Donnerstag, 16. Juli 2015

[Rezension] Sebastian Fitzek - Passagier 23

Autor: Sebastian Fitzek
Titel:
Passagier 23
Genre:
Psychothriller
Seiten:
432
Verlag:
Droemer HC
Veröffentlichung: 30. Oktober 2014
ISBN:
978-3426199190
Preis: 9,99 Euro
Oder beim Buchhändler vor Ort!

Klappentext: Jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund 20 Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Noch nie kam jemand zurück. Bis jetzt ...

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler.
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm... (Quelle)

Meine Meinung:
Bis vor wenigen Tagen war ich noch davon überzeugt, dass Thriller - auch Psychothriller - nicht so mein Ding sind. So blöd es klingt, habe ich mit und bei ihnen schnell gelangweilt und die Geschichte konnte mich nicht so richtig packen. 
Passagier 23 besitze ich aber als Hörbuch und so dachte ich mir, dass ich einfach mal den Versuch wagen könnte und mich darauf einlasse. Gesagt getan - und kaum noch davon losgekommen. 
Vorweg sei schon gesagt: Fitzek hat mich wohl von meiner Thrillerabneigung befreit. Es wird nicht bei diesem Buch bleiben.
Wir haben es hier klassischerweise mit einem irgendwie durchgedrehten Ermittler zu tun, der auf das Schiff zurückkommt, das für seinen etwas fragwürdigen Geisteszustand verantwortlich ist und dort nun das Verschwinden oder besser das Wiederauftauchen eines Passagiers 23 aufklären soll. 
Ab diesem Moment beginnt eine krasse Geschichte, die mir unter die Haut ging und mich fragen ließ, ob ich jemals ein Kreuzfahrtschiff betreten möchte. 
Dabei sind zunächst die Charaktere erwähnenswert. Sie sind sehr stark gezeichnet und man kann leicht den Eindruck erhalten, dass sie überzeichnet sein könnten. Andererseits muss man so ehrlich sein, dass solche Menschen tatsächlich da draußen in unserer Welt herumlaufen und diese Welt nicht zu einem besseren Ort machen. So ist Martin - das psychische Wrack - zwar auf der Seite der Guten, aber an Bord passiert derart Schreckliches, dass es nicht nur einen Täter geben kann. 
Zu einem Großteil der Zeit verfolgt der Leser das Geschehen zusammen mit Martin gemeinsam mit dem Er-Erzähler. Aber es gibt auch immer wieder Perspektivwechsel, die dem Leser zum Teil auch die Haare zu Berge stehen lassen. Dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter. Es geht darum Menschen psychisch an den Rand des Wahnsinns und darüber hinauszubringen und um Kinder, denen...  
Naja, lest es selbst, ich will ja nichts vorwegnehmen. 
Die Handlung ist sehr dicht und es gibt keine Möglichkeit zwischendurch einmal Luft zu holen. Verstärkt hat sich für mich dieser Eindruck, da ich das Hörbuch gehört habe und der Sprecher Simon Jäger seine Sache grandios macht. Die alter Wiener Dame, die Martin auf das Schiff lockt, könnte man genau mit dieser Stimme und diesem Akzent in Wien treffen. Einen Mann, der sich gerade die Nase gebrochen hat, spricht er tatsächlich so, dass man ihn gerne zum Arzt schicken möchte. 
Ich kann jeden verstehen, der sagt, dass diese Geschichte nichts für ihn ist, weil sie zu krasse Formen annimmt und die Charaktere in ihrer Fülle zu dominant und zu abgedreht sind. Aber hey, das hier ist eine Geschichte und ich muss sagen, dass ich mir - so gruselig es ist - vorstellen kann, dass so etwas passieren KÖNNTE. Tut es nicht, aber die Geschichte zieht einen in den Bann und fesselt und das ist die Aufgabe eines guten Thrillers. 

Fazit: Ich bin nicht sicher, ob ich mich nach diesem Buch jemals auf ein Kreuzfahrtschiff trauen werde. Und ich wurde von meiner Abneigung gegen (Psycho-)Thriller geheilt. Ich kann es kaum erwarten, mir den nächsten Fitzek vorzunehmen. Ja, die Charaktere sind stark gezeichnet, aber die Geschichte bleibt bis zum Ende spannend und dabei in sich schlüssig. Lesen! - aber nur, wenn du die Nerven dafür hast!


Weitere Bücher des Autors:



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Kommentare:

  1. Wow - mit mir scheint wirklich was nicht zu stimmen :D
    Alle schwärmen von Passagier 23 und ich fand es irgendwie schnarchig...die Story hat mich überhaupt nicht mitgerissen.
    Ich hatte es von einer Kollegin ausgeliehen, die glühende Fitzek-Verehrerin ist...vielleicht hab ich dadurch zu viel erwartet!?
    Auf jeden Fall hab ich keinerlei Ambitionen weiteres von ihm zu lesen.

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    1. Hallo Barbs,
      ich würde auf jeden Fall noch einen Versuch wagen, Fitzek kann sehr sehr spannend und überraschend sein. Passagier 23 war auch für mich nicht das Beste, das er geschrieben hat.
      Mein Tipp wäre Der Seelenbrecher.

      Lieben Gruß, Schneewittchen

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  2. Hey Barbs,

    willst du es wirklich nicht noch einmal versuchen? Manche sagen auch, dass es sein schlechtestes Werk sei. Ich werde mich als nächstes an "Noah" versuchen, denk ich.
    Ich hoffe, dass das keine Eintagsfliege war und ich wirklich mehr Thriller lesen werde. :)
    Gibt es andere Thriller, die du empfehlen kannst?

    Grüße

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  3. Hallo Asaviel,

    du bist ja begeistert! Ich tue mir mit Fitzek meistens etwas schwer, aber das Buch habe ich noch am SuB und jetzt freue ich mich so richtig drauf.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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