unterrichte - bin ich auf der anderen Seite und weiß: Dreimal steht der Nationalsozialismus fest verankert im Bildungsplan. Wie oft man sich in Deutsch anhand von Literatur damit beschäftigt ist nicht festgelegt.

Ich will gar nicht bestreiten, dass dieses Thema wichtig ist. ES IST WICHTIG! Schüler müssen darüber nachdenken - auch mehr als einmal, in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung und ich unterrichte dieses Thema jetzt sogar gerne.
Aber ich habe (hatte!) bisher keinen Roman gelesen, der in dieser Zeit spielt, der mich fesseln und begeistern konnte.
Das hat sich jetzt geändert.
Ja, ich komm endlich wirklich auf das Buch zu sprechen. 

Schon der Beginn hat mich umgehauen, mich gefesselt. Die Geschichte wird immer wieder - alle zwei Seiten ungefähr - unterbrochen. Also grafisch unterbrochen. 
Und das beginnt schon auf Seite 1. 
Nebenstehend ein kleines Beweisbild. Diese Art Unterbrechungen, die jeweils verschiedene Titel tragen, folgen nun durchgehend immer wieder. 
Über weite Teile der Geschichte könnte man meinen, dass es einen auktorialen Erzähler gibt, also einen Er-Erzähler, der alles weiß, aber dem ist nicht so. Wir haben einen Ich-Erzähler und erst nach und nach wird wirklich klar, wer dieser Erzähler ist. Und sobald man es ganz genau weiß, macht es dieses Buch noch spannender und noch besonderer, denn aus seiner Perspektive wurden bisher nur ganz wenige Bücher geschrieben. 

Ich muss mich anschlißen und sagen: Lest dieses Buch! Es ist etwas ganz Besonderes. Und unterstreichen möchte ich dies, indem ich euch noch ein paar Zitate mitgebracht habe:

Wisst ihr, ich sehe sie oft, wenn ein Mensch stirbt, diese Finsternis, trotz all der Farben, die das, was ich in der Welt wahrnehme, berühren und durchdringen.
Ich habe Millionen Finsternisse gesehen. 
Ich habe sie schon so oft gesehen, dass ich mich nicht mehr an sie erinnern will. (Seite 18)

Im Verlauf ihrer Beobachtungen bemerkte Liesel einige Gemeinsamkeiten zwischen den Fremden und sich selbst. Beide waren in einem Zustand der Erschütterung in der Himmelstraße angekommen. Beide hatten sie Albträume.  (Seite 228)

"Ich bin so ein Idiot."
Nein, Papa.
Du bist nur ein Mensch.
Die Worte fielen ihr über ein Jahr später ein, als sie im Keller schrieb.
Sie wünschte, sie hätte sie damals schon gehabt. (Seite 433)

Nein, dachte Liesel, während sie nach Hause ging. Mein Herz ist müde. Ein dreinzehnjähriges Herz sollte sich nicht so anfühlen (Seite 458)

Eine letzte Anmerkung eures Erzählers
Ich bin von Menschen verfolgt. (Seite 586)

Kommentare:

  1. Huhu =)
    Oh, das ist aber ein schöner Beitrag und ich bin so glücklich, dass ich dieses Buch tatsächlich gewonnen habe und es bei mir eingezogen ist!
    Wunderbare Worte und ich freue mich sehr darauf, dass Buch zu lesen.

    Ganz liebe Grüße
    Katie

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  2. Das Buch war wirklich besonders. Ich hab mich auch ein bisschen davor gedrückt, aber nicht wegen dem 2. Weltkrieg, sondern, weil ich eigentlich nicht so gerne total emotionale Bücher lese. Also schon manchmal aber eben nicht so viele :D Das hat mir auch erst mal für die nächsten 2-3 Monate gereicht :)
    Lg Ker Stin

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  3. Wie schön, dass du dem Buch doch eine Chance gegeben hast und dafür belohnt wurdest.
    Ich bin tendenziell bei so mega gehypten Büchern sehr vorsichtig, aber dieses Buch gehört zu den wenigen Perlen, die ihn auch meiner Meinung nach verdienen ;)
    Deine Gründe für dieses "späte" (naja, soweit man das bei Büchern sagen kann. Du weißt ja, was ich meine) Lektüre fand ich aber sehr interessant und ich bin froh, dass du die Gedanken mit uns geteilt hast :) Ich kann dir da auch in gewissem Maße nachempfinden, denn das Thema "Der 2. Weltkrieg" wird wirklich bis zum Erbrechen in allen mäglichen Schulfächern behandelt. Bei mir kam irgendwann ein ähnlicher Punkt, den ich aber mittlerweile auch überwunden habe. Ich mag mich zwar immernoch nicht mehr so dezidiert mit den "abstrakten Fakten und Daten" beschäftigen, denn die kenne ich einfach wirklich. Was ich aber immer wieder interessant finde, sind solche Einzelschicksale. Auch, wenn sie fiktiv sind :)

    Liebe Grüße
    MelMel

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  4. Ich stehe noch in der Reihe "Habs gekauft, muss noch lesen, sträube mich dagegen", was in meinem Fall doppelt paradox ist, weil ich vom gleichen Autor den "Joker" gelesen habe und vom Schreibstil in dem Buch extrem fasziniert war ^^ Hoffentlich krieg ich das Buch auch irgendwann noch vor die Nase :)

    Liebe Grüße :)

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