Donnerstag, 30. Juli 2015

[Rezension] Meg Haston - Alles so leicht

Autor: Meg Haston
Titel:
Alles so leicht
Originaltitel:
Paperweight
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: 13-16 Jahre
Seiten: 
320
Verlag: Thienemann
Veröffentlichung: 13. Juli 2015
ISBN:  9783522202152
Preis: 19,99 Euro
Oder beim Buchhändler vor Ort!

Klappentext: Stevie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist fest entschlossen, aus diesem Körper, aus diesem Leben zu verschwinden. Aber alle wollen sie daran hindern. Ihr Vater, der sie ins Therapiezentrum einweisen ließ. Anna, die so ganz anders ist als die anderen Seelenklempner. Und selbst den Mädchen, mit denen sie ein Zimmer und ein Schicksal teilt, fühlt sich Stevie jeden Tag näher. Aber sie wird sich nicht öffnen, sie hat schließlich einen Plan. Ehrlich bis zur Schmerzgrenze, mitfühlend und hoffnungsvoll erzählt

Meine Meinung:
Zu manchen Büchern ist so schnell alles gesagt und zu manch anderen weiß man nicht recht, wo man anfangen soll, fehlen einem die Worte. 
Bei diesem Jugendroman bin ich immer noch erschrocken, wie gut es mir tatsächlich gefallen hat. Wie gut es mir wegen - trotz? - der Thematik gefallen hat?
Ich weiß es nicht.
Stevie WILL sterben, sie will sich umbringen und das mithilfe der Anorexie, der Magersucht. Sie hat sogar ein bestimmtes Datum als Todestag im Sinn.
Ich habe die Macht gewählt. Ich habe den Tod gewählt.
"Stevie? Deine Ziele für die Therapie?"
Ich habe nur ein Ziel.  (Seite 40)
Sie beginnt gezwungenermaßen eine Therapie, die sie aber zu boykottieren versucht. Nur die Angst künstlich ernährt zu werden, lässt sie ab und an etwas essen, denn der andere Weg würde sie noch weiter von ihrem Ziel entfernen. 
Immer wieder wird in Rückblenden erzählt, wie Stevie zu dem verzweifelten jungen Mädchen geworden ist, dass jetzt versucht sich umzubringen. Diese Rückblenden steuern auf die große Katastrope zu: Der Leser erfährt früh, dass Stevie sich die Schuld am Tod ihres Bruders gibt, aber besonders ihr Essverhalten verändert sich schon viel früher. 
Nach dem Lesen dachte ich, dass mich der Mittelteil des Romans etwas stört. Es zieht sich ein wenig, die ganz große Spannung und das große Mitfühlen vom Beginn des Romans verebbt zunächst. Am Ende kämpft man wieder für und mit Stevie - selbst in der Zeit, in der Stevie sich selbst nicht sicher ist, wofür sie kämpft. Mit etwas Abstand ist mir aber auch klar geworden, dass die Geschichte diesen etwas ruhigeren Mittelteil mit all seinen Rückblenden braucht, um so sehr deutlich zu machen, wieso Stevie auf diese Weise handelt. 
Der Mittelweg existiert nicht für mich. Entweder hungere ich oder ich stopfe mich voll. Entweder bin ich völlig besoffen oder stocknüchtern. Ich liebe Josh und ich hasse mich selbst. Ich gebe Eden die Schuld und ich brauche sie. Wenn ich nicht leben kann, dann muss ich sterben. Es gibt keine Mitte. Nicht für mich. (Seite 106)
Stevie hat mich in all ihrer Verzweiflung erschreckt und der Autorin ist es gelungen mich aufzufangen, denn trotz der unverblühmten, brutalen Wahrheit und Realität, die hier geschildert wird, bleibt die Hoffnung bestehen. Der Unterton, der dem Roman anhaftet ist hoffnungsvoll, leise flüsternd, denn Stevie ist immer noch am Leben und es gibt immer einen Weg. 
Am Ende in den Anmerkungen sagt Meg Haston, dass es ihr wichtig war, Stevies Geschichte glaubwürdig zu erzählen und das ist ihr gelungen. Nicht nur ehrlich, sondern auch glaubwürdig bis zur Schmerzgrenze und für mich persönlich auch darüber hinaus. 
Der Verlag gibt eine Altersempfehlung ab 13 Jahren an. Das ist sehr früh. Ich persönlich möchte diesen Roman keinem Mädchen unter 15 Jahren in die Hand drücken. Und jedes Kind sollte die Möglichkeit zu einem langen Gespräch - zu mehreren langen Gesprächen - während und nach der Lektüre erhalten, um Stevies verblendete Verherrlichung der Anorexie auf jeden Fall abzufangen. 

Fazit: Mir schwirrt all das noch immer im Kopf herum - keine einfache Kost, keine leichte Lektüre, denn Stevie will  nichts lieber als "zu leicht" zu sein für das Leben. 


Ähnliche Bücher:

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Donnerstag, 16. Juli 2015

[Rezension] Sebastian Fitzek - Passagier 23

Autor: Sebastian Fitzek
Titel:
Passagier 23
Genre:
Psychothriller
Seiten:
432
Verlag:
Droemer HC
Veröffentlichung: 30. Oktober 2014
ISBN:
978-3426199190
Preis: 9,99 Euro
Oder beim Buchhändler vor Ort!

Klappentext: Jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund 20 Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Noch nie kam jemand zurück. Bis jetzt ...

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler.
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm... (Quelle)

Meine Meinung:
Bis vor wenigen Tagen war ich noch davon überzeugt, dass Thriller - auch Psychothriller - nicht so mein Ding sind. So blöd es klingt, habe ich mit und bei ihnen schnell gelangweilt und die Geschichte konnte mich nicht so richtig packen. 
Passagier 23 besitze ich aber als Hörbuch und so dachte ich mir, dass ich einfach mal den Versuch wagen könnte und mich darauf einlasse. Gesagt getan - und kaum noch davon losgekommen. 
Vorweg sei schon gesagt: Fitzek hat mich wohl von meiner Thrillerabneigung befreit. Es wird nicht bei diesem Buch bleiben.
Wir haben es hier klassischerweise mit einem irgendwie durchgedrehten Ermittler zu tun, der auf das Schiff zurückkommt, das für seinen etwas fragwürdigen Geisteszustand verantwortlich ist und dort nun das Verschwinden oder besser das Wiederauftauchen eines Passagiers 23 aufklären soll. 
Ab diesem Moment beginnt eine krasse Geschichte, die mir unter die Haut ging und mich fragen ließ, ob ich jemals ein Kreuzfahrtschiff betreten möchte. 
Dabei sind zunächst die Charaktere erwähnenswert. Sie sind sehr stark gezeichnet und man kann leicht den Eindruck erhalten, dass sie überzeichnet sein könnten. Andererseits muss man so ehrlich sein, dass solche Menschen tatsächlich da draußen in unserer Welt herumlaufen und diese Welt nicht zu einem besseren Ort machen. So ist Martin - das psychische Wrack - zwar auf der Seite der Guten, aber an Bord passiert derart Schreckliches, dass es nicht nur einen Täter geben kann. 
Zu einem Großteil der Zeit verfolgt der Leser das Geschehen zusammen mit Martin gemeinsam mit dem Er-Erzähler. Aber es gibt auch immer wieder Perspektivwechsel, die dem Leser zum Teil auch die Haare zu Berge stehen lassen. Dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter. Es geht darum Menschen psychisch an den Rand des Wahnsinns und darüber hinauszubringen und um Kinder, denen...  
Naja, lest es selbst, ich will ja nichts vorwegnehmen. 
Die Handlung ist sehr dicht und es gibt keine Möglichkeit zwischendurch einmal Luft zu holen. Verstärkt hat sich für mich dieser Eindruck, da ich das Hörbuch gehört habe und der Sprecher Simon Jäger seine Sache grandios macht. Die alter Wiener Dame, die Martin auf das Schiff lockt, könnte man genau mit dieser Stimme und diesem Akzent in Wien treffen. Einen Mann, der sich gerade die Nase gebrochen hat, spricht er tatsächlich so, dass man ihn gerne zum Arzt schicken möchte. 
Ich kann jeden verstehen, der sagt, dass diese Geschichte nichts für ihn ist, weil sie zu krasse Formen annimmt und die Charaktere in ihrer Fülle zu dominant und zu abgedreht sind. Aber hey, das hier ist eine Geschichte und ich muss sagen, dass ich mir - so gruselig es ist - vorstellen kann, dass so etwas passieren KÖNNTE. Tut es nicht, aber die Geschichte zieht einen in den Bann und fesselt und das ist die Aufgabe eines guten Thrillers. 

Fazit: Ich bin nicht sicher, ob ich mich nach diesem Buch jemals auf ein Kreuzfahrtschiff trauen werde. Und ich wurde von meiner Abneigung gegen (Psycho-)Thriller geheilt. Ich kann es kaum erwarten, mir den nächsten Fitzek vorzunehmen. Ja, die Charaktere sind stark gezeichnet, aber die Geschichte bleibt bis zum Ende spannend und dabei in sich schlüssig. Lesen! - aber nur, wenn du die Nerven dafür hast!


Weitere Bücher des Autors:



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Dienstag, 14. Juli 2015

[EBook-Serie] Markus Heitz - Aera: Opfergaben

Autor:  Markus Heitz
Titel:
Aera - Die Rückkehr der Götter: Opfergaben
Reihe:
Aera
Seiten:
ca. 161
Verlag: knaur
Veröffentlichung: 3. Juli. 2015
Preis:
0,99 Euro

Nach allem, was man schon im Vorfeld gehört und gelesen hatte, war meine Neugier nach dem Prolog endgültig geweckt. Das klang doch zu verlockend.
Also habe ich mich an Malleus Seite gestellt und wollte mit ihm diese neue Welt erkunden. Malleus ist der Protagonist und in einer Welt, in der die Götter erschienen sind, eine Rarität. Er ist weiterhin Atheist. Atheisten glauben an nichts. Sie glauben nicht an Götter. Wie kann man nicht an Götter glauben, wenn man sie tagtäglich vor sich sieht?
Malleus kann.
Tja, so ist das, wenn Glaube auf Wissen trifft: Eines davon bleibt auf der Strecke (Position 216) 
Ganz allgemein muss man ihm zugestehen, dass er ein außergewöhnlicher Mann mit besonderen Marotten ist. Recht schnell erfährt der Leser durch unmissverständliche Andeutungen, dass er seine Frau und sein Kind verloren hat - man weiß nicht, was die Ursache hierfür ist. 
Ganz ähnlich wie bei einer Fernsehserie werden die Geschehnisse geschildert. Dass der Schreibstil des Autoren mir liegt, wusste ich schon vorher, aber auch hier kann man gut folgen und die Bilder entstehen im Kopf. Ungefähr so lange wie für eine TV-Serie brauchte ich auch für das Lesen der ersten Folge. Das Ende kam überraschend, da die letzten 40% des Ebooks ungefähr von einem Gottheiten-Lexikon eingenommen wird. 
Dieses Lexikon ist ganz praktisch, da Heitz seine Recherchearbeit gut gemacht hat und viele Gottheiten auftauchen, mit denen man als Normalverbraucher eher seltener in Kontakt kommt. Tatsächlich ist es aber auch so, dass im Verlauf der Erzählung selbst, die wichtigsten Eigenschaften dieser "Entitäten" noch benannt werden.
Die Spannung erhöht der Umstand, dass nicht nur Malleus die Rolle des Protagonisten erhält. Seine Geschichte wird aus der Sicht des Er-Erzählers verfolgt. Gleichzeitig gibt es immer wieder einen Schnitt zu einer zweiten Person (?), die im Ich-Erzähler Malleus verfolgt. Man erfährt nicht, wer diese Person ist und was ihr eigentliches Ziel ist. Sie macht nur deutlich, dass sie Malleus aus ganz eigenen Motiven folgt.
"Und seitdem folge ich ihm. Er weiß nicht, dass es mich gibt. Aber ich bin da. Ich bin da..." (Position 85)
So richtig packen konnte mich die Geschichte selbst leider im Verlauf der ersten Folge nicht. Faszinierend war die Umgebung, das Setting, aber die Geschichte? Es verschwinden Kunstgegenstände - hier wird wohl die Metastory aufgebaut. Viel mehr passiert tatsächlich nicht.
Vielleicht hätte ich mir sogar schon nach dem ersten Teil überlegt, diese Serie doch ruhen zu lassen, aber der Cliffhanger am Ende ist äußerst fies und böse, sodass ich dann doch - ohne zu zögern - Teil zwei ordern musste. 
Außerdem soll man ja jedem eine zweite Chance geben.

Montag, 13. Juli 2015

Dieses Buch bleibt im Regal #5

 
Eine Aktion von Damaris liest.

Ach ja... es ist ein ganz kleines, unscheinbares Büchlein, das mir so ans Herz gewachsen ist, von dem ich schon andere überzeugen konnte und das ich immer mal wieder sehr gerne hervorziehe und drin lese.
Nur 192 Seiten, aber diese tragen so viel in sich. 
"Zeit ist ein schwarzes Loch, denkt sie, ein Zusammenschrumpfen ins Nichts, vorweggenommene Ewigkeit." Seite 37


Rezensiert habe ich den kurzen Roman im April 2012 (Rezension), da hatte ich wohl noch gar  nicht richtig meinen Stil gefunden, aber die Geschichte hat mich gefesselt und seitdem nicht mehr losgelassen.

Mein Fazit damals lautet: Eine wunderbare und ergreifende Geschichte, die dem Leser ohne Weiteres die Tränen in die Augen treibt. Mit nur wenigen Seiten ist das Buch schnell gelesen, doch es geht unter die Haut und ist daher nichts für Zwischendurch, sondern es fordert eine Phase nach der Lektüre, in der es nachwirkt und den Leser weiter beschäftigt. 

Es geht um einen Unfall und um einen Roadtrip. Auf diesem Trip ist der Protagonist auf der Suche nach sich selbst und zusammen mit seiner Begleitung sind sie auf der Suche nacheinander. 

"Manche Menschen verstecken sich hinter ihrem Gerede", sagt Laura, "du hinter deinem Schweigen." (Seite 47)


Obwohl es ein Jugendbuch ist, möchte ich es jedem ans Herz legen. Nehmt euch die Zeit - fürs Lesen braucht ihr nicht lange, aber für die Wirkung danach!





Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet, bis auf Weiteres, jeden zweiten Montag statt)

Alles weitere direkt bei "Damaris liest"

Samstag, 11. Juli 2015

[Rezension] Luca di Fulvio - Das Kind, das nachts die Sonne fand

Autor: Luca di Fulvio
Titel:
Das Kind, das nachts die Sonne fand
Genre:
Historischer Roman
Seiten:
832
Verlag: Bastei Lübbe

Veröffentlichung: 12. März 2015
ISBN: 
978-3404171804
Preis: 9,99 Euro

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Oder beim Buchhändler vor Ort!


Klappentext:
Raühnval, ein opulentes Herrschaftsgebiet in den Ostalpen. Der junge Marcus lebt ein privilegiertes Leben als Sohn des Landesfürsten. Elisa ist die Tochter der Dorfhebamme und weiß, was Entbehrung heißt. Bei einem Massaker werden Marcus' Familie und alle übrigen Burgbewohner ermordet. Dank Elisas Hilfe bleibt Marcus unentdeckt und findet mit einer neuen Identität Aufnahme bei den Dorfbewohnern. Doch er spürt schon bald, dass ihm ein anderes Schicksal vorherbestimmt ist: Sein Herz brennt für Freiheit und Gerechtigkeit... (Quelle)

Meine Meinung:
Ich habe bisher gute Erfahrung mit diesem Autor gemacht und viele schöne Stunden damit verbracht seinen Geschichten zu lauschen, da ich sie als Hörbuch gekauft hatte. Dasselbe geschah auch hier. Hörbuch gekauft und voller Zuversicht damit gerechnet, schöne Stunden zu verbringen.
Doch leider wurde ich sehr enttäuscht und kann mir dies kaum erklären. 
Mir bleibt jetzt nur die Möglichkeit meine Kritikpunkte aufzuzählen. 
Am schwersten wiegt die Tatsache, dass diese Geschichte in allen Teilen vorhersehbar ist. Natürlich wird selten das Rad neu erfunden, wenn neue Titel auf den Markt kommen, aber hier ist es besonders drastisch. Ein kleiner Junge, der um sein Erbe betrogen wird und das Massaker seiner Familie miterlebt, wächst unter schwierigsten Bedingungen auf, wird Rebellenkönig und will alle in die Freiheit führen. Bereits nach wenigen Seiten weiß der Leser, in welche junge Dame sich der Protagonist verliebt. Keine der Wendungen in diesem Roman kommt unterwartet und je weiter man voranschreitet, desto öfter dachte ich nur "War ja klar...". Natürlich soll der Autor auch nicht mit nicht nachvollziehbaren Wendungen negativ auffallen, aber hier kam einfach nur Langweile auf. 
Das wird dadurch verstärkt, dass die Charaktere problemlos in schwarz und weiß, gut und böse einzuteilen sind. Manch einer von ihnen muss einen kurzen Knick in der Lebenskurve hinnehmen, in dem Versuch Spannung aufzubauen, aber jeder, den man zu Beginn als gut oder böse identifiziert, ist und bleibt es auch. Da kann keine Hintergrundgeschichte, die ihn als etwas anderes zu entlarven versucht, etwas ändern. 
Ein Umstand hat mich dann immer mal wieder völlig überrascht: die unverhältnismäßige Brutalität. Sie ist sicher nicht unverhältnismäßig im Vergleich zu dem, was man den Menschen und auch den Menschen des Mittelalters zutraut, aber im Vergleich zum Rest des Romans. Die Geschichte plätschert so vor sich hin und dann wird plötzlich derart detailreich beschrieben, wie einem Mann die Haut am lebendigen Leib abgezogen wird, dass mir doch etwas übel wurde. Das passt überhaupt nicht zusammen. 
Etwas zugute halten, muss man dem Schmöker lediglich, dass die Landschaftsbeschreibungen zum Träumen einladen. Jedes Gebiet, jede Burg, den Wald, das Tal, Konstanz - man kann sich alles wunderbar vor dem inneren Auge vorstellen und darin eintauchen. 
Leider macht dies all die Kritikpunkte nicht wett. Ich kann nur hoffen, dass Luca di Fulvio in seinen folgenden Werken wieder zur alten Stärke zurückfindet.

Fazit: Das herausragendste an diesem Roman ist der Titel, der mich sofort anspricht, etwas in mir wachrüttelt und mich zum Träumen einlädt. Halten kann der Roman all die Versprechungen des Titels nicht. 
Durch die hohe Vorhersehbarkeit bleibt Erzählung langweilig und mit unverhoffter Gewalt dann irgendwie verstörend.

Samstag, 4. Juli 2015

[Ebook-Serie] Markus Heitz - Aera - Prolog

Wir das unsere Zukunft sein?
Bücher nur noch als Serien - jede Woche, jeden Abend, im zwei Wochen Rhythmus?
Götter, die zurückgekehrt sind, sie alle.
Alle aus Gott, Allah und Jahwe? 

Autor:  Markus Heitz
Titel:
Aera - Wie alles begann - Prolog
Reihe:
Aera
Seiten:
ca 65
Verlag:
knaur
Veröffentlichung: 3. Juli. 2015
Preis:
0,00 Euro

Klappentext: Es geschah. Von einem Tag auf den nächsten waren sie wieder da: Götter. Und zwar die alten Götter. Jene, welche die Bibel mit »Du sollst neben mir keine anderen Götter haben« meinte – und deren Existenz die Heilige Schrift der Christen niemals in Abrede stellte. Interpol-Ermittler Malleus Bourreau ist Atheist geblieben in einer Welt, in der es vor Göttern nur so wimmelt. Und er ist gut in seinem Job, denn er hat keinen Respekt. Nicht vor Menschen und nicht vor Göttern. Sein aktueller Fall fordert ihn allerdings: Wertvolle Artefakte aus den verschiedensten Kulturen sind verschwunden, und die Diebe gehen dabei buchstäblich über Leichen. Wie hängen die Gegenstände zusammen? Das kostenlose Prequel zu »AERA – Die Rückkehr der Götter« beschreibt, wie die Götter am 21. Dezember 2012 auf die Erde zurückgekommen sind und wie sich die Welt seitdem bis zum Start von AERA im Jahre 2019 verändert hat … 
Weitere Infos beim Klick aufs Bild :)

Zugegeben.
Ich hab da etwas durcheinander gebracht. 
Ja, es gibt jetzt eine Geschichten oder Bücherserie von Markus Heitz, die im zwei Wochen Rhythmus erscheint und dann immer zwei Episoden im Gepäck hat. 
Ob das die Zukunft ist? 
Am Ende wird es im November aber auch das gesamte Werk in einem Band zu kaufen geben. Der Idee dahinter kann man ihren Reiz nicht absprechen.

Zudem klang Markus Heitz Idee für die Geschichte selbst auch noch äußerst reizvoll. Also war klar, dass ich dabei sein werde. 

In den folgenden Wochen wird es zu jedem erscheinenden und von mir gelesenen Teil eine Kurzrezension geben.

Wie alles begann - Prolog

Egal ob Großer Geist, ob Mictlantecuhtli, ob Anubis, ob Odin und Thor, ob namenlose Naturgottheiten oder Legenden wie Mars und Hephaistos, ob Olorun, ob Erdmutter und Loa, ob Shiva oder Kami oder Manifestationen Buddhas oder Cai Shen - sie existieren. Real.
Aus Glaube wurde Wissen.  (Position 192)
Ich liebe ja Prologe. Die können eigentlich gar nicht zu lang sein. Bei ungefähr 65 Seiten habe ich dann aber doch etwas verwundert dreingeblickt. Soooo lang? Das ist ja gleich eine ganze Geschichte?
Die Herangehensweise ist tatsächlich ungewöhnlich.
Normalerweise wird man in Fantasywelten einfach ins kalte Wasser geworfen. Ja, der Erzähler erklärt ab und an ein paar Dinge, aber an sich muss sich der Leser selbst zurecht finden.
Nicht so hier.
Im Prolog wird in einer Zusammenfassung erzählt, was in der Zeit zwischen 2012 - als die ersten Götter erschienen - und 2019 - die Gegenwart der Geschichte - passiert ist.
Das geschieht quasi in Form einer Informationssendung oder einer Infobroschüre. Charaktere, die nicht direkt auftreten haben 2019 "Tun&Lassen" gegründet, um den Menschen Informationen und Tipps zu geben, was sie eben tun und lassen sollen.
So erhält man jetzt als Leser einen guten Rundumblick über die Geschehnisse - das Verhalten der Götter, das Verhalten der Menschen und den Ist-Zustand. 
Im ersten Moment ist das Einlesen etwas mühsam, weil einerseits so viel erklärt wird, andererseits der Erzähler aufgrund des Aufbaus ja davon ausgeht, dass man zumindest einen Teil der Geschehnisse miterlebt hat.
Aber Markus Heitz entfaltet eine Welt vor unserem inneren Auge, die unserer sehr ähnlich ist und die man "abnicken" kann. Man kann sich sofort vorstellen, dass Menschen und Götter sich genau auf diese Art und Weise verhalten, wenn sie erscheinen sollten.
Auch der Protagonist der folgenden Episoden wird bereits eingeführt, auch wenn man ihn zunächst eher nur von Weitem sieht, da nur von ihm als Atheisten erzählt wird. Zum Protagonisten in der nächsten Kurzrezension dann mehr. 
Der besondere Kniff an dieser Geschichte scheint nun zu sein, dass eben die drei großen Gottheiten - Gott, Jahwe und Allah nicht auf der Erde erschienen sind. Keiner weiß aus welchen Gründen. Einige sagen, weil sie einfach nicht existieren, andere sagen, dass sie sich zurückhalten oder dass sie längst unter den Charakteren wandeln und Gutes tun. Die ehemaligen Gläubigen, die sich bisher nicht von diesen drei Religionen abgewandt haben, führen ein Schattendasein.
"Wer sich offen zum Christentum bekennt, wird von vielen inzwischen als Querulant betrachtet, als jemand, der den Zorn der Entitäten weckt, indem er an etwas glaubt, dass es nicht gibt." (Positon 821)
 Ich kann es nicht leugnen: Meine Neugier ist geweckt, der 1. Teil der Serie schon angelesen. Hier wird eine sehr spannende Welt im Prolog entwickelt. Ob die Geschichte hält, was sie verspricht, hängt jetzt sicherlich zu einem großen Teil an den Charakteren. 

Freitag, 3. Juli 2015

[Rezension] Jennifer Rush - Escape

Autor: Jennifer Rush
Titel: Escape
Originaltitel: Altered
Reihe: 
1. Escape
2. Hide
3. Reborn (engliches Original)
Genre:
Jugendbuch
Seiten:
320
Verlag:
Loewe
Veröffentlichung: 16. Januar 2013
ISBN:
978-3785575161
Preis: 12,95 Euro
Oder beim Buchhändler vor Ort!

Klappentext: Du kannst nicht mehr nach Hause.
Du musstest deinem Vater schwören, nie wieder zurückzukommen.
Alles, woran du bisher geglaubt hast, entpuppt sich als Lüge.
Du weißt weder, wer du bist, noch, wem du trauen kannst.
Du weißt nur eins: Du rennst um dein Leben!
Wer sind die vier jungen Männer, die im Keller von Annas Haus gefangen gehalten werden? Tag für Tag führen Anna und ihr Vater im Auftrag der „Sektion“ medizinische Tests mit ihnen durch. Und Nacht für Nacht schleicht sich Anna in den Keller, um sich heimlich mit Sam, dem Anführer, zu treffen. Denn in ihn ist sie verliebt.
Niemand weiß, warum die vier für diese Versuche ausgewählt wurden. Am wenigsten sie selbst, denn ihre Erinnerung reicht nur exakt fünf Jahre zurück. Als sich für Sam und die anderen die Gelegenheit zur Flucht ergibt, schließt Anna sich ihnen an. Es beginnt eine atemlose Jagd quer durch die Vereinigten Staaten, immer auf der Suche nach der wahren Identität der vier Jungen. Und die einzige Spur, die sie haben, ist ein rätselhaftes Tattoo auf Sams Rücken. (Quelle)

Meine Meinung:

"Der Himmel - mit welcher Farbe hättest du ihn gemalt?"
"Azur. Dem Blau, das man fast schmecken kann."  (Seite 11)
Die vier Jungs, die bei einem Projekt mitmachen, von dem sie selbst auch nichts wissen, dürfen niemals das Labor verlassen und haben damit auch keine Chance den Himmel real wieder zu sehen. Darum ist es gerade Sam so wichtig, dass er ihm beschrieben wird. 
Sam ist - gemeinsam mit Anna - auch eine der Hauptpersonen dieser Geschichte. Von Anfang an ist nicht zu übersehen, dass es zwischen ihnen beiden funkt. Anna hält mit ihren Gefühlen auch nicht hinter dem Berg. Aber es ist irgendwie kompliziert - wie soll es auch anders sein?
Gemeinsam mit den jungen Männern flieht Anna. Sie gehört eigentlich zur anderen Seite, denn sie hat mit ihrem Vater zusammen Test an den Jungen vorgenommen. Aber auch sie kannte nicht das Ziel dieses Projekts. 
 Nun beginnt tatsächlich eine Jagd und auch ein gewisses Rätselraten. Die Jungs wissen nicht, wer sie sind und dem Leser wird auch recht schnell deutlich, dass Anna da stärker mit verstrickt ist, als zunächst angenommen. 
Immer wieder finden sich wahre Satzschätze in diesem Jugendroman, die ihn deutlich aufwerten und ein wunderbares Stimmungsbild malen:
"Die Fenster waren von einer feinen Staub- und Schmutzschicht bedeckt, dahinter war es dunkel. Das einzige Auto in der Nähe war unseres. Das Haus sah nicht nur verlassen aus, es fühlte sich sogar verlassen an. Einsamkeit hing in der Luft wie alter Zigarettenqualm, der nur darauf wartete, vertrieben zu werden." (Seite 115/116)
Leider geht dieses positive Gefühl aber verloren. Im Ganzen wirkt der Roman eher aufgesetzt und konnte mich nicht in seinen Bann schlagen. Die Reaktionen der Charaktere wirken deplaziert. Manches lässt sich im Nachhinein klären, aber die Gedanken der Ich-Erzählerin Anna sind teilweise absurd - selbst unter der Annahme, dass sich Verliebte öfter in diesem Zustand befinden. 
Die Verfolgungsjagd ist zum Glück nur an wenigen Stellen vorhersehbar, sodass dann doch noch zum Ende hin Spannung aufkommt. Die Wendung war jedoch vollständig vorhersehbar und nimmt dann wieder den Leisereiz weg.
"Es schadet nicht, mehr Schokolade zu nehmen - niemals. (Seite 15)
Fazit: Alles in allem ist das ein solider Jugendroman, der das Sprachvermögen der Autorin immer wieder aufblitzen lässt. Die Geschichte konnte mich in keinem Moment atemlos gefangen nehmen, was für mich auch den Ausschlag gibt, dass ich nicht zum nächsten Band greifen werde:
Man kann es lesen, aber es gibt auch wirklich besseres.


Erinnert mich entfernt an:

Donnerstag, 2. Juli 2015

Fundgrube Sätze #1

"(Es sind immer dieselben Fragen, die Teresa seit ihrer Kindheit beschäftigen. Wirklich ernsthaft sind nämlich nur Fragen, die auch ein Kind stellen kann. Nur die naivsten Fragen sind wirklich ernsthaft. Es sind die Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Eine Frage, auf die es keine Antwort gibt, ist eine Barriere, über die man nicht hinausgehen kann. Anders ausgedrückt: Gerade durch die Fragen, auf die es keine Antwort gibt, sind die Möglichkeiten des Menschen abgesteckt, die Grenzen seiner Existenz gezogen.)"
Aus: "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera, Seite 198

Welche Fragen beschäftigen mich?
Welche Fragen beschäftigen dich?


 
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