Samstag, 11. Juli 2015

[Rezension] Luca di Fulvio - Das Kind, das nachts die Sonne fand

Autor: Luca di Fulvio
Titel:
Das Kind, das nachts die Sonne fand
Genre:
Historischer Roman
Seiten:
832
Verlag: Bastei Lübbe

Veröffentlichung: 12. März 2015
ISBN: 
978-3404171804
Preis: 9,99 Euro

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Klappentext:
Raühnval, ein opulentes Herrschaftsgebiet in den Ostalpen. Der junge Marcus lebt ein privilegiertes Leben als Sohn des Landesfürsten. Elisa ist die Tochter der Dorfhebamme und weiß, was Entbehrung heißt. Bei einem Massaker werden Marcus' Familie und alle übrigen Burgbewohner ermordet. Dank Elisas Hilfe bleibt Marcus unentdeckt und findet mit einer neuen Identität Aufnahme bei den Dorfbewohnern. Doch er spürt schon bald, dass ihm ein anderes Schicksal vorherbestimmt ist: Sein Herz brennt für Freiheit und Gerechtigkeit... (Quelle)

Meine Meinung:
Ich habe bisher gute Erfahrung mit diesem Autor gemacht und viele schöne Stunden damit verbracht seinen Geschichten zu lauschen, da ich sie als Hörbuch gekauft hatte. Dasselbe geschah auch hier. Hörbuch gekauft und voller Zuversicht damit gerechnet, schöne Stunden zu verbringen.
Doch leider wurde ich sehr enttäuscht und kann mir dies kaum erklären. 
Mir bleibt jetzt nur die Möglichkeit meine Kritikpunkte aufzuzählen. 
Am schwersten wiegt die Tatsache, dass diese Geschichte in allen Teilen vorhersehbar ist. Natürlich wird selten das Rad neu erfunden, wenn neue Titel auf den Markt kommen, aber hier ist es besonders drastisch. Ein kleiner Junge, der um sein Erbe betrogen wird und das Massaker seiner Familie miterlebt, wächst unter schwierigsten Bedingungen auf, wird Rebellenkönig und will alle in die Freiheit führen. Bereits nach wenigen Seiten weiß der Leser, in welche junge Dame sich der Protagonist verliebt. Keine der Wendungen in diesem Roman kommt unterwartet und je weiter man voranschreitet, desto öfter dachte ich nur "War ja klar...". Natürlich soll der Autor auch nicht mit nicht nachvollziehbaren Wendungen negativ auffallen, aber hier kam einfach nur Langweile auf. 
Das wird dadurch verstärkt, dass die Charaktere problemlos in schwarz und weiß, gut und böse einzuteilen sind. Manch einer von ihnen muss einen kurzen Knick in der Lebenskurve hinnehmen, in dem Versuch Spannung aufzubauen, aber jeder, den man zu Beginn als gut oder böse identifiziert, ist und bleibt es auch. Da kann keine Hintergrundgeschichte, die ihn als etwas anderes zu entlarven versucht, etwas ändern. 
Ein Umstand hat mich dann immer mal wieder völlig überrascht: die unverhältnismäßige Brutalität. Sie ist sicher nicht unverhältnismäßig im Vergleich zu dem, was man den Menschen und auch den Menschen des Mittelalters zutraut, aber im Vergleich zum Rest des Romans. Die Geschichte plätschert so vor sich hin und dann wird plötzlich derart detailreich beschrieben, wie einem Mann die Haut am lebendigen Leib abgezogen wird, dass mir doch etwas übel wurde. Das passt überhaupt nicht zusammen. 
Etwas zugute halten, muss man dem Schmöker lediglich, dass die Landschaftsbeschreibungen zum Träumen einladen. Jedes Gebiet, jede Burg, den Wald, das Tal, Konstanz - man kann sich alles wunderbar vor dem inneren Auge vorstellen und darin eintauchen. 
Leider macht dies all die Kritikpunkte nicht wett. Ich kann nur hoffen, dass Luca di Fulvio in seinen folgenden Werken wieder zur alten Stärke zurückfindet.

Fazit: Das herausragendste an diesem Roman ist der Titel, der mich sofort anspricht, etwas in mir wachrüttelt und mich zum Träumen einlädt. Halten kann der Roman all die Versprechungen des Titels nicht. 
Durch die hohe Vorhersehbarkeit bleibt Erzählung langweilig und mit unverhoffter Gewalt dann irgendwie verstörend.

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