Donnerstag, 10. Juli 2014

[Rezension] John Lucas - No Way Back

Autor: John Lucas
Titel:
No Way Back
Originaltitel:
Turf
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Seiten:
336
Verlag:
cbt
Veröffentlichung: 12 Mai 2014
ISBN:
978-3570309063
Preis: 7,99 Euro

Klappentext: Dein Leben ist nichts, deine Gang ist alles.
Bisher war Jays Gang-Dasein in der Londoner Vorstadt nur ein schräges Kinderspiel aus Drogen, Party und Gewalt. Die härtesten Entscheidungen: welche Klamotten man anzieht oder welchen Schokoriegel man kauft. Doch an seinem 16. Geburtstag wird Jay zu den "Olders" aufsteigen, und dazu muss er beweisen, dass er alles für seine Brüder tun würde. Als Jay ein Mitglied aus einer rivalisierenden Gang umbringen soll, merkt er, dass die Entscheidungen über Leben und Tod nicht bei ihm liegen. Aber es gibt kein Zurück mehr...
Schonungslos, aufwühlend und berührend – dieses Buch lässt niemanden kalt (Quelle)

Meine Meinung:

"Die Boys beherrschten die Siedlung, und ich fand bald heraus, dass du ein Niemand bist, wenn du nicht zur Gang gehörst." (Seite 22)
Das Leben in einer Stadt oder einem Viertel, das von einer Gang beherrscht wird,kann man sich als Außenstehender vermutlich gar nicht vorstellen. Jay wird nicht in diese Welt hineingeboren, aber findet schnell heraus, wie der Hase läuft und passt sich an. Das muss er tun. Dieses Gang-Dasein bringt Rechte und Sicherheit für den Jungen mit sich, aber auch viele Regeln und Pflichten, an die man sich halten muss und über die man gleichzeitig schlecht den Überblick bewahren kann. Hier ist Jay sehr reflektiert und so gelingt dem Protagonisten den Leser mit einer Mischung aus Nachdenklichkeit und leicht ironischem Witz an sich zu binden. 

"Der Gangster Moses und seine zehn Gebote. Aber es sind mehr als zehn. Es sind so viele, dass ich sie nicht mehr zählen kann." (Seite 96)
Dabei wirkt die Geschichte sehr authentisch. Jay will aufsteigen und muss sich diesen Aufstieg verdienen. Sein Wunsch eigene Wege zu gehen, kollidiert unweigerlich mit den Verpflichtungen, die er eingegangen ist. 
Er soll jemanden töten. Es geht um Gewalt, Brutalität und Mord. Wie soll ein fünfzehnjähriger Junge, der sich zwar erwachsen fühlt, es aber längst nicht ist, mit alldem fertig werden, zur Schule gehen, sich verlieben und nun tatsächlich erwachsen werden?
Gleichzeitig ist dieser Jugendroman durchaus auch sprachlich sehr empfehlenswert. Symbolik und Metaphern nehmen implizit einen hohen Stellenwert ein, sodass man hier lernt sich mit sprachlichen Bildern auseinander zu setzen, ohne dass man sich analytisch damit beschäftigen muss. 
Es geht aber auch nicht nur um die Gang, es geht um das Erwachsenwerden an sich. Die Abgrenzung zu anderen, aber auch vor allem zu den Eltern. Es geht um Sexualität und den Umgang damit, sehr reflektiert ohne den nervigen erhobenen Zeigefinger.
Obwohl die einzelnen Charaktere immer wieder unfreiwillig komisch wirken, sind sie mit Sorgfalt gezeichnet und dargestellt. Sie lassen den Leser lediglich schmunzeln oder den Kopf schütteln, da man das Verhalten kaum verstehen kann. Doch die hohe Reflektionsfähigkeit des Protagonisten fängt diese Verwirrung und dieses Unverständnis immer wieder gekonnt auf.
Einen Kritikpunkt kann man kaum richtig in Worte fassen. Das Buch reißt den Leser nicht komplett mit und es bleibt wenig in Erinnerung. Ja, es lässt sich gut und schnell lesen, es macht Spaß, aber es wird schnell von anderen Büchern, eigenen Erlebnissen überlagert und so verschwindet dieses Buch schnell aus dem Kopf. Das ist sehr schade.
"Das ist das Problem, wenn du fünfzehn bist. Du fühlst dich zwar nicht wie ein Kind, aber alle behandeln dich so." (Seite 38)
Fazit: Ein gut zu lesendes Buch über das Gang-Dasein und das Erwachsenwerden mit markanten Charkateren und einem reflektierenden Protagonisten. Leider bleibt das Buch nicht hängen, kann nicht komplett mitreißen, aber trotzdem für jeden jugendlichen Leser zu empfehlen.

Gesamtnote: 2
Charaktere: 2
Handlung: 2-3

Über den Autor: John Lucas wurde im östlichen Teil Londons geboren. Im Problemviertel Hackney aufgewachsen, war er mehrfach Opfer und Zeuge von Gewalttaten. Sein Debütroman »No Way Back« basiert auf Johns eigenen Erfahrungen aus seiner Kindheit und Jugend. (Quelle)

1 Kommentar:

  1. Ich hatte es mir auch als interessante Neuerscheinung aufgeschrieben, aber dann vergessen, worum es ging. Jetzt wo ich es wieder bei dir lese, werde ich wieder neugierig auf das Buch.

    Liebe Grüße, Tine

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