Donnerstag, 30. Juli 2015

[Rezension] Meg Haston - Alles so leicht

Autor: Meg Haston
Titel:
Alles so leicht
Originaltitel:
Paperweight
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 13-16 Jahre
Seiten: 
320
Verlag: Thienemann
Veröffentlichung: 13. Juli 2015
ISBN:  9783522202152
Preis: 19,99 Euro
Oder beim Buchhändler vor Ort!

Klappentext: Stevie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist fest entschlossen, aus diesem Körper, aus diesem Leben zu verschwinden. Aber alle wollen sie daran hindern. Ihr Vater, der sie ins Therapiezentrum einweisen ließ. Anna, die so ganz anders ist als die anderen Seelenklempner. Und selbst den Mädchen, mit denen sie ein Zimmer und ein Schicksal teilt, fühlt sich Stevie jeden Tag näher. Aber sie wird sich nicht öffnen, sie hat schließlich einen Plan. Ehrlich bis zur Schmerzgrenze, mitfühlend und hoffnungsvoll erzählt

Meine Meinung:
Zu manchen Büchern ist so schnell alles gesagt und zu manch anderen weiß man nicht recht, wo man anfangen soll, fehlen einem die Worte. 
Bei diesem Jugendroman bin ich immer noch erschrocken, wie gut es mir tatsächlich gefallen hat. Wie gut es mir wegen - trotz? - der Thematik gefallen hat?
Ich weiß es nicht.
Stevie WILL sterben, sie will sich umbringen und das mithilfe der Anorexie, der Magersucht. Sie hat sogar ein bestimmtes Datum als Todestag im Sinn.
Ich habe die Macht gewählt. Ich habe den Tod gewählt.
"Stevie? Deine Ziele für die Therapie?"
Ich habe nur ein Ziel.  (Seite 40)
Sie beginnt gezwungenermaßen eine Therapie, die sie aber zu boykottieren versucht. Nur die Angst künstlich ernährt zu werden, lässt sie ab und an etwas essen, denn der andere Weg würde sie noch weiter von ihrem Ziel entfernen. 
Immer wieder wird in Rückblenden erzählt, wie Stevie zu dem verzweifelten jungen Mädchen geworden ist, dass jetzt versucht sich umzubringen. Diese Rückblenden steuern auf die große Katastrope zu: Der Leser erfährt früh, dass Stevie sich die Schuld am Tod ihres Bruders gibt, aber besonders ihr Essverhalten verändert sich schon viel früher. 
Nach dem Lesen dachte ich, dass mich der Mittelteil des Romans etwas stört. Es zieht sich ein wenig, die ganz große Spannung und das große Mitfühlen vom Beginn des Romans verebbt zunächst. Am Ende kämpft man wieder für und mit Stevie - selbst in der Zeit, in der Stevie sich selbst nicht sicher ist, wofür sie kämpft. Mit etwas Abstand ist mir aber auch klar geworden, dass die Geschichte diesen etwas ruhigeren Mittelteil mit all seinen Rückblenden braucht, um so sehr deutlich zu machen, wieso Stevie auf diese Weise handelt. 
Der Mittelweg existiert nicht für mich. Entweder hungere ich oder ich stopfe mich voll. Entweder bin ich völlig besoffen oder stocknüchtern. Ich liebe Josh und ich hasse mich selbst. Ich gebe Eden die Schuld und ich brauche sie. Wenn ich nicht leben kann, dann muss ich sterben. Es gibt keine Mitte. Nicht für mich. (Seite 106)
Stevie hat mich in all ihrer Verzweiflung erschreckt und der Autorin ist es gelungen mich aufzufangen, denn trotz der unverblühmten, brutalen Wahrheit und Realität, die hier geschildert wird, bleibt die Hoffnung bestehen. Der Unterton, der dem Roman anhaftet ist hoffnungsvoll, leise flüsternd, denn Stevie ist immer noch am Leben und es gibt immer einen Weg. 
Am Ende in den Anmerkungen sagt Meg Haston, dass es ihr wichtig war, Stevies Geschichte glaubwürdig zu erzählen und das ist ihr gelungen. Nicht nur ehrlich, sondern auch glaubwürdig bis zur Schmerzgrenze und für mich persönlich auch darüber hinaus. 
Der Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 13 Jahren an. Das ist sehr früh. Ich persönlich möchte diesen Roman keinem Mädchen unter 15 Jahren in die Hand drücken. Und jedes Kind sollte die Möglichkeit zu einem langen Gespräch - zu mehreren langen Gesprächen - während und nach der Lektüre erhalten, um Stevies verblendete Verherrlichung der Anorexie auf jeden Fall abzufangen. 

Fazit: Mir schwirrt all das noch immer im Kopf herum - keine einfache Kost, keine leichte Lektüre, denn Stevie will  nichts lieber als "zu leicht" zu sein für das Leben. 


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Kommentare:

  1. Wow, eine wirklich tolle Rezension, und das Buch landet somit direkt auf meiner Wunschliste, denn es klingt wirklich toll.

    LG Piglet ♥

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    1. Danke für das Lob!
      Und viel Spaß beim Lesen!

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  2. Huhu! (:

    Jetzt musst ich mir unbedingt einfach auch noch deine Rezension zu 'Alles so leicht' ansehen und merke, das es dir genauso wie mir gegangen ist. Die Autorin hat mir sehr zu schaffen gemacht mit dieser Geschichte, aber ich fand dieses Buch gleichzeitig auch sehr berührend und schön. (:

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Ja, wirklich wirklich kein einfaches Buch,
      aber ein wichtiges Thema. :)

      Viele Grüße

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  3. Hey,

    eine sehr schöne Rezension.
    Ich finde den Roman auch wirklich großartig, da er auf der einen Seite brutal realistisch ist, auf der anderen Seite aber auch zeigt, dass es Hoffnung geben kann.
    Die Realität ist leider etwas anders. Essstörungen sind die psychischen Erkrankungen mit der höchsten Sterberate, denn leider bekommen nur sehr wenige die Kurve. Ich habe mich auch gefragt, ob 13 das richtige Alter ist, um dieses Buch schon zu lesen und habe mich dann für "Ja" entschieden, denn solche Geschichten können auch Mut machen oder zumindest einen Anstoß in die richtige Richtung geben. Und leider treten Essstörungen häufig schon in sehr jungen Jahren auf.

    Viele liebe Grüße
    Nanni

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